20. Mai 2019

A Plague Tale: Innocence

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A Plague Tale: Innocence hatte mich bereits nach der Veröffentlichung des Ankündigungstrailers gefesselt. Die geschichtliche Thematik, eine weibliche Hauptrolle und auch das spielerische Zeitalter schienen sehr interessant. A Plague Tale vermittelt eine düstere und trostlose Darstellung in einer Zeit, wo die Pest in Frankreich regiert. Wir sind in der Rolle als Amicia ständig auf der Flucht vor einem totalitären Regime. Macht uns das Spiel rattig? Hier kommt unser Test.

Geschichte

Wir befinden uns im Jahre 1349 in Frankreich. Die Pest macht sich in den Straßen breit- es regiert die Inquisition, die Menschen grausam verhört und gefoltert, wenn nötig auf dem Scheiterhaufen verbrannt, sollten sie nicht gehorchen, oder sich ihnen gar wiedersetzen. Die Inquisition macht selbst vor den Adeligen nicht halt, so kommt es, dass Amicia schnell auf sich allein gestellt wurde. Sie muss mit ihrem kleinen Bruder Hugo fliehen und sich mittels ihrer Steinschleuder, sowie Feuer und Licht zu Nutze machen, um sich einen Weg durch die Massen von Ratten bahnen. Zwei Schicksale treffen aufeinander und bilden plötzlich eine Einheit um sich den Gefahren zu wiedersetzen und Hilfe zu finden. Die Reise beginnt.

Gameplay

A Plague Tale: Innocence nimmt schonungslos und direkt am Anfang Fahrt auf und was eben noch durchweg idyllisch war, kann sich auch ganz schnell verändern. Wir schlüpfen in die Rolle der fünfzehnjährigen Amicia, die plötzlich auf sich alleine gestellt ist und mit ihrem kleinen Bruder die Flucht antreten muss, obwohl sie kaum einen Bezug zu ihm hat. Schicksale schweißen ja förmlich zusammen und Gott sei Dank wurde Amicia von ihrem Vater in die Kunst der Jagd unterrichtet. Wir steuern Amicia, die die ganze Zeit die Hand des fünfjährigen Bruders halten muss. Amicia kann ihn an einem sicheren Ort lassen, während sie Gegner tötet oder die Gegend durchsucht. Ihre Waffe ist eine Schleuder, die mit Steinen und anderer Munition ausgerüstet werden kann. Die Munition wird aus Gegenständen hergestellt, die aus den umliegenden Gebieten gesammelt wurden. Dank des Waffenrads ist die Munitionsherstellung gleichermaßen simpel gestaltet: Wir sammeln im Laufe des Spiels verschiedene Zutaten und Gegenstände, die miteinander kombiniert werden können. Auch Alchemie spielt eine große Rolle. Kombinieren wir Herstellungsmaterialien zum Beispiel zu Devorantis, zwingt es am Kopf getroffene Gegner ihre Helme abzuziehen und sie so leicht verwundbar gegen Steine der Schleuder zu machen. Odoris lockt Ratten aus der Umgebung an. Lasst Euch überraschen, welche alchemistischen Ihr im Spielverlauf erlernen werdet. Das Schießen oder das Zieletreffen mit der Schleuder gestaltete sich manchmal etwas umständlich, da Amicia sich mit einer kleinen Verzögerung bewegt, dennoch gewöhnt man sich daran.

Amicia kann auch ihre Ausrüstung auf drei Stufen bei Werkbänken aufwerten. Man kann von der Schleuder die Bänder oder den Beutel optimieren, Alchemie funktionaler machen, oder man legt den Fokus auf das Inventar, die Tasche, Munitionstasche oder Ausrüstung. Jede Herstellung verbraucht ebenso benötigte Materialien oder Werkzeug- je nachdem was man aufwertet, braucht man später weder eine Werkbank, noch Werkzeug. Die Upgrades machen uns das Spiel einfacher. Diese  ermöglichen uns zwei aufeinanderfolgende Schüsse mit der Schleuder, eine verkürzte Ladezeit, geräuschloseres Schleudern und Bewegen, oder verringerte Nachladedauer der Schleuder, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Es gibt immer wieder Kletterpassagen, in denen einer dem anderen per Räuberleiter nach oben hilft. Damit meine ich jetzt nicht, dass der kleine Hugo unsere Amicia irgendwo hochzieht, das geht rein körperlich nicht- in A Plague Tale treffen wir noch auf andere Charaktere, die sich als wertvolle Reisebegleiter herausstellen. Wer das ist, verrate ich an dieser Stelle noch nicht. Oder ihr müsst eine Festung mit einer Menge Soldaten der Inquisition darin passieren und mittels Verwirrungstaktik schafft ihr es, dass beide nicht geschnappt werden. Rein intuitiv steuert ihr die beiden Geschwister auf ihrem abenteuerlichen Weg durch die wunderschöne Welt des Games.

