6. Oktober 2019

Contra: Rogue Corps

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Man wollte die Spielreihe Contra für eine neue Gaming-Generation interessant machen, so war zumindest der Plan von Konami. Sowohl Xbox-Besitzer als auch Steamer, PS4-Zocker und Nintendo Switch-Spieler bekamen am 24.September diesen Jahres die Chance in den Genuss von Contra: Rogue Corps zu kommen und die Contra-Reihe ganz neu zu erleben. Vorweg: Mit dieser Neuausrichtung hat Konami weder sich noch den Fans einen Gefallen getan…

Dabei fängt das Ganze gar nicht mal so verkehrt an: Einige Jahre sind nach den Ereignissen der Alien-Kriege vergangen. Von Frieden gibt es hier aber absolut keine Spur. Ehemalige Militärgruppen, Kopfgeldjäger und Schatzsucher kämpfen in Damned City ums nackte Überleben. Die Einführung, wie auch spätere Zwischensequenzen, werden in netter 2D-Optik erzählt, wo wir auch schon Bekanntschaft mit unseren vier durchgeknallten Hauptcharakteren machen: Kaiser, ein Möchtegern-Duke Nukem, HB (Hungriges Biest), ein Kampfpandabär. Miss Harakiri ist mein Lieblingscharakter und eine Lady, die ihren Körper mit einen Dämon teilt und mit Hilfe eines Katanas Gegner schnetzelt. Zudem gibt es noch Gentleman, ein Alien, das böse ausschaut, allerdings sehr gute Manieren vorzuweisen hat. Diese vier Söldner haben es sich zur Aufgabe gemacht Damned City von Monstern und Freaks zu befreien- gegen Bezahlung natürlich.

Zuerst wählen wir einen Charakter und dann startet das Tutorial. Von da an geht es leider sehr schnell bergab mit Contra: Rogue Corps. Die Zweistick-Shooter-Steuerung ist zwar ganz schnell erlernt (Hauptwaffe und sekundäre Waffe wählen, dashen, springen, Specialmoves ausführen usw.), erweist sich jedoch bei einer größeren Gegnermasse als sehr unvorteilhaft. Egal, für welchen Charakter man sich entscheidet, es steuert sich alles träge, ungenau und sogar etwas zeitverzögert. Auch die Tatsache, dass man darauf achten muss die Waffe nicht zu erhitzen, da sie ansonsten für ein paar Sekunden außer Gefecht ist, macht das Kämpfen auch nicht viel besser, im Gegenteil. Als sei das alles nicht schon frustrierend genug, merkt man schnell, dass sich das Kämpfen selbst eher unspektakulär und unbefriedigend, wenn nicht sogar nervtötend anfühlt. Man ballert sich permanent von Gegnermasse zu Gegnermasse in den nächsten Screen, nur um am Ende noch mehr Gegnerwellen zu beschießen. Die Gegnertypen hätten langweiliger nicht ausfallen können. Die Bossgegner sind auch nicht wirklich der Rede wert, diese werden so oft recycelt, dass sie später sogar als Standartgegner wieder auftauchen. Merke: Eine Feindwelle von Abschnitt zu Abschnitt immer größer zu machen, bedeutet nicht gleich mehr Abwechslung und Spaß. Apropos Abwechslung: Ja, man experimentierte hier und da mit verschiedenen Perspektiven, in manchen Sequenzen wird unter anderem sogar in den oldschooligen „Schießstand-Modus“ gewechselt, dennoch leiden alle Perspektiven unter einer unvorteilhaften Kamera und nicht optimalen Blickwinkeln.

