6. August 2020

Ghost of Tsushima

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Die PS5 klopft förmlich schon an die Tür und Sony präsentiert uns das wahrscheinlich letzte große Spiel für die Konsolengeneration der PlayStation 4. Überall haben wir bereits über den Titel Ghost of Tsushima einiges gehört und unter anderem schöne Screenshots bestaunt. Aber hat das Spiel mehr unter der Haube als nur ein hübsches Äußeres? Ich habe knapp 40 Stunden investiert und teile Euch nun meine Erfahrung mit.

Heute sterbe ich für mein Volk (Die Geschichte)

Im 13. Jahrhundert beginnen die Mongolen ihren Feldzug der Eroberung des Ostens. Sie hinterlassen Chaos, Blut, Terror und zerschlagen ganze Nationen. Die Insel Tsushima stellt sich noch schützend vor die Invasion Japans. Wir schlüpfen in die Rolle des Samurai Jin Sakai, der mit seinem Onkel an der Front Widerstand leistet. Jin überlebt mit Ach und Krach den großen Angriff und schwört, sein Volk zu beschützen und seine Heimat Tsushima vor den Invasoren zu befreien. Jin ist jedes Mittel dafür recht, auch wenn er alte Traditionen brechen und sein Leben aufs Spiel setzen muss…

Tradition (Die Schwertkämpfe)

Nicht nur die grafische Schönheit ist in Ghost of Tsushima gegeben, sondern auch die Natur des Kampfes. Früher war es immer ein Problem gegen mehrere Gegner gleichzeitig zu Kämpfen. Auch heute noch werden Lock-On-Systeme, wo wir Gegner anvisieren und feststellen können nahezu überall genutzt. Ghost of Tsushima macht da vieles anders- wir preschen gegen einen Gegner oder versetzen ihm einen Schlag und schon kümmert sich das Spiel um den Rest. Selbst ein Kampf gegen sieben Gegner wirkt wie ein Tanz. Das Parier- und Ausweichsystem ist unglaublich gut gelungen.

Mit Jin Sakai können wir den Spielstil ganz nach unseren Wünschen anpassen. Jin kann verschiedene Haltungen im Kampf einnehmen, sprich die Kampfpositionen ändern oder auch weiter ausbauen. Es gibt verschiedene Gegnertypen und wir können sehr schnell entsprechend mit einer Haltung reagieren, die besonders effektiv gegenüber den aktuellen Gegner ist. Es gibt neben Bogenschützen vier Gegnertypen: Gegner mit Schild, Speergegner, Schwertkämpfer und richtig dicke Brocken mit meist gut geschützter Rüstung. Später kommen noch andere Varianten dazu, unseren Gegner das Fürchten zu lehren, aber dazu später mehr.

Mut (Die lautlose Tötung)

Möchten wir auf den direkten Angriff verzichten, oder keine Aufmerksamkeit auf uns ziehen, so können wir uns unentdeckt bewegen. Wir nehmen dazu eine gebückte Haltung ein, verstecken uns im hohen Gras, auf Dächern oder Vorsprüngen und üben Attentate aus. Sucht ein Feind nach uns, weil er zum Beispiel einen toten Kameraden bemerkt hat, helfen uns viele Gimmicks um unbeschadet aus der Situation herauszukommen. Zum Beispiel gibt es Rauchbomben, die unser unsere Flucht einfach machen, oder Ablenkungsmanöver wie Böller oder Glöckchen, welche man Werfen kann um den Gegner auf eine falsche Spur zu lenken… aber eine ganze Ecke cooler sind mit Sicherheit die Geistwaffen.

Ehre (Die Geistwaffen)

Es ist nicht immer leicht ein guter Samurai zu sein, der seinen Gegner im Kampf Frontal in die Augen blickt. Es müssen auch andere Wege möglich sein um sein Volk zu schützen und so wandelt sich Jins Einstellung von einem traditionsbewussten, familienehrenden Samurai auf die des gefürchteten Geistes von Tsushima. Ein Geist ist unsichtbar, lautlos und tödlich. Wir können uns im Laufe des Spiels viele Geistwaffen aneignen und auch ausbauen. Die Kunai sind kleine Dolche, die ähnlich wie Ninjasterne fungieren und absolut tödlich und leise geworfen werden. Nicht zu verachten ist auch das Blasrohr, welches wir mit Gift ausstatten können oder mit Halluzinogen, welches die Gegner wahnsinnig werden und sich gegenseitig angreifen lässt.