Außerdem gibt es eine Menge Lösungswege im Spiel. Für welchen Weg wir uns entscheiden, bleibt uns meistens selbst überlassen. Niemand zwingt Euch zum Beispiel dazu, verschiedene Wachen oder kampferprobte Ritter zu töten um einen Weg zu passieren, sondern wir können auch unentdeckt an ihnen vorbeischleichen, oder Ablenkungsmanöver mit unserer Schleuder starten.

A Plague Tale: Innocence bietet uns auch einen taktischen Part. Dieser besteht daraus, dass wir uns an gegnerischen Soldaten unentdeckt vorbeischleichen, ein paar leichte Rätsel lösen, oder aber die licht- und feuerscheuen Ratten auf andere Wege oder gar Gegner lenken. Es ist einfach, wenn wir Feinde aus der Ferne mit der Schlinge töten- stehen diese aber zu nah, oder kommen diese schnell zu uns gelaufen, ist es fast unmöglich diese zeitnah zu besiegen. Die Gegnertypen sind unterschiedlich. Das heißt, dass man zum Beispiel andere Munition benötigt- es wird kein Gesundheitsbalken angezeigt, als muss man selbst herausfinden, was die klügste Variante ist. Kommt dir ein Soldat zu nahe, dann war es das für dich- mit einem Schlag ist dein Kopf ab, da hilft auch kein Wegrennen.

Das Spiel gestaltet sich wahrscheinlich für jeden ganz individuell und es macht sowieso Spaß, bei der äußerst schön gestalteten Welt voranzukommen. Manche Spieler könnten den Schwierigkeitsgrad etwas zu einfach finden, es wäre nicht schlecht gewesen, wenn die Entwickler verschiedene Gerade eingebaut hätten, wie zum Beispiel eine Verknappung von Munition um mehr Herausforderung zu bieten. Versteht mich nicht falsch- für mich war alles genau richtig und ich fühlte mich wohl, denn ich bin kein Fan davon Materialien einzusammeln, ich möchte lieber ungebremst vorankommen. Außerdem gibt es hier und da Gegner und Bosse, die es in sich haben. Hier treffen wir auf Gegner, die bestimmte Taktiken zum Erzwingen benötigen. Gerade die Bosskämpfe gestalten sich jedes Mal anders und bringen eine gute Bereicherung des Spiels.

Die Ratten

Das gesamte französische Königreich ist übersäht von Ratten. Sie tragen die Pest durch die verwüsteten Dörfer, Landschaften und Schlachtfelder. Man ist kaum vor ihnen sicher- sie sind blutrünstig und verschlingen alles wie eine Welle, was sich in ihrem Weg befindet. Doch es gibt eine Sache, die die gefährlichen Krankheitserreger abwimmelt: Licht und Feuer. Feuer oder Licht wurde im Spiel auf viele verschiedene Arten verwendet, um zum Beispiel andere Wege und Passagen zu finden und auch spielerisch trug dieser Fakt einige interessante Wendungen mit sich.

