29. Juni 2019

Libelle und Drachenfaust

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Ich bin jemand, der ab und zu sehr gerne einen kleinen Abstecher in Richtung Independent Comics macht. Nichts gegen Marvel oder DC, aber gelegentlich habe ich eine Phase, wo ich vom Mainstream gesättigt bin und mich über die eine oder andere Alternative sehr freue. So kam es, dass ich erst neulich auf den Comic Libelle und Drachenfaust aus dem Hause Kasper Comics gestoßen bin. In dieser Kritik möchte ich gerne meine persönliche Meinung kundtun.

Doch vorher möchte ich noch gerne ein paar Worte zum Zeichner und zur Entwicklung zu Libelle und Drachenfaust loswerden: Erfinder, Kolorist und Verleger dieser Comicreihe ist Jens Kasper. Seit 2015 arbeitet er als Illustrator und Grafikdesigner für Logos, Storyboards, Flyer, Plakate, Anzeigenwerbung, Broschüren sowie Produktkataloge für Firmen als Freelancer. Die Kindheit von Herrn Kasper war geprägt durch diverse Comics, u.a. durch Mickey Maus, Asterix, Lucky Luke, Werner und andere Titel. Aber nicht nur das Comiclesen, sondern auch das Zeichnen selbst wurde zu seiner großen Leidenschaft. Seit dem Kindergarten hat er viel und leidenschaftlich gezeichnet. Jens Kasper wollte Superheldengeschichten nicht nur lesen oder auf dem Bildschirm betrachten, sondern auch selbst ausdenken und umsetzen.

Angefangen hat alles mit der Idee für die Figur Drachenfaust, die 1999 entstand, jedoch noch ohne Plan und Umsetzen. Es sollte bis Ende 2014 dauern, bis neue Skizzen für Drachenfaust angefertigt wurden und irgendwann plötzlich die Figur Libelle auftauchte. 2016, nach ein paar Probearbeiten, Messebesuche und Konzept- und Storyabschließungen später, begannen die Arbeiten an Heft 1, dessen Prototyp am 1. Juli 2017 auf der German ComicCon in Stuttgart präsentiert wurde. Inzwischen ist der fünfte Comic nun draußen, diverse Erstauflagen sind ausverkauft und das Interesse an der Serie wächst immer mehr. TV-Berichte bei Das Ding TV und in der Landesschau BW, die Titelseite des Reutlinger Generalanzeiger sowie zahlreiche Reviews in namhaften Blogs, Musikmagazinen und Podcasts zeigen, dass Libelle und Drachenfaust sich langsam zu einem kleinen, starken Hit entwickelt.

Aber worum geht es jetzt genau? Haupthelden sind Heinrich und Marie. Heinrich ist ein Kiffer, der  ein botanisches Projekt im Reutlinger Wald betreut, als er zwischen ein gigantisches Wildschwein und eine blutrünstige Jagdgesellschaft gerät. Beim Versuch zu flüchten eskaliert die Situation und Heinrich wird von den Jägern erschossen und zusammen mit dem erlegtem Wildschwein in einen See zum Sterben geworfen, wo sich das Blatt für unseren Haupthelden zum Positiven ändert. Denn unter Wasser greift Heinrich nach einem „merkwürdigen Licht“, welches ihn fortan unglaubliche Kräfte verleiht. Heinrich erwacht (30 Jahre später, komplett verheilt) aus seinem Koma beschließt nach Reutlingen in die Innenstadt per Anhalter zu fahren, wo er sehr bald auf Marie trifft. Genannte Person studiert Elektrotechnik an der Hochschule Reutlingen und arbeitet parallel als Hiwi bei den Human Labs an der Seite von Dr. Martin. Aus Geldnot arbeitet sie nebenher auch noch als Putzkraft in einem Stripclub und wird dazu gedrängt, entgegen ihren Überzeugungen einen Animationsjob anzunehmen. Aus dem „leicht verdienten Geld“ wird aber nichts, denn sie wird Zeugin eines skrupellosen Mordes und soll deshalb selbst zum Schweigen gebracht werden. Und da treffen Heinrich und Marie zum ersten Mal aufeinander. Die Flucht gelingt, aber lange Zeit zum verschnaufen bleibt beiden nicht, denn  schon bald müssen sie sich im Kampf verbünden, um den skrupellosen Waffenfabrikanten Julius Adler und seine im Hintergrund agierende Partnerin Leonie aufzuhalten.

Man merkt, dass Jens Kasper mit Herz und Seele bei der Sache ist. Er gibt sich große Mühe in Sachen Panelgestaltung und Charakterzeichnungen. Am Anfang musste ich mich an die Darstellung der Figuren gewöhnen, da mich die Proportionen und Gesichtsausdrücke zuerst abgeschreckt haben. Doch was Mimik und Emotionen angeht, bin ich inzwischen sehr begeistert von. Generell merkt man, dass sich Jens Kasper von Kapitel zu Kapitel immer mehr steigert. Seine Zeichnungen und Kolorierung werden immer schöner, hier und da werden den Figuren mehr Detailliebe verpasst und auch die Schattierungen sowie Dynamik der Actionszenen wissen immer mehr zu gefallen. Die Story ist simpel, aber unterhaltsam. Das liegt daran, dass man hier einen ziemlich gelungenen Erzählmix anwendet. Mal wird die Geschichte abgefahren und trashig erzählt, mal geht es sehr brutal zu, ein anders mal legt man Wert auf eher ruhige Momente und auf Comedy wird auch nicht verzichtet. Kurzum: Hier kommt keine Langeweile auf.

Fazit

Libelle und Drachenfaust hat mir sehr viel Spaß beim Lesen bereitet. Sowohl zeichnerisch als auch erzählerisch wird man bestens unterhalten und für Comicfans, die vom Einheitsbrei wie Batman und Co. bisschen gesättigt sind und sich nach was „typisch Deutschem“ sehnen, ist dieser Comic ein gefundenes Fressen! Die Story ist auf ca. 15 Hefte angelegt, was noch viel Luft nach oben zulässt. Wenn Jens Kasper so stark weiter macht, dann kann man aus diesem Projekt noch einiges raus holen. Insgesamt bin ich mit der aktuellen Entwicklung von Libelle und Drachenfaust sehr zufrieden und kann es kaum erwarten, wenn die Geschichte von Heinrich und Marie fortgesetzt wird. Dran bleiben lohnt sich auf alle Fälle. Absolute Empfehlung!

Das Heft ist im Druck und auf www.dielibelle.de oder www.drachenfaust.de käuflich zu erwerben.

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