Papa, Du bist so peinlich!

Musstet ihr auch schon einmal was ausbaden, was eigentlich eure Eltern ausgefressen hatten? Der Protagonist in diesem Spiel kann sicher mitfühlen, wenn eure Antwort „Ja, gottverdammt!“ war. Allerdings hat sich sein Vater in einer spätabendlichen Deliriums-Tour durchs All geschossen und sämtliche Sterne zerdeppert. Und Filius darf jetzt allen möglichen Schrott zusammensuchen, um aus diesem Material Sterne und somit wieder ein Firmament zu basteln. Der Vater ist kein Geringerer als der der King Of All Cosmos und der Protagonist sein Sohn, der Prinz. Willkommen bei Katamari Damacy REROLL!

Bandai Namco präsentieren uns mit Katamari Damacy REROLL eine Neuauflage des bereits 2004 auf der PlayStation 2 erschienen Titels Katamari Damacy. Dieses Mal allerdings für die Nintendo Switch und für den Windows-PC. Und genauso wie damals fasziniert Katamari auch Heute mit einer vollkommen wahllosen Story, einem Gameplay, das sich als ein konstanter „What the Fuck“-Moment beschreiben lässt und einem Soundtrack, der auf eine debile Art und Weise das Spielerlebnis untermalt und Ohrwürmer am Stück bietet.

They see me rollin‘

Was genau macht man eigentlich bei Katamari Damacy REROLL, wollt ihr wissen? Die Sache ist schnell erklärt. Man schlüpft in die Rolle des kleinen Prinzen des Kosmos, der mit seinem Katamari, einem Ball, an dem alles.. also alles … also, wirklich ALLES, kleben bleibt, auf der Erde unterwegs ist und versucht, so viele… Sachen.. wie möglich an diesen Ball zu kleben, indem er sie überrollt. Das Ziel eines jeden Levels ist, den Katamari binnen eines gewissen Zeitlimits auf eine vorgegebene Größe wachsen zu lassen. Der Prinz selber ist ein sprichwörtlicher Däumling und somit ist auch sein Katamari zu Beginn so winzig, dass nur Reißzwecken, Radiergummis oder vielleicht auch kleine Kekse daran haften bleiben. Wird der Katamari jedoch größer, so ist er auch in der Lage, größere Objekte an sich zu heften. Und damit beginnt der Spaß bei Katamari Damacy REROLL. Denn wie gesagt, an diesem Ball bleibt alles kleben. Objekte, die zu groß sind, sorgen für Kollisionen, die einige Teile von unserem Ball wieder abfallen lassen. Aber ein paar andere Gegenstände später können wir über die sonst unüberwindbare Barrier einfach drüberrollen und nehmen sie auch gleich mit. Zum Beispiel Teller, Besteck, ganze Sushi-Platten, den Hund, Katzen, Autoreifen, Vögel, Spaten, Kinder, Erwachsene, Parkbänke, Häuser, Schiffe….  Und am Ende nimmt sich Papa dann den angesammelten Plunder und heftet ihn als Stern wieder an den Himmel, um die Folgen seiner Eskapaden zu vertuschen.

Ballkontrolle

Das Spielkonzept an sich hört sich ja nun schon einmal sehr… anders an. Und so könnte man auch die Steuerung beschreiben. Die ist nämlich alles Andere als intuitiv und benötigt Einarbeitung. Hauptsächlich wird mit den Analogsticks gespielt. Drückt man beide Sticks nach vorn, schiebt der Prinz den Ball nach vorne und nimmt Fahrt auf. Das Ziehen eines Analogsticks nach hinten sorgt für eine Kurve in diese Richtung. