31. Mai 2019

Constructor Plus im Test

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1997 erblickte Constructor zum ersten Mal das Licht der Welt und bildete das auf überwiegend illegalen Machenschaften basierende Gegenstück zur Städtebausimulation SimCity. Das mehrfach verschobene HD Re-Release ist nun für alle gängigen Konsolen verfügbar.

Inhalt

Entwickler System 3 ist bereits seit 1982 im Videospiel-Geschäft mit Titeln wie der Last Ninja-Reihe (C64 / Amiga), Putty Squad (Amiga / SNES) oder Games, die eher im unteren Regalbereich der Fachabteilung zu finden sind (Ferrari Challenge (PS3), Pinball Arcade (PS4), Pure Chess (PS4)…). Constructor gehört zu ihren bekannteren Veröffentlichungen und Ziel des Spiels ist es eine blühende Metropole aufzubauen und zu verwalten. Ähnlich wie in vergleichbaren Simulationen fängt man klein an mit einem Hauptquartier und nicht mehr als einer Handvoll Angestellter. Als Bauunternehmer sind einem Arbeiter mitsamt Vorarbeitern unterstellt, sowie Technikern, die alle Gebäude instand halten. Um eine riesige, geschäftige Metropole aufzubauen, muss man sich gerade auch mit dem Status seiner Stadt neue Möglichkeiten erarbeiten – während das anfänglich verfügbare Sägewerk nur klapprige Holzhütten für die Stadtbewohner ermöglicht, schaltet man mit mehreren Bewohnern und Gebäuden weiterhin das Zementwerk, die Ziegelei und weitere Rohstoff-Fabriken frei, die den Katalog erweitern. Da man in der Regel aber nicht der einzige aktive Bauunternehmer in der Stadt ist, muss man sich auf schmutzige Machenschaften gefasst machen – und diese auch selbst in die Wege leiten…
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Gameplay

Auch, wenn das Spiel auf den ersten Blick sehr an Genre-Kollegen wie SimCity oder Cities: Skylines erinnert, sind viele Mechaniken doch ganz anders. Die errichteten Wohnhäuser besiedeln sich beispielsweise nicht einfach selbst, sondern jedem Haus müssen seine Bewohner zugeordnet werden – und um Bewohner zum Verteilen zu haben, muss man diese tatsächlich „züchten“. Stadtbewohner kommen nicht nur in verschiedenen, freischaltbaren Kategorien (arm bis reich) daher, sondern auch mit variierenden Attributen. Anhand derer kann man beispielsweise festmachen, wie zahlungskräftig die Familie ist, wie stark sie die Immobilie demolieren, mit wie viel Krach sie die Nachbarn beschallen und wie stark sie sich „reproduzieren“. Interessanterweise lassen sich diese Attribute stark beeinflussen, wenn man eine Stange Geld in die Hand nimmt. So können in Constructor nämlich nicht nur die Häuser gebaut werden, man hat sogar Einfluss auf die Innenarchitektur. Mit einem Blick ins Innere lassen sich auch einzelne Räume upgraden, die nicht nur die Immobilie wertvoller und die Bewohner glücklicher machen, das Renovieren des Schlafzimmers hat beispielsweise auch den wünschenswerten Nebeneffekt, dass sich die Bewohner lieber dort aufhalten und sich entsprechend mehr dem… „Reproduzieren“ hingeben. Je nach gesellschaftlicher Klasse der Bürger ergibt das auch andere Nachkommen – entweder stinknormale Baustellenarbeiter, Bürger der unterschiedlichen Stufen oder auch Extrawürste wie Polizeikadetten. So leid es mir für sie tut, sie werden gleich bei Geburt – im Grunde genommen schon wenn der Bauleiter ihren Eltern befiehlt Sex zu haben – in Schubladen gesteckt. Diese Mechanik ist allerdings auch ein wirtschaftlicher Drahtseilakt, weil die Stadt alle drei möglichen Ressourcen benötigt: Bewohner, Arbeiter und Geld – und jedes Haus kann nur eine davon produzieren.

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Neben neuen Rohstoffwerken, die wiederum neue Wohnmöglichkeiten freischalten, erhält man im Spielverlauf auch Zugriff auf andere nützliche Gebäude. In einer Fabrik lassen sich beispielsweise die unterschiedlichsten Ausrüstungsgegenstände, wie Bäume, Lärmschutzfenster, Alarmanlagen oder Mäusefallen produzieren, die mit voranschreitender Spielzeit zwingend nötig werden. Wie in anderen Simulationen nämlich auch, nehmen die Bewohner der Stadt ihr Dasein und das Dach über ihrem Kopf nicht einfach so hin – ziemlich forsch und vulgär fordern sie einen Zaun um ihr Heim (bei Öko-Bewohnern ist es eher eine rein pflanzliche Hecke), schattenspendende Bäume, lärmdämmende Fenster, etc. oder das Spiel selber stellt einen vor ein Ultimatum eine großflächige Katastrophe, wie eine Kakerlakenplage auszumerzen. Schafft man die Aufgabe nicht in der vorgegebenen Zeit verliert man seine Bewohner oder tatsächlich das gesamte Spiel – man sollte die Forderungen also nie aus den Augen verlieren.

