Ach, Ex Machina, ich muss ja zugeben, dass du mir schon bevor ich dich gesehen habe, nicht sonderlich sympathisch warst. Ich meine, mal ehrlich; ein Roboter mit Bewusstsein?! Wirklich sehr originell. Nachdem der Abspann lief, warst du mir ziemlich egal, als ich über dich nachdachte wurde ich wütend auf dich und jetzt überlege ich, ob ich dich vielleicht einfach nicht verstanden hab. Vielleicht liegt es daran, dass ich einfach nicht dein Publikum bin. Es könnte auch daran liegen, dass du dich verhältst, wie ein etwas zu altkluger BWL-Student, der mit leerem Aktenkoffer zur Uni geht, um wichtig auszusehen. Oder es liegt daran, dass du deine Protagonisten Sushi essen (klar, natürlich essen junge, erfolgreiche Computergenies Sushi) und sie dazu Rotwein trinken lässt… gut, letzteres stößt mir wahrscheinlich mehr auf, als es sollte. Am besten ich geh alles noch einmal durch. Vielleicht fällt mir dann auf, warum ich nicht mit dir warm wurde.

Die Handlung ist schnell erzählt. Alles beginnt mit dem jungen Softwareprogrammierer Caleb (Domhnall Gleeson), der bei einem Firmeninternen Gewinnspiel eine Woche im idyllisch gelegenen Haus seines Chefs, dem zurückgezogen lebenden Computergenie Nathan (Oscar Isaac) ergattern konnte. Dort angekommen offenbart dieser ihm, dass Caleb für ihn als Betatester seine neueste Entwicklung, das Robotermädchen Ava (Alicia Vikander), prüfen soll.

So weit, so kurz zur Story. Warum ich hier nicht mehr schreibe? Weil alles weitere schon beinahe das Ende spoilern würde. Ein kurzer Blick auf die Macher verrät, dass das Drehbuch aus der Feder des britischen Schriftstellers Alex Garland stammt. Zwar kenne ich keinen seiner Romane, wohl aber seine Arbeit als Drehbuchautor für 28 Days Later und Dredd, welche mich trotz eines Scripts, dass in Grundzügen auch auf einem Post-It Platz fände, durch gut inszenierte Actionsequenzen, grandiose Musikuntermalung und starke Regie unterhalten konnten. Dadurch das Ex Machina allerdings, im Gegensatz zu den Beiden genannten Streifen, bewusst minimalistisch gehalten ist und nur über 4 Darsteller verfügt, von denen eine ohnehin nicht spricht, fällt umso mehr auf, dass die Story allein keinen ganzen Film trägt.

Bei einem so klein gehaltenen Kammerspiel lastet natürlich ein grosse Verantwortung auf seinen Darstellern. Hier besticht vorallem Oscar Isaac, der quasi als Showrunner fungiert und eine durchweg unterhaltsame Vorstellung abliefert, was zum Teil auch seiner durchaus interessanten Rolle geschuldet ist. Im Gegenzug fällt der Rest leider etwas ab, so dass man sich schon auf die nächste Szene mit Nathan zu freuen beginnt. Domhnall Gleeson will ich ein gewisses Können ebenfalls nicht absprechen, jedoch wirkt die Rolle des Caleb deutlich zu sehr nach dem typischen Jungen von Nebenan, als das der Schauspieler mit dem markant irischen Aussehn hier sonderlich viel raus holen könnte. Schlusslicht der Riege bildet für mich Alicia Vikander. Ihre Rolle als Ava war für mich zu keinem Moment ein emotionaler Bezugspunkt und eigentlich vom ersten Auftreten an unsympathisch. Es steht für mich konträr zu den Absichten des Konzepts „Maschine mit Gefühl“, wenn eben jene auf mich zu jederzeit absolut roboterhaft, kalt und mechanisch wirkt. Selbst Nathans stummer Lustbot Kyoko (Sonoya Mizuno) stand mir da noch deutlich näher.

Nun aber endlich mal genug gemeckert. Es ist ja nicht so, dass Ex Machina alles komplett vergeigt. Die komplette Regiearbeit ist grossartig gelungen, was ebenfalls Alex Garland zu verdanken ist. Vielleicht sollte der Mann sein heil in der Filmbranche lieber in diesem Bereich suchen. Des weiteren sieht das Setting zu jeder Zeit super aus und vermittelt eine passende Atmosphäre, die gleichzeitig Abgeklärtheit und schleichende Bedrohung transportiert. Außerdem sind Musik und Score fantastisch und untermalen die Bilder immer passend, wahlweise mit wuchtigem Dröhnen oder fragilen Klavierklängen. Technisch gibts also nichts zu bemängeln, was den Film für mich in ein solides Mittelmaß hievt und zum Schluss doch versöhnlich stimmt.

Fazit:

Ex Machina, wir hätten vielleicht Freunde werden können, wenn wir nicht so unterschiedlich wären und du dich nicht für soviel cleverer halten würdest, als du bist. Aber ich bin sicher, auch wenn wir getrennte Wege gehen, werden dich bestimmt viele genauso mögen, wie du bist.

 Ex_Machina startet am 23. April 2015 im Kino

(Vielen Dank an Nicky Ramone für diese Filmkritik)

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