11. November 2014

Assassin’s Creed Unity

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Am 13. November ist es nun endlich so weit: Fast vier Jahre hat Ubisoft nun an Assassin’s Creed Unity herumgeschraubt und nun bekommen wir den ersten Teil des Assassinen-Epos, der einzig für die Next-Gen-Konsolen und den PC erscheint, endlich in die Finger.

 

Naturgemäß sind die Erwartungen hoch und die Meinungen gespalten – während das eine Lager schon aus Prinzip auf den Franchisetitel schimpft, zählt das Fanlager schon die Minuten bis zum Einlegen ins heimische Laufwerk. „Immer dasselbe!“ mosern die einen, „Immer wieder gut!“ die anderen.

 

Doch was genau kommt bei Assassin’s Creed Unity auf uns zu? In welche Epochen reisen wir, in wessen Schuhe schlüpfen wir? So viel vorweg – Assassin’s Creed Unity bringt neben einem neuen Hauptcharakter auch einige spielerische Veränderungen mit sich.

 

Doch beginnen wir der Reihe nach und widmen uns zunächst der Story von Assassin’s Creed Unity.

 

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STORY

 

Auch dieses Mal bekommen wir es mit einem brandneuen Protagonisten zu tun: Im Jahre 1768 wird Arno Dorian als Sohn eines Franzosen und einer Österreicherin in Versailles geboren. Als Arno gerade einmal acht Jahre alt ist, muss er mit ansehen, wie sein Vater ermordet wird – ein Umstand, der nicht nur schwer zu verdauen ist (fragen Sie mal Bruce Wayne!), sondern den Jungspund auch vor ganz existentielle Probleme stellt. Ein Glück für ihn, dass die gutherzige Familie seiner Kindheitsfreundin Élise ihn ohne großes Wenn und Aber bei sich aufnimmt. Nunmehr Adoptivkind einer reichen und einflussreichen französischen Familie, lernt unser junger Held alsbald die Etikette der feinen Gesellschaft kennen – mit welcher er aufgrund seiner vorlauten Art das ein oder andere Mal durchaus in Konflikt gerät.

 

Am Abend eines großen Balles jedoch wird – man könnte meinen das Pech haftet ihm an – Arnos Ziehvater hinterhältig ermordet. Arno sieht alles mit an, doch kommt zu spät, um ihn zu retten. Dass dann voller Sorge zu dem Sterbenden stürzt, wird ihm sinnbildlich zum Fallstrick – ohne nennenswerte Zeugen fällt der Verdacht sofort auf ihn, das schwarze Schaf der Familie, seinen Pflegevater hinterrücks ermordet zu haben.

 

Von dem Willen seine eigene Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu finden, schließt Arno sich alsbald den Assassinen an – sei es zunächst auch nur in der Hoffnung, dass diese ihm im Zuge der Erfüllung seiner Rachegelüste behilflich sein könnten.

Es wird noch einige Zeit dauern und einiger mitunter schmerzhafter Lektionen bedürfen, bis Arno letztlich sein wahres Schicksal erkennt..

 

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ZU ZEITEN DER FANZÖSICHEN REVOLUTION

 

Neben den rein persönlichen Irrungen und Wirrungen in Arnos Schicksal ist Assassin’s Creed Unity ohnehin in einer hochexplosiven Zeit angesiedelt. Die Französische Revolution nahm im Jahre 1789 ihren Lauf und kostete auf dem Weg vom Sturz der Monarchie über blutige Unruhen bis hin zur Ausrufung der Republik und dem offiziellen Ende der Revolution 1799 unzählige Leben.

 

Angestoßen durch das niedrigsten Stand, welcher durch eine Wirtschaftskrise und bittere Armut gebeutelt war, wurde der Feudalismus ohne jedes Mitspracherecht des einfachen Volkes hin zu einer immerhin im Ansatz demokratischen Regierung hin gewandelt.

 

Heute unterteilen wir die Französische Revolution in drei klar voneinander abgegrenzte Phasen:

 

In der ersten Phase (1789-1791) wurde sich vornehmlich für die Idee der Gleichheit und Freiheit (daher auch der Spruch „Liberté, Égalité, Fraternité“, also „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“) eingesetzt und eine sogenannte Konstitutionelle Monarchie errichtet.

