28. Januar 2019

Vom Jäger zum Gejagten – 10 Jahre Trophy Hunting

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Der 28.01.2009 – mein Kalender erinnert mich daran, dass es doch tatsächlich bereits runde zehn Jahre her ist, dass auf meiner PlayStation 3 zum ersten Mal mit diesem lieblichen Bling-Geräusch meine allererste Trophäe aufpoppte. Gott, war ich verwirrt. Was war das denn? Eine Viertelstunde später schon wieder… Keine Ahnung, was da passierte, aber es machte Spaß!

Die Konsole war, wie gesagt, die PS3 – meine erste, die „Fat Lady“ im wunderschönen glänzenden Klavierlack und mit Wärmeleitplatten-Fehler, der mich Jahre später noch sämtliche Nerven kosten sollte – und das Spiel war nicht mal meins. James Bond 007: Quantum of Solace. Ich weiß nicht mal mehr, von wem ich mir das Spiel ausgeliehen habe, aber es fiel mir offenbar genau zur richtigen Zeit in die Finger. Ein kurzer Ausflug ins nagelneue Trophy-Menü der Konsole mitsamt darauf folgender Online-Recherche setzten mich ins Bilde und nur ein paar Monate vor der Abiprüfung stehend war mir so ein sinnvoller, einnehmender Zeitvertreib nur allzu recht. Die bereits durchgespielten Games Uncharted und GTA 4 wurden erneut ausgekramt, denn nun gab es ja endlich Motivation sie erneut anzupacken – und zwar mindestens so gründlich wie die ersten Pokémon-Editionen, in denen noch jeder Stein und jeder Busch nach versteckten Items untersucht werden musste.

Tatsächlich ist das Zocken unter dem Gesichtspunkt so viele Trophäen wie möglich zu ergattern ein völlig anderes, das ich bis dahin nicht kannte. Ich war eher selten ein Fan spielerischer Herausforderung und genoss lieber coole Charaktere und eine spannende Story anstelle von Gegnern, die mehr einstecken und besser treffen konnten – dafür lag meine Frustgrenze einfach schon immer viel zu niedrig. Uncharted lehrte mich als erstes Spiel diese Latte gehörig nach oben zu setzen. Beende das Spiel auf Schwer, schalte damit die „Crushing“-Schwierigkeit frei und beende das Spiel dann erneut damit. Holla, die Waldfee! Diese Trophäen sorgten dafür, dass ich richtig was für mein Geld bekam – ich spielte das Spiel schon zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit durch und musste danach trotzdem noch weitermachen, um X Gegner mit Waffe Y abzuknallen und alle Schätze zu suchen. Wie haben mich gewisse Passagen frustriert, in denen zu den unzähligen schießwütigen Gegnern auch noch diese gepanzerten Mistkerle hinzukamen, die mich Dutzende Male zurück zum selben Checkpoint befördert haben, bis es dann endlich glückte und Gott – war das eine Genugtuung! Entsprechend groß war dann auch die Freude als am 18.06.2009 das berühmte Doppel-Bling ertönte und ich die erste Platin Trophäe mein Eigen nennen durfte.

„Das Trophy Hunting zwang mich dazu wesentlich gründlicher zu zocken.“

Das Trophy Hunting zwang mich aber nicht nur dazu, im Startbildschirm seltener die übliche Schwierigkeit „Einfach“ auszuwählen, sondern die Games auch wesentlich gründlicher zu zocken. Ich bin ohnehin in einer Zeit aufgewachsen, in der es üblich war, in allen Ecken und Sackgassen nach Verstecktem zu suchen, doch um in Uncharted sämtliche Schätze zu finden oder in GTA 4 alle Tauben abzuknallen, musste man noch ein ganz anderes Level von Gründlichkeit an den Tag legen. Hier kam auch zum ersten Mal verstärkt der Faktor Internet mit ins Spiel, wodurch ich auch über kurz oder lang im deutschen Trophäen-Forum landete, wodurch ich einen Mann mit Spitznamen Finchi kennenlernte, der mich wiederum zu YouTube brachte, wo ich dann einen Trophy-Kanal eröffnete, weil ich das für eine gute Nische hielt. Eine Verkettung von Ereignissen, die wiederum dazu führten, dass ich das erste Mal die USA besuchen durfte und meine gesamte berufliche Laufbahn definiert wurde – also… Danke, Sony?! Aber auch, wenn man beim Thema Spiele bleibt, gab es ähnliche Verkettungen. Ich weiß noch, wie ich mir gezielt die unzensierte Fallout 3-Version aus dem Ausland zum Geburtstag wünschte und dann innerhalb von wenigen Stunden so angeödet war von dem Kampfsystem, dass ich es links liegen ließ. Als armer Schüler und gleichzeitig Trophäen-Süchtiger musste ich aber das Beste aus dem Wenigen machen, das ich hatte – also legte ich Fallout 3 erneut ein und siehe da: Bis heute ist es eines meiner Lieblingsspiele auf der PS3, eines meiner liebsten Rollenspiele überhaupt und der Grundstein zu einer Serie, auf deren neue Ableger ich mich fast so sehr freue wie auf meinen Geburtstag (Letzteres nimmt mit zunehmendem Alter ja ohnehin immer mehr ab). Und das faszinierte mich und erweiterte meinen spielerischen Horizont noch weit mehr als eine riesige Sammlung Sicherheitskopien für die PlayStation 1 damals.

„Wahrscheinlich die größte Zeitverschwendung meines Lebens.“

Diese drei Spiele sind meine ältesten und schönsten Trophy-Erinnerungen, auf die ich stets gerne zurückschaue, auch wenn zahlreiche weitere Meilensteine folgten. Zwar brauchte ich für die Platin in Batman Arkham Asylum lediglich dreieinhalb Wochen, aber das war wohl das erste Spiel, bei dem meine Eltern mich für verrückt erklärt haben. Die Kampfherausforderungen, speziell „Schockmethode Extrem“, haben mir den letzten Nerv geraubt und mich zum heftigen Fluchen beim Zocken gebracht. Meine ganze Familie konnte die hämischen Sprüche des Jokers zu Beginn jedes neuen Versuchs bereits mitsprechen. Noch mehr fluchen ließ mich lediglich Bionic Commando, das ich wirklich aufgeben musste und bis heute als mein meist verhasstes Game definiere. Final Fantasy XIII – das erste Final Fantasy, das ich durchgespielt habe, obwohl ich ein großer Fan der Reihe bin. Little Big Planet und Brütal Legend, wo ich für die Platins Hilfe von anderen Jägern brauchte, obwohl ich durch und durch Singleplayer bin. Bayonetta – das im Forum als so unfassbar harter Brocken galt, weshalb ich mir die Platin als Nummer 20 aufhob. Schrott-Games wie SAW oder Prison Break, die ich mir nur wegen den Platins auslieh, während ich die offensichtlichen Kandidaten wie Hannah Montana & Co. öffentlich verschmähte. Dead Space, für das ich eigentlich ein viel zu großer Schisser war und das ich letztlich auch drei Mal durchspielen musste. Die ganzen Assassin’s Creed-Teile, die so unfassbar viel Zeit geschluckt haben, gerade auch im unnötigen Online-Modus… Apropos Online-Modus – ein weiteres Spiel, das mich allein deshalb an den Rand des Wahnsinns getrieben hat, war Driver: San Francisco – meine vielleicht härteste Platin bis heute. So viele Stunden in den zahlreichen Spielmodi mit Gamern von überall auf der Welt, denen ich ausnahmslos allen die Pest an den Hals gewünscht habe. Uh, dann natürlich Just Dance – mit Teil 3 begonnen und seither jeden Teil gespielt. Ich kann mich ausgezeichnet daran erinnern, wie ich die Trophäe „Erreiche mit 4 Tänzern 5 Sterne in einem Song“ alleine mit zwei Move-Controllern in jeder Hand freischaltete. In Teil 4 funktionierte das dann nicht mehr, dort handelte ich einen Controller in jeder Hand und holte mir Hilfe bei einer alten tanzbegeisterten Schulkollegin und ihrem Freund. Das lohnte sich, denn Just Dance 4 wurde ebenfalls platiniert und ist bis heute meine mit Abstand seltenste Trophäe und die, auf die ich am meisten stolz bin. Gefolgt in der Seltenheit wird Just Dance übrigens von Far Cry 2, wo ich bisher lediglich Online-Trophäen besitze, dafür aber sämtliche. Wenn ich mich nicht irre, waren es über 70 Stunden, die ich zusammen mit meistens einem anderen Jäger aus dem Forum auf der kleinsten verfügbaren Map verbrachte, wo wir uns immer in der Mitte trafen und dann abwechselnd mit jeder Waffe den anderen abknallten, um die erforderlichen Kills zu sammeln. Wahrscheinlich die größte Zeitverschwendung meines Lebens.