Weitere Sondergebäude sind sozusagen Dienstleister, wie die Biker Bar, von der man Psychopathen beziehen kann, die fremdes Eigentum demolieren, das Pfandleihhaus, von wo aus man einen Dieb auf Beutezug schicken kann, eine Kommune, die Hippies aussendet um feindliche Fabriken mit Demonstrationen lahmzulegen oder Passanten mit einer Straßenparty abzulenken. Auch einen Handwerker, der beim Gegner Gaslecks, Überschwemmungen oder Stromausfälle (damit der Dieb an der Alarmanlage vorbeikommt, z.B.) auslöst, hat das Spiel im Angebot. Zur Wehr setzen kann man sich gegen diese Übeltäter hingegen wieder mit Wachhunden, Polizeistationen oder anderen Hilfsmitteln – denn auch die Gegner können fies werden.

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Spielmodi

Das Hauptmenü hält einige Spielmodi bereit, die sich aber gar nicht allzu sehr voneinander unterscheiden. Die ersten beiden werfen den Spieler in freischaltbare Szenarien hinein, in denen man nicht nur schrittweise die Spielmechaniken lernt, sondern teilweise auch bereits den Grundstein einer Stadt vorgegeben hat, sodass man nicht jedes Mal auf Neue von Null beginnen muss. Die Missionen konzentrieren sich meist auf z.B. einen der oben genannten „Dienstleister“ und alle Möglichkeiten, die dieser einem bietet.

Es gibt ein paar Variationen von freiem Spiel, in denen man bei Null beginnt und quasi endlos bauen und wirtschaften kann. Im reinen Designmodus baut man relativ unbehelligt von Beschwerden und Gegnern und mit einem frei wählbaren Startguthaben.

Auch ein Online-Modus ist verfügbar, in dem man gegen andere Spieler antreten kann (PS+ Abonnement ist auf der PS4 dafür erforderlich).

Fazit

Als alter SimCity-Fan ist die Neuveröffentlichung von Constructor ein willkommenes Eintauchen in das Genre der Städtesimulation. Da das Spiel weiterhin auf dem 1997er Original basiert ist die Optik und technische Umsetzung zwar nicht mehr zeitgemäß oder sonderlich hübsch, gleichzeitig aber auch nicht wirklich schlecht gealtert. Abgesehen von den wenigen 3D-Zwischensequenzen und speziell dem Intro – die sehen wirklich fürchterlich aus. Der aufeinander aufbauende Missionsmodus ist ein wunderbar gelungenes, cleveres Tutorial, das die einzelnen Lektionen in aufnehmbare Stücke aufteilt, sodass man nicht erschlagen wird und gleichzeitig mit Wiederholungen vorheriger Mechaniken alles sehr gut verinnerlichen kann. Die über 100 verschiedenen Gebäude klingen zunächst sehr viel, sind unterm Strich aber gar nicht so abwechslungsreich, da gerade unter den Wohngebäuden einer Klasse viele Dopplungen in unterschiedlichen Farben auftreten – da bleibt die Langzeitmotivation auch nur schwer erhalten, wenn man das Szenario in den Amazonas oder auf den Mars verlegt, wo sich einige Gebäude entsprechend anpassen, andere hingegen identisch bleiben (mal ganz davon abgesehen, dass man auf dem Mars kein Holz abbauen kann und keine der Raumstationen mit welchem gebaut wird). Der ganze Spielspaß, von dem man sich beliebig fordern lassen kann, entsteht tatsächlich mehr durch das Managen der Stadt als durch ihr Errichten. Das Bearbeiten der zahlreichen Beschwerden, das Zur-Fortpflanzung-Animieren der Bewohner, das Freischalten der nächsten Gebäudestufen und bei alledem darf man auch das Budget nicht aus den Augen verlieren – oder die Konkurrenz. Was Constructor von seiner Videospielkonkurrenz abhebt, ist der kriminelle Aspekt. Man kann gegnerische Gebäude zerstören, beschlagnahmen und verkaufen, feindliche Arbeiter oder Mafiosi umlegen, Ressourcen, Gegenstände oder Geld stehlen oder die Unternehmen der anderen Bauunternehmer auf der Karte sabotieren – und alles zusammen funktioniert ebenfalls. Das gibt dem Ganzen tatsächlich einen gewissen Kick – gerade, da man sich gleichzeitig auch gegen die selben Maßnahmen der Konkurrenz verteidigen muss. Ich hätte mir das Spiel aber noch ein wenig witziger gewünscht, da es zwar amüsantere Monologe und Situationen zu bieten hat als das eher trockene Cities: Skylines, dennoch nicht so lustig rüberkommt wie das etwas abgedrehtere SimCity.

Sehr schade: Derselbe Bug, der das Abschließen einer Aufgabe nicht erkennt und dadurch das Beenden der Mission und den gesamten aufeinander aufbauenden Spielverlauf unmöglich macht – auch nach Neustart. Auch, wenn der wahre Spielspaß eher im freien Endlos-Modus aufkommt, so sollte das doch dringend noch gepatched werden.

Constructor Plus

7.8

Wertung

7.8/10
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