Jin lernt auch schnell mit Pfeil und Bogen umzugehen, sodass wir einen Kurz- und einen Langbogen mit uns tragen können. Der Kurzbogen ist schneller zu spannen und umfasst im Köcher auch mehrere Pfeile, zudem können wir Brandfeile schießen, die den Gegner förmlich grillen. Der Langbogen hat zwar eine etwas längere Aufladegeschwindigkeit beim Spannen, jedoch verursachen dessen Pfeile mehr Schaden auf größerer Distanz und die Sprengpfeile sorgen für ein explosives Erlebnis. Die Geistwaffen machen Spaß und bringen eine große Variation ins Gameplay. Wie vertreibst du den Feind aus seinem besetzten Gebiet? Es bleibt dir überlassen

Wir sind Samurai (Die Nebenaufgaben)

Unser Hauptcharakter Jin trifft während seiner Geschichte auf viele Menschen, die ihn auf seinem Weg begleiten werden. Jeder wichtige Charakter hat nochmal seine ganz eigene Geschichte vorzuweisen, die man neben der Hauptquest optional erleben kann.

Auch die Einwohner von Tsushima haben viele optionale Geschichten und Aufgaben für uns parat. Manche Geschichten sind überaus spannend, traurig, lustig oder einfach nur interessant, andere sind einfache Hol- und Bringmissionen, oder Missionen, wo wir Menschen anhand der Fußspuren aufspüren oder verfolgen müssen.

Ein weiteres schönes Feature ist, dass das Spiel auf den Windmarker setzt. Das heißt, dass wir unseren aktiven oder gesetzten Marker verfolgen können, ohne ständig auf die Karte gucken zu müssen, oder ein hässlicher Spurassistent uns den Weg weist. Der Wind leitet uns den Weg, schöner hätte man es nicht machen können.

Natürlich darf in einem Open-World-Spiel auch typische Sammelaufgaben nicht fehlen, wie zum Beispiel Artefakte der Mongolen, Grillen finden um dadurch Lieder für Jin’s Flöte (hihi Flöte) zu lernen, Tempel erkunden, Haiku (Gedichte) an entlegenen Orten verfassen, Bambus schneiden oder heiße Quellen finden. Natürlich werden wir entsprechend mit Nützlichem belohnt, wie zum Beispiel Erhöhung der Gesundheit und Ausdauer, Kleidungsstücken oder Talismanen, die uns Statusupgrades einbringen.

Schönheit Tsushima (Grafik)

Neben dem Schlachtfeld gibt es auf der Insel Tsushima auch viel Schönheit zu bewundern. Eine weitläufige Insel, die viele Geheimnisse und wunderschöne Ebenen und Wahrzeichen, sowie Tempel verbirgt. Ghost of Tsushima zog mich von Anfang an in den Bann. Es ist unglaublich und das meine ich nicht nur aus technischer Sicht. Einzelne Blätter, die über den Bildschirm laufen, sonnendurchflutete weitläufige Landschaften, Kirschblüten die im Wind tanzen… die Landschaften, Tempel und versteckten schönen Flecken auf der Insel halten einen immer wieder für Screenshots an. Wundervoll, dass auch an einen Fotomodus gedacht wurde. Bei all der Schönheit habe ich keine größeren Framerate-Einbrüche gemerkt und ich hatte selbst auf meiner alten PS4 der ersten Generation nicht einen einzigen Absturz zu verzeichnen.

Lauf, Bursche!

Streng genommen läuft Ghost of Tsushima immer nach einem gleichen Muster ab: Wir nehmen Aufträge an, reisen mittels Pferd, zu Fuß oder Schnellreise zum Zielort, machen Gegner ausfindig und besiegen sie meist lautlos aus dem Hinterhalt oder auf die harte Tour. Manchmal kommt es einen vor, als wäre man das Mädchen für alles. Abwechslung bringen die wirklich interessant gestalteten Cutscenes, die ein oder andere (ermüdende) Spurensuche, die abenteuerlichen Unterhaltungen mit anderen Charakteren oder die Art des Tötens. Versteht mich nicht falsch, ich habe es sehr genossen die Insel zu bereisen, erkunden, aufzudecken und mich an der malerischen Landschaft zu ergötzen, dennoch fehlt dem Spiel der letzte Kick an Abwechslung.

Der Hut steht dir gut

In Ghost of Tsushima können wir unseren Charakter Jin auch nach eigenen Belieben optisch anpassen. Die neuen Kleidungsstücke sehen nicht nur gut aus, sondern bieten uns auch einige Vorteile. Je nachdem welches Kostüm wir tragen, bietet es uns andere. Wir bekommen erhöhten Nahkampfschaden, werden erst später von Feinden wahrgenommen bzw. entdeckt, können mehr Schaden einstecken oder austeilen, verringern Ladezeiten einzelner Waffen, um hier ein paar Beispiele zu nennen. Einzig die Kopfbedeckungen und Masken bieten uns keinen Effekt, sind jedoch schön anzusehen. Alle Kleidungsstücke sind auch bis zu einem gewissen Grad aufwertbar und farblich variierbar.

