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Oktober 24, 2018

Disgaea 1 Complete

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Die Disgaea-Reihe ist inzwischen eine etablierte Institution, für die sich schon lange treue Fans auch außerhalb der japanischen Grenzen finden lassen. 2003 auf der PlayStation 2 mit Hour of Darkness gestartet- Nun wird die Disgaea-Reihe 15 Jahre alt!

Die Geschichte

Nach einem ungeplant langen Nickerchen von satten zwei Jahren erwacht der Schlossherr und Unterwelterbe Laharl, bevor seine Vasallin Etna ihn beim Versuch zu wecken umbringen kann. In der Zwischenzeit ist sein Vater verstorben und er selbst in Vergessenheit geraten, weshalb alles und jeder Anspruch auf den Thron erhebt. Auch im Himmelsreich Celestia hat man es darauf abgesehen, weswegen die junge Flonne als Attentäterin hinabgeschickt wird…

Das Gameplay

Disgaea hat mich vom Spielprinzip bereits vor Jahren gepackt, weil es das erste Spiel war, das an meine nostalgischen Gefühle von Final Fantasy Tactics heranreichte. Für mich muss ein JRPG (japanisches Rollenspiel) einfach rundenbasiert und taktisch sein und im Grunde genommen gibt es keine andere Spielereihe, die diese beiden Bedingungen so herausragend erfüllt wie Disgaea.

Von einer Hub-World, in diesem Fall Laharls Schloss, wird das Spielgeschehen gesteuert. Nicht nur gibt es hier sämtliche Shops, die Musik, Rüstung, Waffen oder Items verkaufen, sondern auch eine Krankenstation, den Senat und das Weltenportal, über das man Zugriff auf die der Reihe nach freigeschalteten Missionen erhält, welche die Story vorantreiben. Um in diesen allerdings überhaupt den Hauch einer Chance zu haben, muss man zunächst ein Team um sich scharen, das sich neben Laharl und Etna den feindseligen Gegnern stellt. Hierfür verwendet man im Kampf gewonnene Mana-Punkte und das für die Reihe typische Rekrutierungssystem. Aus einer im Spielverlauf wachsenden Auswahl an Monstern und Menschen mit verschiedenen Attributen wählt man seine Kämpfer aus, die je nach eingesetzten Mana-Punkten bessere Startbedingungen haben. Jede Klasse hat besondere Fähigkeiten und Vorlieben, einige können zaubern, andere sind am effektivsten mit dem Schwert unterwegs während wieder andere ihre Berufung mit Bogen oder Pistole gefunden haben. Auch Monster lassen sich rekrutieren, die zwar bessere Grundwerte mitbringen, dafür in der Regel nicht mit Ausrüstung verbessert werden können.

Begibt man sich dann mit seinem neu gefundenen Team in eine Mission, findet man sich auf einem gerasterten Spielfeld mit variierenden Bedingungen und Gegnern wieder. Von einem Startpunkt aus können beliebig viele Team-Mitglieder losgeschickt werden, die sich entsprechend ihrer Werte pro Runde eine bestimmte Anzahl von Feldern fortbewegen dürfen. Am Ziel angekommen steht jeder Charakter dann vor einer Auswahl von Möglichkeiten: Je nach Waffe bietet sich ein normaler Angriff an. Mit beispielsweise Schwertern, Äxten oder Fäusten ausgerüstete Kämpfer können die vier anliegenden Felder angreifen, Speere reichen auch diagonal oder über zwei Felder hinweg und Fernkampfwaffen haben eine entsprechend größere Reichweite. Alle Charaktere haben auch eine wachsende Auswahl an Spezialtechniken, die entweder mit höherer Kraft, größerer Reichweite oder Flächenschaden daherkommen, diese sind allerdings beschränkt auf einen vorgegebenen Felderpfad, der gerne auch mal von Mitstreitern, Gegnern oder Umgebungshindernissen blockiert sein kann. Nicht selten kann es auch von Vorteil sein in die Defensive zu gehen und sich gegen Angriffe zu wappnen. Ansonsten, wie in jedem anderen RPG auch, lassen sich natürlich ebenfalls Items mit den unterschiedlichsten Effekten einsetzen. Nach dem Kampf steht es einem frei, sich direkt ins nächste Abenteuer zu stürzen oder einen Zwischenstopp in der Krankenstation einzulegen, wo die Charaktere gegen dem Schaden entsprechenden Kosten wieder aufgepäppelt werden.

Ein weiterer Punkt, der sehr ikonisch für die Reihe ist: Man kann alles nahezu unendlich weit aufleveln. Die Charaktere machen nicht vor Level 9.999 Halt, Spezialfähigkeiten leveln mit der Benutzung, Waffen, Rüstungen und sogar Items können ebenfalls aufgepowert werden. Wer seinen Weg ins Game hineinfindet, kann so problemlos eine Spielzeit erreichen, die an den dreistelligen Stunden kratzt – und das gilt für jeden Teil der Reihe.