Wer kann aber heutzutage schon oft behaupten, dass er über 70 Stunden mit einem Spiel zugebracht hat? Wie gesagt, man bekam etwas für sein Geld. Ich schloss mich im Forum einer Gruppe von Jägern an, die ihre Jagden in sogenannten Platin-Projekten festhielten. Sie führten Tagebuch darüber, was sie erspielten und ließen bei jedem Game eine Trophäe übrig. Wenn sie es nicht mehr aushielten, riefen sie den Platin-Tag ins Leben und versuchten so viele Platin-Trophäen auf einen Schlag zu holen, wie ihnen möglich war. Mein Rekord liegt bis heute bei 25 Stück und es war ein verflucht anstrengender Tag – die Zusammenfassung ist allerdings auch bis heute mein erfolgreichstes YouTube-Video.

„Der Druck, alle Spiele bis aufs Äußerste auszukosten, verschwand…“

Dann war die Schulzeit allerdings vorbei und während des Studiums begann ich richtig zu jobben – plötzlich hatte ich genug Geld, um mir so gut wie alle Games zu holen, die mich auch nur im Entferntesten interessierten. Der Druck, alle Spiele bis aufs Äußerste auszukosten, verschwand, denn wenn der Frust zu groß wurde wechselte man einfach zum nächsten. Hinzu kam, dass dann irgendwann die Zeit knapper wurde und während mein zweites Platin-Projekt noch in den Kinderschuhen steckte, verlor ich die Lust und hing das Jagen an den Nagel. Tatsächlich bekam ich letztes Jahr aber wieder Lust darauf, hatte vorsorglich drei Games vorbereitet und mir voller Elan eine tolle Geschichte für ein neues Projekt ausgedacht – nur um dann festzustellen, dass das Trophäen-Forum oder zumindest der Projektbereich vollkommen ausgestorben war. Schade – so sehr ich es auch immer genoss am liebsten alleine zu spielen, so viel Spaß machte es doch auch die Erfolge und Misserfolge mit einer gleichgesinnten Community zu teilen.

Bis heute ist es hängengeblieben, dass ich bei jedem neuen PlayStation-Spiel zuerst einen kurzen Blick auf die Trophäenliste werfe um zu checken, was ich nicht verpassen sollte, um möglichst schnell zur Platin zu kommen. Bis zum Doppel-Bling kommt es nur noch ganz ganz selten, aber die Begeisterung für das Geräusch bleibt. Es war eine schöne Zeit – größtenteils war sie zweifelsohne vertan, aber schön war sie nichtsdestotrotz.

10 Jahre. 7.678 Trophäen. 75 Platins. *Mic Drop*

1 Comment
  • Zimmy 3 Wochen ago

    Oh je, du sprichst mir aus der Seele. Ich war mit Einführung der Trophies und auch Geldmangel so wie du auf der Jagd nach den Bling Bling Trophäen. Leider kamen die Trophies erst NACHDEM ich GTA durchhatte und locker 60 Stunden mit verbracht habe. Sieht nun so aus, als hätte ich das Game nicht gespielt und ging mir auch gegen die Spielerehre, ABER ich wollte es einfach nicht nochmal von vorne spielen. Stichwort 100 Tauben. 😀 Ok, ich habe Hannah Montanah auch platiniert, auf der Hatz nach schnellen und billigen Trophäen. Mittlerweile habe ich einfach keine Zeit mehr 100% zu erspielen, vor allen Dingen weil die Schwierigkeit und der Fun-Faktor mittlerweile unterirdisch ist. Nun werden Spiele nur noch Platiniert, wenn die Trophies nicht unmöglich sind und mir das Spiel so viel Spaß bringt, sodass ich nicht genug von bekomme. Zugegeben- das ist heutzutage nur noch extrem selten. Meine beiden letzten Platins waren Spider-Man und Watch Dogs 2. Das sagt ziemlich viel aus. 😀

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