Wo wir gerade beim Thema Aufwertungen sind: Jin kann seine Schwerter, Bögen und Fallen auch nochmal bei entsprechenden Schmieden und Händlern aufwerten. Bezahlt wird in sammelbaren Gegenständen, die wir in ganz Tsushima finden, wie zum Beispiel Holz, Bambus, Stahl, Nahrung. Vieles gibt es in der frei erkundbaren Welt zu finden und auch nach Abschluss jeder Quest gibt es nochmal Belohnungen obendrauf, erst recht, wenn Ihr Bonusziele absolviert.

Fazit

Audiovisuell ist Ghost of Tsushima ein echter Brecher, da brauchen wir uns nichts vormachen. Zugegeben, der Anfang des Spiels ist etwas schwerfällig mit begrenzen Moveset, sobald wir aber in den Flow kommen und unsere Fähigkeiten weiter ausbauen, bekommen wir richtig Fahrt und es ist schwer, den Controller aus der Hand zu legen. Das Schöne ist, dass wir nach unserem ganz eigenen Spielstil spielen können. Frontal rein, oder doch lieber heimlich und unentdeckt? Ihr entscheidet.

Außerdem können wir unsere Schwierigkeit variieren und jederzeit im Optionenmenü regeln. Von einfachem Gegnerzermetzeln bis hin zum Souls-artigen Schwertkampf ist alles machbar.

Was meine Freude an dem Spiel etwas trübt ist, dass es hier und da an Abwechslung fehlt. Klar sind die Schwertkämpfe und die Konfrontationen mit dem Feind ziemlich unterhaltsam und halten einen durchweg bei Laune, manche Passagen sind jedoch sehr langgestreckt und man kommt sich vor, als hätte man dasselbe mit leichter Abwandlung schon zig Male davor gemacht. Weitestgehend ist das auch so, man muss selbst wissen, ob diese Schleife etwas für einen ist. Es wäre jedoch nur von Vorteil gewesen, wenn man sich mehr vom repetitiven Sammel- und Spielmechaniken gelöst hätte.

Unter uns: Sucker Punch hat sich mit Sicherheit etwas von Open-World-Games wie Assassin’s Creed, Uncharted und Co. abgeschaut. Gerade die Infiltration der feindlichen Lager erinnert mich sehr stark an das Far Cry-Franchise, auch wenn es mir immer, so auch bei Ghost of Tsushima, sehr viel Spaß bereitet hat.

Zunächst hat man das Gefühl, man spiele eine altmodische Rachegeschichte. Jins Reise zeigt uns aber auch die Geschichte seiner Person, wie er von einem altmodischen und traditionellen Samurai den Weg des Geistes ging und ihn letztendlich verkörpert. Man fühlt mit und lässt auch die Schmerzen der Vergangenheit hinter sich. Es tut gut, sich von alten Dingen abzuwenden und wie ein Phönix aus der Asche in einem neuen Gewand aufzusteigen und zu strahlen. Zumindest hat jeder von uns so ein Gefühl schon mal erlebt und Ghost of Tsushima weiß es gekonnt einzusetzen.

Was ich sehr verwunderlich finde ist, dass der Entwickler Sucker Punch es geschafft hat bei den detailreichen Gebieten und der wunderschönen Grafik die Ladezeiten auf ein Minimum runterzubrechen. Da hat man schon andere Open World Games gesehen, die nach jedem Gebietsabschnitt ordentlich nachladen mussten. Sprich, der Spielfluss und –Spaß verlässt uns nicht.

Ghost of Tsushima ist bedrückend und doch paradiesisch. Blutig und gefährlich und wiederum ruhig und gelassen. Das Spiel ist jedenfalls nichts für Leute, die mal schnell durcheilen wollen, denn wir werden mit der Hauptgeschichte mit den unüberspringbaren Zwischensequenzen und Gesprächen knapp 30 Stunden beschäftigt sein. Möchten wir alles aus dem Spiel rausholen, alle Nebengeschichten abschließen, alles Sammeln, entdecken und erkunden, sind wir unter dem Strich bei rund 50 Spielstunden. Ghost of Tsushima bietet uns also neben der Hauptgeschichte noch eine ganze Ecke mehr Inhalt.

Unter dem Strich bleibt Ghost of Tsushima immerhin eines der optisch schönsten Spiele, die es je gab. Wir sehen ja bekanntermaßen immer die schönsten Spiele gegen Ende einer Konsolengeneration. Sony hat zuletzt mit The Last of Us 2 und Ghost of Tsushima ordentlich abgeliefert, zwei Spiele, die unterschiedlicher nicht sein können, jedoch bieten sie uns ein hochwertiges Erlebnis. Für PlayStation 4 Besitzer der krönende Abschluss.

Ghost of Tsushima

8.5

Wertung

8.5/10

Ghost of Tsushima erscheint exklusiv für die PlayStation 4 am 17. Juli 2020. (Hier bestellen

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