13. August 2019

Fire Emblem: Three Houses

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Verdammte Axt! Die Fire Emblem-Reihe umfasst bereits 16 Titel und diverse Ableger, warum sollte einen die Serie gerade jetzt catchen? Finden hier Neueinsteiger, die so gar nichts über den Titel wissen auch Ihren Zugang? Um die wichtigsten Fragen vorweg beantwortet zu haben: Ich selbst startete mit der Serie erst auf Nintendos 3DS. Und ja, gerade weil Fire Emblem auch so wunderbar im Handheldmodus spielbar ist, solltet Ihr euch den Switch Teil Three Houses unbedingt ansehen. Gerne gebe ich Euch einen Überblick zu Fire Emblem: Three Houses. Lasst Euch von meiner Begeisterung anstecken.

Zunächst einmal sei gesagt, dass Fire Emblem ein Spiel für Strategen ist. Habt Ihr früher, genauso wie ich, unzählige Stunden in Advance Wars, Command & Conquer, dem alten Warcraft, Commandos Beyond Enemy Lines und Co. versenkt? Glaubt mir, Fire Emblem: Three Houses wird Euch eine Menge Spaß bereiten und Eure Zeit im nu auffressen. Ich habe vor diesem Test bereits 40 Stunden gespielt und bin mit der Hauptstory noch nicht (aber bald) durch. Der Entwickler sprach davon, dass Ihr um die 200 Stunden inklusive des Season Pass Euren Spaß haben könnt. Aber worum geht es eigentlich in Fire Emblem: Three Houses?

Die Geschichte

Der Kontinent Fódlan wird von drei Reichen beherrscht. Im Zentrum befindet sich das Kloster Garreg Mach. Das Kloster ist mit einer Militärakademie ausgestattet und bildet die zukünftigen Herrscher von Fódlan aus. Wir schlüpfen in die männliche oder weibliche Rolle eines ehemaligen Söldners und die Umstände ergeben, dass wir der neue Lehrmeister am Kloster sind. Wir entscheiden uns für eines von drei Häusern, führen unsere Studenten durch ihre akademische Laufbahn und geben alles in rundenbasierten Schlachten. Wie werden wir uns entscheiden? Wir haben die Zukunft von Fódlan in unserer Hand.

Die drei Häuser

Als neuer Magister müssen wir uns entscheiden, welches der drei Häuser wir unterrichten möchten. Jedes Haus hat seine eigenen Charaktere mit Persönlichkeiten und Fähigkeiten. Es gibt die schwarzen Adler, die blauen Löwen und die goldenen Hirsche. Ich selbst habe mich für die blauen Löwen entschieden, ich bin mir jedoch sicher, dass ich nach dem Durchspielen von Fire Emblem: Three Houses einen erneuten Durchlauf mit einer anderen Königsfamilie wagen werde um dessen Geschichte und Charaktere kennenzulernen.

Der Kopf der schwarzen Adler ist Edelgard, die sich stets kühl und unnahbar gibt. Die Adler sind für ihr magisches Talent bekannt. Die blauen Löwen hingegen sind bekannt für ihr Geschick in den Kriegskünsten. Der Haussprecher ist Dimitri, welcher wie ein wahrer Ritter wirkt, hinter seiner Fröhlichkeit jedoch verbirgt sich ein dunkler Schatten. Claude, der Erbe der führenden Adelsfamilie der Allianz führt die goldenen Hirsche an. Er gibt sich gerne cool, trotzdem sollte man vor ihm auf der Hut sein. Die Stärke der goldenen Hirsche liegt im Fernkampf.

