9. Juli 2019

Bloodstained: Ritual of the Night im Test

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Wenn große Publisher und Studios den Wunsch nach bestimmten Spielen nicht erfüllen, sind es oftmals Kickstarter-Projekte, die den Hunger nach diesen Genres stillen können. Im Fall von Konami warten Fans der Castlevania-Reihe schon ewig auf ein Spiel im Stil vom Klassiker Symphony of the Night. Bekommen haben sie so etwas bisher jedoch noch nicht. Koji Igarashi, ein ehemaliger Entwickler bei Konami und Mitschöpfer des soeben genannten Klassikers hat mit seinem erfolgreichen Kickstarter-Projekt Bloodstained: Ritual of the Night, das durch etwa 65.000 Backer unterstützt worden ist, nun offenbar eine große Lücke geschlossen. Aber hält das Spiel den großen Erwartungen der Fans stand, oder kann es schlussendlich doch nicht so sehr überzeugen, wie es gewünscht wurde? Das erfahrt ihr in meinem Test.

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Symphony of the Night²

In Bloodstained: Ritual of the Night schlüpft ihr in die Rolle von Miriam, die mit ihrem Kampf gegen Dämonen und den Oberbösewicht Gebel in einem Schloss und weiteren Arealen sehr deutlich an Castlevania erinnert. Der einzige Unterschied ist, dass die Gegner in diesem Spiel kein Blut saugen müssen, um zu überleben – eine Gefahr stellen sie aber dennoch für euch dar. Zudem bringen die Kartenstruktur, die Speicherräume und das Hinzugewinnen neuer Fähigkeiten und unzählige, wiederkehrende Gegnertypen Fans von Konamis Kultreihe durch einige Parallelen zum Lächeln. Bloodstained wirkt nicht nur, sondern ist ganz eindeutig der geistige Nachfolger zu Symphony of the Night, und das mit all seinen Stärken und Schwächen.

Verfluchte Speicherräume

Der Einstieg in Bloodstained: Ritual of the Night ist anfänglich etwas zäh. Das schnelle Aufleveln und notwendige Grinden ist zu Beginn ein sehr wichtiger Bestandteil des Spiels, ohne den das Vorankommen gar unmöglich scheint. Um aus Miriam eine starke Kämpferin zu erschaffen, mit der sämtliche Gegner in den Boden gestampft werden können, sollte sie einige Level aufsteigen und so ihre Fähigkeiten verbessern. Es dauert eine ganze Weile, bis das Kampfsystem verinnerlicht ist und man sich als Spieler die Wege zu Speicherräumen gemerkt hat, sowie gefährlichen Stellen zum richtigen Zeitpunkt ausweicht und Angriffen der Gegner pariert. Diese spawnen nach jedem Verlassen eines Raumes neu und erwarten euch bereits sehnlichst, wenn ihr den besagten Raum noch ein weiteres Mal betreten solltet. Bei einem Ableben landet ihr an eurem letzten Speicherpunkt, der bestenfalls nicht allzu weit entfernt ist. Habt ihr den letzten Speicherraum vor etlichen Minuten entdeckt und seitdem nicht mehr gespeichert? Dann tut ihr mir leid – dieses Schicksal ereilte mir selbst einige Male während des Spielens.

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Ein Navi wäre fein

Was die Wegführung und das heutige Leveldesign betrifft, sind wir durch aktuelle Spiele sehr verwöhnt. Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, in Bloodstained: Ritual of the Night zumindest eine ungefähre Richtung unseres Zielortes der aktuellen Quest zu erfahren. Zwar gibt es hier und da kleinere Hinweise zum nächsten Gebiet, wirklich helfen tun diese am Ende aber doch nicht. Oftmals ist es möglich, bisher unerreichbare Orte durch neue Fähigkeiten zu erreichen. Diese Punkte solltet ihr euch während des Spiels also grob einprägen, denn vielleicht entpuppen sich diese schon kurze Zeit später als euer neues Ziel.

Komplexe Gameplay-Mechaniken

Bloodstained: Ritual of the Night ist mit seinen Mechaniken im Vergleich zu Castlevania eine ganze Spur komplexer. Durch in Kämpfen erstandene Scherben und deren Spezialfähigkeiten, welche durch Miriam aufgenommen werden, entwickelt sich das Kampfsystem durchgehend weiter und wird von Mal zu Mal dynamischer und wirkungsvoller. Angriffe führt ihr über die Analogsticks und Kombinationen der Schultertasten sowie klassischen Buttons aus. Außerdem kann Miriam unterschiedliche Waffen ausrüsten, welche sich im Level und weiteren Eigenschaften unterscheiden können. Zuzüglich wurde auch ein System zur Herstellung von Waffen, Rüstung, Heiltränken uvm. im Spiel integriert. Um jedoch den einen oder anderen Trank und vor allem Waffen herstellen zu können, müssen erst einmal unzählige Rohstoffe erlangt und Truhen geplündert werden. Um auch gegen spätere Bosse eine Chance zu haben, werdet ihr um das viele Looten und erneute Töten gleicher Gegnergruppen nicht herumkommen.

Es braucht keine Pixel um nostalgisch zu wirken

Optisch hat sich Bloodstained: Ritual of the Night vom Retro-Pixellook getrennt und kommt mit einem schön gezeichneten, modernen Grafikstil daher. Es muss nicht immer pixelig und sperrig sein, um ein Spiel mit nostalgischem Touch zu entwickeln. Außerdem läuft das Spiel auf der von mir getesteten PS4-Version mit den nach der Veröffentlichung erschienenen Updates überwiegend flüssig, zur problembehafteten Switch-Version kann ich euch an dieser Stelle leider nichts berichten. Fans von Videospielmusik dürften mit diesem Titel zudem einen stimmigen Soundtrack erwarten.

Fazit

Wer sich nach einem waschechten MetroidVania mit einem großen Symphony of the Night-Touch sehnt, sollte Bloodstained: Ritual of the Night keinesfalls verpassen. Mit seinem charmanten Grafikstil und Soundtrack sowie komplexen Gameplay erinnert es stark an vergangene Zeiten und zaubert Fans von Dracula und Co. sicherlich ein breites Lächeln ins Gesicht. Alle anderen Spielertypen werden die Schwächen des Spiels vermehrt spüren. Hierzu zählen aus heutiger Sicht unter anderem der Levelaufbau und die Wegführung in Verbindung mit wiederkehrenden Gegnern und oftmals schwer auffindbaren Speicherräumen. Mittlerweile hat doch kaum jemand von uns den großen Drang dazu, Ewigkeiten nach dem Zielort zu suchen, unglücklich zu sterben und mit einem blöden Speicherslot erneut starten zu müssen. Ein paar optionale Einstellungen wären hierzu sicherlich wünschenswert gewesen, um den Genretitel etwas zugänglicher zu gestalten. Dennoch ist Bloodstained: Ritual of the Night ein Spiel, das in vielen Punkten überzeugen kann und Konami offensichtlich alt aussehen lässt. Aber wer zu spät oder gar nicht kommt… ihr kennt es ja!

Bloodstained: Ritual of the Night ist für PC, PS4, Xbox One und Switch erhältlich.

Bloodstained: Ritual of the Night

8

Wertung

8.0/10
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