Gut, werfen wir mal einen Blick in die Menüs: Im Operationssaal verbessern wir unsere Charaktere und Fähigkeiten durch zuvor verbesserte Organe und Kybernetik (diese bekommen wir nach erfolgreichen Abschluss einer Mission). Bei PVE (EinzelspielerStory-Modus) haben wir einen Kampagnenmodus gespickt mit Herausforderungen und Missionen unter Horden von Feinden. Im Grunde geht es immer nur darum alle Gegner auszuschalten oder für eine bestimmte Zeit am Leben zu bleiben. Abwechslung kann man hier jedoch nicht erwarten, sondern nur, wer hätte es gedacht, Gegnermassen über Feindeswellen. Im Mehrspielermodus spielen wir mit bis zu 4 Freunden, zufälligen Spielern allein, oder in einer Gruppe online. In PVP erstellen wir benutzerdefinierte Matches (privater Modus) für 2v2-, 3v3-, 4v4- oder 1vs4-Spieler. Der Lokaler Couch-Coop-Modus ermöglicht uns das Spielen mit bis zu 4 Spielern. Zu guter Letzt haben wir noch die Möglichkeit unsere Waffen aufzubessern. Ergatterte Beute und Upgrades können wir entweder verkaufen, oder aber in den Waffen einbauen. Klingt einfach, erweist sich in der Praxis allerdings als unnötig kompliziert und unübersichtlich. Leider ist das Aufbessern wichtig, da man manche Missionen wohl oder übel wiederholen muss, da unsere Waffen und Ausrüstungen noch nicht stark genug sind. Manchmal kommt es einen so vor, als ob man mehr Zeit mit Upgraden und Aufleveln verbringt als damit Monster und Aliens in den Hintern zu treten. Diese Art von „Immer besser werden müssen“ erweist sich als absoluter Spaßkiller und hätte man meiner Meinung nach nicht gebraucht.

Obwohl ich nicht grafikverwöhnt bin, kam ich bei der optischen Präsentation öfters mal ins Kopfschütteln. Sowohl die Figuren als auch Level selbst erinnern einen an frühere PS3-Spiele. Hinzu kommt noch, dass man hier keinerlei Liebe zum Detail eingebaut hat. Alles wirkt wie mal eben schnell dahin programmiert ohne Mühe und Motivation. Die monotone Farbauswahl tut hier bei ihr übriges. Verschlimmbessert wird das Feeling zusätzlich noch von eher mäßigen, langweiligen Soundeffekten, für die sich sogar Michael Bay-Actionfilme schämen würden.

Spielerisch gibt es kaum was, für die Augen gibt es nichts gescheites, gibt es wenigstens was auf die Ohren? Ja, gibt es. Der Soundtrack ist sehr solide ausgefallen, kann aber leider nichts mehr an Contra: Rogue Corps retten. Das ist wirklich schade, denn die Musik ist recht stimmig, an manchen Stellen sogar rockig, knallhart und bei manchen Tracks kommt tatsächlich sowas wie Contra-Feeling auf. Es gibt sogar einen netten Remix vom „Jungle Theme“ und das Sieges-Theme hat man ebenfalls eingebaut.

Fazit

„Du magst es doch bloß nicht, weil du es mit den anderen Contra-Spielen vergleichst…“ denkt jetzt sicher der Eine oder Andere. Falsch! Unabhängig davon, ob man dieses Spiel nun als ein Contra oder X-beliebigen-Titel betrachtet: So oder so bleibt es im Kern ein austauschbares 08/15-Action-Spiel ohne Liebe und Langzeitmotivation. Sich dröge von Mission zu Mission durchzuquälen und durch die uninspirierte, detailarme Welt durchzukämpfen plus das unvorteilhafte Gameplay inklusive schwachem Sound verderben einen schon nach wenigen Minuten die Lust. Ein vernünftiger Spielfluss, eine angenehmere Geschwindigkeit und gerne eine schlichte, aber clever designte Spielmechanik hätten diesen Titel mehr als gut getan. Aber so! Nein, sorry, das war leider ein Satz mit X.

Contra: Rogue Corps ist für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch sowie PC via Steam für 39,99€ ab sofort erhältlich.

Wertung

5

Wertung

5.0/10
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