Ohne Euch zu viel zu verraten: Ihr werdet viel Zeit mit Euren Studenten verbringen und eine Menge Investieren bis ein Sprung von fünf Jahren alles in die Luft jagen wird- seid drauf gefasst, dass Euch Three Houses eine coole Geschichte und Storytwists bescheren wird. Wenn Ihr die Geschichte mit einem der Häuser durchgespielt habt, werdet Ihr sicherlich wissen wollen, wie sich diese mit einem anderen Haus mit anderen Charakteren entwickelt- der Wiederspielwert ist vorhanden und viel zu tun gibt es immer, aber das erzähle ich Euch gleich…

Das Gameplay

Die Genreeinordnung dürfte zunächst einmal schon viele abschrecken: Bei Fire Emblem: Three Houses handelt es sich um ein rundenbasiertes Strategie-Rollenspiel. Das klingt aber weitaus trockener, als es eigentlich ist. Natürlich, ihr bewegt eure Einheiten über ein in Abschnitte unterteiltes Spielfeld. Doch eure Mitstreiter sind viel mehr als beliebig austauschbare Kampfroboter, denn jeder verfügt über eine ganz eigene Persönlichkeit inklusive individueller Stärken und Schwächen. Dies gilt es natürlich in der Angriffsplanung zu Bedenken: Wer nutzt an welcher Stelle am meisten, wie kaschiere ich Schwächen am besten?

Nichtsdestotrotz ist Mitdenken erforderlich: Um Kämpfe unbeschadet oder zumindest mit sehr geringen Verlusten zu überstehen, müsst ihr klug taktieren. Macht euch mit den Stärken und Schwächen eurer Einheiten vertraut und setzt sie mit Bedacht ein. Pro Kapitel könnt ihr ohnehin nur eine begrenzte Auswahl an Einheiten einsetzen und diese wollen dann klug gewählt sein. Trotzdem sollte natürlich jede Einheit gleichermaßen trainiert werden. Auch bei mehrmaligem Spielen kommt somit keine Langeweile auf, denn es ergeben sich immer neue Kombinationsmöglichkeiten.

Die meisten RPG-Elemente des Spiels werden über Menüs mit einem Kalender gesteuert, der festlegt, wann und welche Aktionen Ihr ausführen könnt. Abseits davon können wir uns entscheiden, ob wir in die Schlacht ziehen um eine Nebenquest oder Storymission zu absolvieren, oder ob wir das Kloster erkunden, uns ausruhen, ein Seminar abhalten, usw.

Schwierigkeitsgrad

Eines ist unvermeidbar: Früher oder später werdet Ihr auch mal eine Einheit verlieren. Der Tod einer Einheit ist natürlich sehr frustrierend. Besonders, wenn ihr zuvor eine Menge an Zeit in ihren Aufbau investiert habt. Potentiell ist das Ableben einer Einheit endgültig und sie ist damit für euch gänzlich verloren, insofern ihr nicht die ganze Schlacht von neuem startet. Doch an diesem Punkt ist Fire Emblem: Three Houses bedeutend anfängerfreundlicher: Zu Beginn des Spiels könnt Ihr den „permanenten Tod“ eurer Einheiten grundsätzlich ausschalten. Diese Möglichkeit macht das Spielempfinden bedeutend angenehmer und birgt weniger demotivierende Frustmomente.

Zudem bietet uns das Spiel auch eine Art Rückspulfunktion. Wir dürfen vor den Zügen unserer Einheiten diese Funktion nutzen um schlechte oder taktisch falsche Züge zu korrigieren. Klar können wir so auch den permanenten Tod umgehen, aber ist uns einmal ein Charakter ans Herz gewachsen, möchten wir diesen in unserer Truppe auch nicht mehr missen- vor allem, wenn wir in diesen schon viel Zeit investiert haben.

Die  mögliche Auswahl zwischen zwei Spielprinzipen dürfte sowohl Einsteiger als auch alteingesessene Fans glücklich machen: Könner verzichten einfach auf die vereinfachende Maßnahme und dürfen dann fluchen und Switch oder Controller werfen, wie sie lustig sind. Generell bietet das Spiel viele Trainingsmöglichkeiten und Optionen sich hochzuleveln, so dass der Schwierigkeitsgrad langsam ansteigt und man die Chance hat, daran zu wachsen.

Unterstützung

Lasst ihr eure Gruppenmitglieder Feld an Feld in die Schlacht ziehen, so steigt ihre Sympathie zueinander. Nicht nur, dass eure Kampflinie so geschlossener auftritt, nein – die Kämpfer gewinnen so zum Beispiel auch Ausweichboni.