 

In der zweiten Phase der Revolution (1792-1794) kippte die Stimmung endgültig, als vermehrt (vermeintliche) Gegner der Revolution regelrecht gehetzt und bei Ergreifung öffentlichkeitswirksam mit der Guillotine hingerichtet wurden.

 

In der dritten und letzten Phase (1795-1799) lag die Macht mehr und mehr in den Händen des Großbesitzbürgertums, welches den Spagat zwischen monarchischem Wiederherstellungsgedanken und völkischem Freiheitsrausch zu schaffen versuchte.

 

Kurzum – die Französische Revolution war eine hochbrisante Zeit, in der jeder schnell ins Fadenkreuz der Verfolgung geraten konnte. Kein Wunder also, dass Ubisoft uns mit Freunden in das geschichtliche Pulverfass, das Paris zu dieser Zeit darstellte, wirft!

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ONE NIGHT IN PARIS

Apropos Setting: Bei der Gestaltung von Paris, dem Epizentrum der Revolte, haben sich die Entwickler sich wahrlich nicht lumpen lassen – mehr als 1.200 Arbeitstage sind allein in die Erschaffung der Weltstadt geflossen und mit einer erkundbaren Umgebung, die ganze drei Mal so groß ist, wie das New York in Assassin’s Creed 3 gibt es am Umfang nun wirklich nichts zu bemängeln. Neben dem eigentlichen Spielen lohnt es sich durchaus, die eine oder andere Sightseeing-Tour zu unternehmen, denn Ubisoft hat es sich nicht nehmen lassen, 75 Wahrzeichen – von denen 35 im Originalmaßstab umgesetzt wurden – in das Spiel einzubinden. Die PS4-Version des Spiels lässt definitiv die Next-Gen-Muskeln spielen und grafisch ist das Spiel ein wahres Fest für die Augen. Verändert hat sich im Vergleich zu den Vorgängern zum Beispiel, dass manche Häuser nunmehr begehbar sind – ein offenes Fenster könnt ihr euch so zunutze machen und eventuell entdeckt ihr bei eurem Hausbesuch eine Truhe oder ähnliche sammelbare Gegenstände. Die Straßen scheinen allgemein belebter zu sein, denn es herrscht zu jeder Zeit geschäftiges Treiben. Einerseits gewährt uns das ein lebendigeres Spielgefühl, doch gerade wenn wir auf der Flucht sind, wird uns der Trubel in den engen Gassen oftmals zum Verhängnis. Jedoch hatte Black Flag es etwas geschickter eingesetzt unseren Forscher- und Erkunderdrang zu erwecken, da es das Gefühl einer offenen Welt besser vermittelte.

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ES GIBT VIEL ZU TUN: SIDEQUESTS EN MASSE

 

Neben dem eigentlichen Storymodus gibt es noch weitere Beschäftigungsmöglichkeiten in Assassin’s Creed Unity: Anders als bisher deckt das Erklimmen eines Aussichtspunktes nicht automatisch den kompletten Kartenbereich in dieser Umgebung auf – um gewisse Symbole aufzudecken, müsst ihr tatsächlich durch die Straßen schlendern. Auf diese Weise werden wir als Spieler dahingehend motiviert, die unglaublich detailreiche und weitläufige Karte auch wirklich in Augenschein zu nehmen. Was wie eine Zwangsmaßnahme klingt, wirkt sich im tatsächlichen Spiel aber keineswegs störend aus. Vielmehr müsste man uns gar nicht die Pistole auf die Brust setzen – die aufwendig gestalteten Häuserfassaden laden ohnehin zum Schlendern ein!

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Neben allerhand kleiner Nebenmissionen und den Nostradamus-Rätseln gibt es nun auch die sogenannten „mysteriösen Mordfälle“, ungeklärte Mordfälle mit mitunter sonderbaren Umständen, in denen Arno auf eigene Faust Ermittlungen anstellt und letztlich unter Berücksichtigung aller Hinweise den potentiellen Mörder stellt.

