7. Juli 2021

SHY (Band 2) – Manga Review

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Die schüchterne Superheldin Japans wird von ihren Kollegen aus anderen Ländern an die Hand genommen, um ihre persönlichen Probleme und körperlichen Restriktionen zu überwinden – oder ihren Superheldenberuf an den Nagel zu hängen, sollte sie nicht über sich hinaus wachsen können…

Ein schüchternes Herz erwacht

Das im ersten Band begonnene Kampftraining mit Stardust (nicht zu verwechseln mit Starlight aus The Boys) wird nun fortgesetzt und bringt SHY in eine knifflige Situation – denn der britische Superheld glänzt nicht gerade mit Rücksicht und Mitgefühl, wodurch seiner japanischen Kollegin nicht nur eine Menge schmerzhafte Hiebe drohen, sondern auch der Ausschluss aus der Superhelden-Liga. Doch das Training verläuft zweifelsohne anders als Stardust gedacht hätte und SHYs verborgener Antrieb entpuppt sich als wesentlich stärker als angenommen…

Gerade auch eine charakterliche Entwicklung, die die Protagonistin mit ihrer geradezu krankhaften Schüchternheit dringend nötig hatte: Ein Boost fürs Selbstbewusstsein. Während sie uns in Band 1 noch als zerbrechliche Person vorgestellt wurde, die sich bereits bei dem leisesten Hauch von Problemen oder Kritik einigelt, entdeckt sie nun – auch durch ihre neu gewonnenen Freunde – einen Antrieb am Ball zu bleiben und sich weiterzuentwickeln.

Zeichner, bleib bei deinen Leisten

Vom ersten Kapitel an machte SHY keinen Hehl daraus, was es sein wollte. Es geht nicht um spannende Action oder fetzige Kämpfe, sondern um Zwischenmenschlichkeit und Charakterbildung. Die inneren Konflikte der Protagonistin, ihre aufkeimenden Beziehungen zu anderen Figuren und ihr Einfluss auf diese. Doch man kann keine Superheldengeschichte erzählen ohne sich ab und an mit Bösewichten zu prügeln. Im ersten Band schaffte die Geschichte es noch geschickt um diesen Umstand herumzumanövrieren, nun führte aber kein Weg mehr darum vorbei. Sowohl beim Training mit Stardust als auch beim anschließenden Kampf mit einem Antagonisten wird der Superkräfte-Bizeps geflext und eingesetzt. Leider merkt man in den betroffenen Panels, dass das leider nicht zu den Stärken von Mangaka Bukimi Miki zählt. Durch zwischendurch eingebrachte Fußnoten merkt man schnell, dass der Charakter SHY eine autobiographische Note mitbringt und als wäre sie auch dafür zu schüchtern, kommt sie in Actionsequenzen nicht genug aus sich heraus. Einige Panels sind etwas konfus oder nicht eindeutig genug, es kommt kein wirkliches Gefühl für Geschwindigkeit oder das Walten unbändiger Kräfte auf. Viele Szenen, denen in anderen Mangas ganze Seiten – wenn nicht sogar Doppelseiten – gewidmet worden wären, speist man hier in kleinen Fenstern ab, bei denen man schon sehr genau hinsehen muss, um den Inhalt zu entziffern. Ich liebe Superhelden, aber ob das Genre der richtige Spielplatz für diese Geschichte ist, wage ich noch zu bezweifeln. Es bleibt zu hoffen, dass auch Bukimi Miki sich von ihrer Figur inspirieren lässt und ähnliche charakterliche Hürden überwindet.

Eine wahre Freundschaft – oder mehr?

Immer mehr in den Fokus rückt auch die Geschichte um SHY, bzw. Teru und Iko, die nach zwei tragischen Situationen als beste Freunde zueinander gefunden haben. Iko ist Terus Muse und Antrieb und ein ganz großer Fokus der Geschichte konzentriert sich auf die sorgfältige Entwicklung ihrer Beziehung. Bisher hat sich in diese Richtung noch nichts angedeutet, allerdings gibt es nach zwei Bänden auch noch keinen Jungen, der Terus Interesse in romantischer Sicht wecken konnte – und gerade in einem auf Gefühle fokussierten Manga ein Bereich, den man zwangsläufig erwarten würde. Vielleicht funkt die autobiographische Note der Autorin hier mit fehlenden Erfahrungen dazwischen? Vielleicht ist das erzähltechnisch einfach kein Bereich, in dem sie sich wohlfühlt? Vielleicht bahnt sich aber auch demnächst zwischen Teru und Iko ein wenig yuri an (japanische Jargon-Bezeichnung für gleichgeschlechtliche Beziehung unter Frauen) – die Voraussetzungen sind zweifelsohne etabliert und überraschen würde es mich nicht.

Fazit

SHY setzt seinen Kurs fort und nach Band 2 möchte ich mich auch von meiner vorherigen Bezeichnung distanzieren, dass die Geschichte ein My Hero Academia für Mädchen sei. Tatsächlich denke ich inzwischen, dass das Ganze vielleicht sogar eher eine Geschichte ist, die im falschen Genre untergekommen ist. Bisher konnte die Mangaka leider kein Talent für Actionsequenzen glänzen lassen und die Aufteilung von Panels harmoniert nicht selten eher schlecht mit der aktuellen Szene. Die wahre Stärke zeigt sich weiterhin im Ausdruck von Gefühlen und im Darstellen von Zwischenmenschlichkeit. Man bekommt ein hervorragendes Gefühl für innere Konflikte, für die Gedanken, die im Kopf eines Charakters herumschwirren und für die Emotionen, die zwischen ihnen transportiert werden. Terus krankhafte Schüchternheit ist mir immer noch etwas zu dick aufgetragen (in diesem Band gibt es eine Szene, in der sie sich nicht traut in einem Laden nach der Bedienung zu rufen und überlegt, lieber unverrichteter Dinge wieder abzuziehen) und auch wenn sie diese nie ganz ablegen wird, merkt man doch bereits einen starken persönlichen Sprung in der Figur und ich habe auch großen Respekt vor dem Verarbeiten eigener Erfahrungen der Mangaka.

Schade finde ich auch weiterhin, dass man nichts wirklich Neues über die Welt an sich, die Superkräfte und ihre Ursprünge erfährt. Selbst die Schurken wirken noch sehr undurchsichtig, was sie natürlich mysteriös und interessanter macht, gleichzeitig erscheint ihr Antrieb aber auch etwas konfus und „gewollt böse“. Es wirkt schon so, als hätte Bukimi Miki lieber eine Geschichte nur über Schüchternheit und Freundschaft erzählt und der ganze Rest wurde ihr gewissermaßen aufgezwungen, um den Manga verkaufbar zu machen. Ich hoffe sehr, dass die Story sich spätestens im nächsten Band findet, da selbst das toleranteste Interesse ansonsten zu bröckeln beginnen könnte…

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