Zwischen einigen Kapiteln bekommt ihr die Gelegenheit zu einem Unterstützungsgespräch. Einerseits sammelt ihr damit natürlich Sympathien, aber andererseits gewinnt ihr dadurch auch Kampfboni hinzu. Schadet ja auch nichts, sich mal bei einer Tasse Tee zusammenzusetzen. Kein Witz- Ihr könnt Euch auch zum Tee verabreden und verschiedene Konversationen führen. Ergibt sich ein nettes Gespräch, bekommen Eure Charaktere mehr Verbundenheit zueinander und die Motivation im Kampf steigt. Selbst in der Kantine kann man entweder mit einem Wahlverbündeten zusammen Kochen, oder aber gemeinsam mit Gruppenmitgliedern dinieren. Alles kann, nichts muss.

Das Kloster Garreg

Zwischen den Schlachten könnt Ihr Euch im Kloster die Zeit vertreiben. Entweder führt Ihr Gespräche mit anderen Studenten, Dozenten und Soldaten, oder Ihr vertreibt Euch die Zeit mit verschiedenen kleinen optionalen Nebenaufgaben, die Euch Erfahrungswerte und auch Ausrüstung oder gute Items bescheren. Wir können im Kloster angeln. Je nach Köderart ist ein dickerer Brocken an unserer Angelleine. Gefangen wird, ganz simpel, wenn wir den A-Knopf im richtigen Moment drücken. Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr auch diverse Hol- und Bringdienste annehmen oder Eure Zeit mit Gärtnern oder zusammen Essen verbringen.

Auf dem Markplatz gibt es verschiedene Verkäufer, die uns ihre Waren anbieten. Hier können wir uns mit Heiltränken, Waffen, Geschenken für andere, Blumen- und Kräutersamen eindecken und auch überflüssige Waren aus unserem Inventar verkaufen. Die Schmiedin kann unsere Waffen reparieren oder aber auch aufwerten. Hier gibt es immer mit barer Münze und entsprechend benötigten Materialien zu bezahlen. Der Markplatz bietet uns auch die Möglichkeit Battallione anzuheuern, die uns im Kampf zur Seite stehen.

Amiibo goes Fire Emblem

Fire Emblem: Three Houses unterstützt auch die Amiibo-Funktion. Im Kloster gibt es einen Amiibo-Pavillion, wo Ihr Eure Amiibo einlesen könnt. Jedes Amiibo spendiert verschiedene Goodies- lest Ihr ein Amiibo der Fire Emblem-Reihe ein, so erscheinen hochwertigere Gegenstände. Lasst Euch überraschen und probiert es aus.

Die Romanzen

Die Romanzen in Fire Emblem: Three Houses haben sich auch einen Absatz verdient. Es gibt insgesamt 35 Charaktere, mit denen Ihr eine Romanze eingehen könnt. Jeder Charakter hat ein breites Spektrum an Persönlichkeit, Kampfkünsten und Erscheinungsbild. Um es vorweg zu nehmen: Ja, gleichgeschlechtliche Romantikoptionen sind gegeben. Um ein S-Ranking zwischen zwei Charakteren herzustellen, müsst Ihr häufig mit ihnen interagieren, sprich in und außerhalb des Schlachtfelds und auch ab und an eine Teestunde mit ihnen verbringen oder Geschenke machen, die dem Charakter gefallen. Three Houses ist insgesamt in drei Spielphasen aufgeteilt. Ich bewege mich hier auf spoilerfreien Grund. In der ersten Phase sind S-Rankings noch nicht möglich, aber es gibt einen Punkt in der Geschichte, an dem sich die Struktur des Spiels ändert. Nach Beendigung der zweiten Phase könnt Ihr dann ran an den Speck. Und nein, Kinder in die Welt setzen ist nicht möglich. Viel Spaß.