Brüderchen reich mir deine Hand

Wir alle kennen es: Diesen Klotz an unserem Bein, der uns spielerisch ausbremst. Dieser eine Charakter, den wir ständig durch die Geschichte oder Areale schleusen müssen, die Rolle des Babysitters übernehmen müssen und der uns einfach zur Weißglut bringt. A Plague Tale macht das anders. Ähnlich wie in Brothers: A Tale of two Sons ist unser Bruder uns eine Hilfe. Klar sind wir die große Schwester und müssen den fünfjährigen Hugo beschützen, aber dennoch können wir Hugo Befehle erteilen. Zum Beispiel kann Hugo kleinere Schalterrätsel lösen, uns verschiedene Pforten öffnen und sich durch kleine Lücken zwängen. Hugo ist authentisch, hilfebedürftig und sympathisch. Unser fünfjähriger Bruder Hugo leidet an einer mysteriösen Krankheit und hat deswegen die meiste Zeit seines Lebens in seinem Zimmer verbracht. Ein kleines Kind, das so unbedarft ist, dass man als große Schwester Amicia mitfühlen kann und ihn einfach beschützen mag. Ebenso unkompliziert, aber ähnlich interessant ist die Vielfalt an Interaktionsmöglichkeiten mit eurer Umgebung. Soll Hugo an einer bestimmten Stelle stehen bleiben, oder soll er doch durchs Fenster krabbeln um uns von innen eine Tür zu öffnen. Wir sagen, wo der Hase langläuft.

Grafik

Auch wenn das Spiel vom ersten Blick her fantastisch aussieht und auch wenn die Settings fabelhaft aussehen gibt es ein paar Punkte, die mich störten. An den Seiten des Bildschirms gibt es einen Filmeffekt, der uns das Gefühl gibt, dass die Seiten etwas unschärfer sind und sich die Kanten etwas abrunden. Diesen Stil habe ich auch schon mal in anderen Spielen gesehen, wirklich tragisch ist das Stilmittel nicht, aber man hätte es etwas abschwächen können. Die Bewegungen von Amicia und manchen NPCs sehen leider sehr steif und ungeschickt aus, fast schon klobig und altbacken, das ist zwar sehr schade, aber dies ist nur eine visuelle Beeinträchtigung, die sich nicht aufs Gameplay auswirkt, richtig?

Fazit

Es gibt viele Elemente, die mich in A Plague Tale: Innocence faszinieren: Das Setting, die Charaktere, die kleinen liebevollen Details und natürlich die Massen an Ratten, die ich förmlich auf mir herumkrabbeln spüre. Klar sehen die Biester in der Masse etwas lächerlich aus, dennoch vermitteln sie effektiv, was sie darstellen sollen- eine Bedrohung. Das geschwisterliche Band von Amicia und ihrem kleinen Bruder Hugo ist wunderbar in Szene gesetzt, als Spieler bekomme ich eine echte Authentizität vermittelt. Spannend zu beobachten ist auch, dass die beiden Geschwister aufgrund ihres verschiedenen Alters und Persönlichkeit auch gänzlich unterschiedlich auf Dinge reagieren. Mir gefiel auch das vielfältige Gameplay: Die Kombination aus Schleichpassagen, (Schalter)Rätseleinlagen bis hin zu knallharten Kampfkonfrontationen- wir bekommen viel geboten. A Plague Tale: Innocence ist extrem geschichtsträchtig und beinhaltet eine Menge Dialoge- es geht um ein mysteriöses Geheimnis, Mut und Tapferkeit, den Tod, Unschuld und Gier und die Geschichte bekommt oft neue Wendungen, sodass sich beim Spielen nichts wiederholt und langweilig anfühlte. Gore-Fans kommen sicherlich auch auf Ihre Kosten, das zeigt auch der USK 16-Flatschen: Wir bekommen viele tote Körper, Gewalt, Blut und Tod zu sehen.

A Plague Tale: Innocence ist für mich eine echte Perle und viel mehr als ein mittelklassiges Spiel. Klar, das Spiel ist nicht perfekt, aber auch meine erwähnte Kritik an manchen Punkten reicht nicht aus, dass es dem Gameplay und dem Spieler in irgendeiner Form schadet. A Plague Tale ist sein Geld wert, denn wir werden mit einem abwechslungsreichen Spiel mit spannender Geschichte belohnt. Alle Punkte sprechen für mich dafür, dass das Spiel einzigartig ist.

A Plague Tale: Innocence erscheint am 14.05.19 auf PS4, Xbox One und PC.

Wertung

8.7

Wertung

8.7/10
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