 

Neu sind ebenfalls die RPG-Anleihen in Assassin’s Creed Unity – zu Beginn verfügt unser lieber Arno nämlich über kaum Fähigkeiten, die ihn als Assassinen qualifizieren würden. Erstmals wurde in diesem Teil ein Erfahrungspunktesystem eingeführt, mit dessen Hilfe ihr nach und nach immer weitere Fähigkeiten erlangen könnt.

 

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Kleider machen Leute – ein Sprichwort, das sich in diesem Spiel zu bewahrheiten scheint: Über 200 verschiedene Kleidungsstücke, Ausrüstungsgegenstände und Waffen könnt ihr anlegen und jedes Stück nimmt Einfluss auf bestimmte Werte und Fähigkeiten. Ob dieser kleine Ausflug in die Welt der RPGs zur Assassin’s Creed-Reihe passt oder ihr gar gut tut, sei an dieser Stelle dahingestellt. Für mein persönliches Empfinden überlädt diese Änderung das Spiel, denn bisher waren wir auch gut ohne dieses „Mehr“ an Möglichkeiten ausgekommen. Wie so oft wird es hier wohl Befürworter und Ablehner geben. Nicht absprechen können wir diesem neuen Feature jedenfalls, dass es uns einen größeren Handlungsspielraum in Sachen Personalisierung und eigener Gestaltung unseres Charakters lässt.

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Eine ebenfalls so noch nie dagewesene Neuerung besteht in der Möglichkeit, Koop-Missionen zu spielen. Diese werden jedoch nicht komplett vom eigentlichen Hauptspiel getrennt angeboten, sondern fügen sich viel mehr direkt ins Spielgeschehen mit ein und sind in der Hauptspielwelt – einer Nebenmission ähnlich – anwählbar. Zu viert erfüllen wir hier Aufträge der Bruderschaft, die zwar parallel zur Hauptstory laufen, aber doch ihre ganz eigenen Geschichten erzählen. Essentiell ist hier die Einheit der vier Spieler, die als Team zusammenarbeiten müssen – stirbt ein Assassine, so haben auch die anderen automatisch verloren..

 

Assassin’s Creed Unity macht auch vor unseren allgegenwärtigen Smartphones nicht Halt: Ähnlich wie auch schon bei Black Flag können wir über Tablet oder Smartphone beispielsweise Zielpunkte setzen oder eine eigene Bruderschaft aufbauen und die zu Missionen entsenden. Unter Verwendung dieser App ist es uns so möglich, nebenbei ein bisschen Goldmünzen zu scheffeln – selbst wenn wir grade nicht am PC oder der Konsole hocken.

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Geld generell ist ein leidiges Thema: Zu Beginn ist es so, wie im echten Leben – wir haben viel zu wenig davon. Wie zuvor auch schon ist es uns aber möglich, verschiedene Etablissements in unseren Besitz zu bringen und somit von den laufenden Einnahmen zu profitieren. Alles läuft etwas langsam an und zu Beginn schmälert unser klammer Geldbeutel unsere Shoppinglust. Später im Spielverlauf jedoch nehmen wir mehr Geld ein und können uns tatsächlich auch mal etwas gönnen.

Eine kleine Lehre in Geschichte gefällig?

Historisch bedeutende Charaktere im Spiel

Zu Beginn der Französischen Revolution herrschender König. Obwohl er als ehrlicher und bemühter Regent galt, scheiterte er daran, die Privilegien des Adels und des Klerus einzuschränken und den Konsens mit dem einfachen Volk zu finden. Er wurde am 21.01.1793 auf dem heutigen Place de la Concorde enthauptet.

In der Anfangszeit der Revolution galt Mirabeau als Wortführer des Volkes. Er war ein großartiger Redner, doch seine eher gemäßigte Einstellung sowie vermeintliche Verbindungen zum Königshaus ließen ihn mehr und mehr in Ungnade fallen. Sein sehr plötzlicher Tod im Jahre 1791 könnte durchaus ein Giftmord gewesen sein.