Die Grafik

Die letzten Disgaea-Teile habe ich noch auf der PlayStation Vita gespielt. Zum einen, weil ich zeitaufwändige Spiele immer lieber unterwegs zocke, zum anderen weil der Grafikstil einfach ohrenbetäubend laut „Handheld!“ schreit – was dann auch der Grund war, warum ich die Switch- der PS4-Version vorgezogen habe. Nahezu identisch wie in den alten Final Fantasy Tactics-Spielen haben wir eine relativ minimalistische Grafik aus einer isometrischen Perspektive aus. Die knuffig entworfenen Figuren im Cartoon-Stil (selbst die Dämonen sind eher niedlich als bedrohlich) zeigen sich so nur verhältnismäßig klein auf der Karte und haben auch nicht mehr als ein paar vorgefertigte Bewegungsmuster zu bieten. Während der Story zeigen sich zumindest die Hauptfiguren in je nach Stimmungslage variierenden, hübschen aber eben auch starren Manga-Zeichnungen zur Unterstützung des Dialogs.

Das Fazit

Disgaea ist bei mir jedes Mal aufs Neue eine äußerst aufreibende Hassliebe. Auf der einen Seite liebe ich die Reihe dafür ihrem klassischen Spielprinzip treu zu bleiben und so sehr auf rundenbasiert und Taktik zu setzen wie wohl kaum ein anderes Spiel. Die Möglichkeiten eine Mission zu beenden sind gerade in Leveln mit Geo-Feldern, die unterschiedliche Attribute beeinflussen, sehr weitreichend und es macht Spaß die verschiedenen Wege auszuprobieren – außer man wird regelmäßig dazu genötigt, weil der Schwierigkeitsgrad gehörig anzieht. Schon in den ersten Stunden stößt man mehrfach an Punkte, bei denen man entweder so lange andere Wege ausprobiert, bis der Erfolg gerade so glückt oder man kehrt in eine der vorigen Missionen zurück, um zu leveln oder man legt sich neue Charaktere zu – diese müssen aber auf jeden Fall gelevelt werden, weil sie je nach Mana-Einsatz bei 0 anfangen. Auch kann man natürlich neue Ausrüstung kaufen, allerdings ist das Budget eingeschränkt und die Schwierigkeit zieht regelmäßig an, sodass im normalen Spielverlauf nie genug Geld machen würde um hinterherzukommen. Auch ist mir persönlich das gesamte System, das viele Fans aber auch lieben, viel zu kompliziert und umständlich. Nach jeder Mission muss man wieder zurück in die Hub-World und gegen Geld sein Team heilen lassen. Man kann vor den Senat treten und dort um Gefälligkeiten bitten, über die abgestimmt wird, wobei man abgeneigte Senatoren bestechen oder bekämpfen kann. Alles und jeder kann auf verschiedenste Weise aufgelevelt werden, was meist schon erforderlich ist, früher oder später aber sehr eintönig wird. Auch gibt es ein paar Macken in der Steuerung, die ich bei so einer Neuauflage sehr gerne geändert gesehen hätte. Der Touchscreen der Switch kommt überhaupt nicht zum Einsatz, sodass man nicht einmal Dialoge damit weiterklicken kann. Einzig im Speichermenü funktioniert aus unerfindlichen Gründen das Navigieren mit dem Stick nicht, sodass man auf die Richtungstasten wechseln muss. Auch kann man die Spielwelt per Schultertasten nur in die vier Himmelsrichtungen drehen, wodurch die Übersicht in manchen Situationen leider nicht verbessert wird – eine optionale Vogelperspektive oder ein freieres Drehen wäre definitiv angenehm gewesen. Nichts desto trotz macht das Game Spaß, bietet Unmengen an Spielzeit, hunderte Individualisierungsmöglichkeiten, witzig geschriebene Figuren und eine durchaus spannende Story gepaart mit der Anforderung an taktisches Feingefühl. Für meinen Geschmack legt die Reihe den Spielern immer wieder aufs Neue unnötig viele, störende Steine in den Weg (ein auswählbarer Schwierigkeitsmodus wäre beispielsweise wünschenswert), ich lasse mich aber auch selten von derartigen Herausforderungen anheizen. Hast du mehr Ehrgeiz als ich? Dann wirst du mit Disgaea totsicher dämonisch viel Spaß haben.

Wir danken unserem Gastautor Thomas W. „LorD Avenger“ für diesen Test.

Wertung

7.7

Fazit

7.7/10
  Review
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