Sound und Grafik

Neben einem grandiosen Charakterdesign und dynamischer wirkenden Kampfsequenzen wurde besonders in die Zwischensequenzen viel Mühe investiert. Auf die Fans wurde gehört und die Sprachausgabe findet durchweg im Spiel und nicht nur in den Zwischensequenzen statt. Leider alles nur in Englisch, aber mit deutschen Untertiteln. Three Houses hat mich fasziniert, und das nicht nur im Kontext auf die Anime-Zwischensequenzen, sondern wie die Ingame-Engine auch dieses Feeling im Spiel einfängt. Klar hätte man generell grafisch etwas Politur auftragen lassen können, aber rundherum bin ich zufrieden, da die Stimmung (auch musikalisch) gut vermittelt wird

Fazit

Fire Emblem: Three Houses ist höchst umfangreich, dies sollte aber niemanden abschrecken, denn auch als Neuling kommt Ihr schnell in das Spiel rein. Ihr braucht nicht unbedingt alle Anzeigen und Statuswerte zu studieren, wenn Ihr das nicht wollt. Ihr bekommt alles in einem soften Einstieg beigebracht und ich bin mir sicher, den Rest werdet Ihr spielerisch meistern. Lasst Euch durch die eher schlichte Aufmachung nicht abschrecken. Wer schon die vorherigen Fire Emblem Titel mochte, wird Three Houses überaus lieben. Auch das Interagieren mit anderen Charakteren und die Nebenquests auf dem Schlachtfeld sowie die Klosteraufgaben sind rein optional. Wer direkt in die Schlacht ohne soziale Interaktion will, kann dies auch tun. Ich gebe zu, dass auch mich ab und an die kleinen Botengänge und das Finden und Bringen von verloren gegangenen Gegenständen nervten.

Da wir eine Nadel im Heuhaufen finden müssen, muss ich an der Stelle erwähnen, dass die Grafik zwar besser aussieht als bei den Fire Emblem-Reihen davor, dennoch könnte man hier noch eine Schippe drauf legen und diese aufpolieren. An den großartigen Zwischensequenzen gibt es jedoch nichts zu meckern. Der Bildschirmtext hätte auch etwas größer und somit angenehmer ausfallen dürfen. Klar, eine deutsche Sprachausgabe wäre auch nicht schlecht, aber es sei Euch gesagt, dass viel Liebe und Mühe in die englische Synchro gelegt wurde und das merkt man als Spieler sehr deutlich.

Für Strategie-Veteranen könnte Fire Emblem: Three Houses zu einfach sein. Ich persönlich finde es aber genial, mit meiner kleinen Armee die Gegner einen nach dem anderen plattzumachen. Geschmackssache. Wo wir beim persönlichen Geschmack sind: Die neue Formel mit den anderen Charakteren zu interagieren scheint eine frische Neuerung in der Fire Emblem-Serie zu sein, die viele Spieler lieben. Für meinen Geschmack könnte man sich auch nur rein auf die Kämpfe beschränken, aber hey, just my two cents.

Egal für welches der drei Häuser Ihr Euch entscheidet: Vielschichtige und verschiedene Charaktere erzählen eine liebevoll umgesetzte und spannende Geschichte. Auch die einzelnen Charaktere haben allesamt Ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen und es ist durchaus spannend, wie sich die Charaktere im Laufe der Zeit entwickeln. Das Ganze wird ab und an mit kleinen Zwischensequenzen im Animestil begleitet, die durchaus sehenswert sind. Three Houses hat eine Geschichte, die einen so fasziniert, dass man nicht mehr aufhören kann weiterzuspielen.

Seid gewarnt: Fire Emblem: Three Houses hat einen enorm hohen Suchtfaktor. Der Spielumfang ist riesig und Dank der unzähligen Herausforderungen und Nebenquests, sowie Klosteraktivitäten wird einem nie langweilig und es gibt immer etwas zu tun. Wem das immer noch nicht reicht, kann auch zum Season Pass greifen, der 24,99 Euro zu Buche schlägt und vier Wellen an Inhalten erhalten soll.

Kurz gesagt: Leute, die absolut nichts für rundenbasierte Strategiespiele übrig haben, sollten die Finger von dem Titel lassen. Für alle anderen gilt: Fire Emblem: Three Houses ist absolut empfehlenswert und gehört für mich zu den Must Haves 2019 auf der Nintendo Switch.

9.1

Wertung

9.1/10
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