Als Anstifter der Hetze auf jeden, der sich nicht voll und ganz als Unterstützer der Revolution hervortat, verrannte sich Robespierre bald blind in seinen Zielen. Im Bestreben, dem Terror endlich ein Ende zu setzen, wurde er im Jahre 1794 samt einer Vielzahl seiner Anhänger ohne Prozess zum Tode verurteilt.

Der Marquis de Sade war nicht nur ein französischer Adliger, sondern nicht weniger als der Namensgeber des Begriffs „Sadismus“. Bekanntheit erlangte er durch verschiedene pornografische und kirchenfeindliche Schriften, die er während seiner zahlreichen Gefängnisaufenthalte verfasste. Ein Unhold wie er im Buche steht – zugleich aber war er ein brillanter Geist.

Die Französische Revolution endete in einer versteckten Diktatur unter Führung Napoléon Bonapartes, doch zu wir lernen ihn während des Spiels noch als zielstrebigen 23jährigen kennen, der noch am Fuße seiner politischen Karriereleiter steht.

 

EN GARDE!

 

Überarbeitet wurden auch sowohl das Kampf- als auch das Bewegungssystem. Die Fortbewegung – insbesondere das Klettern – soll nun intuitiver zu handeln sein und tatsächlich bieten uns Optionen wie der „kontrollierte Abstieg“ die Möglichkeit, schnell, elegant und vor allem ohne Schaden von hohen Punkten wieder nach unten zu gelangen. Beim Aufstieg jedoch – aus Sicht meiner persönlichen Erfahrung – hakelt es öfter als in den bisherigen Teilen. Oft hängen wir an irgendeiner Fassade, möchten gerne auf das Dach gelangen und Arno findet seinen Weg nicht. Also hängen wir noch ein bisschen länger wie ein verlassenes Affenbaby auf Halbmast, bis ihm endlich einzufallen scheint, in welche Richtung es weitergehen könnte. Gerade in zeitlich begrenzten oder allgemein hektischen Situationen ist das ziemlich ärgerlich.

 

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Schnell vorankommen wir sonst jedoch durch die Schnellreisepunkte, die im ganzen Spiel strategisch klug verteilt sind. Statt also mit dem Pferd wie ein Irrer durch die (ohnehin dafür viel zu vollen Straßen) zu preschen, beamen wir uns eben rüber. Nicht gerade zeitgemäß, aber doch äußerst funktional!

 

Die Überarbeitung des Kampfsystems bringt nunmehr die Möglichkeit des Parierens, Konterns oder Ausweichens mit sich, sodass Kämpfe sich einerseits realistischer anfühlen, andererseits aber auch, nach eigener Einschätzung, teilweise sinnlos schwer. Das liegt nicht zuletzt auch an den Gegnern, die insgesamt schwieriger zu besiegen sind und euch oftmals vor die Frage stellen, ob eine geschickte Flucht über Paris‘ Dächer nicht doch die klügere Option ist.

 

FAZIT

Assassin’s Creed Unity ist vor allem eins: Visuell eine wahre Augenweide! Das gigantische Paris mit all seinen charakteristischen Wahrzeichen und teils bis zu 5.000 eigenständig agierenden und intelligenten KI-Statisten lässt uns mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitzen. Man könnte Stunden damit zubringen, einfach nur durch die Gassen zu schlendern und die Leute auf dem Marktplatz zu beobachten.

Spielerisch gesehen erscheint die Story plausibler und nachvollziehbarer als in Black Flag – wir begleiten Arno dabei, wie er das Assassinenhandwerk von der Pike auf lernt und auch seine emotionale Verstrickung in die Ereignisse lässt sich durchaus nachempfinden.

Der eingebrachte RPG-Aspekt bietet einerseits mehr Freiheiten und Raum für individuelle Gestaltung, doch andererseits lässt er das Spiel leicht überladen wirken. Während die Verbesserungen im Kampfgeschehen spürbar als solche zu bemerken sind, hat das Klettern – trotz gegenteiliger Absicht – an Flüssigkeit eingebüßt.

Alles in allem ist Assassin’s Creed Unity ein fantastisches Spiel, dem man trotz kleiner Makel deutlich anmerkt, wie viel Mühe und Herzblut in seine Entwicklung geflossen ist.

 

 

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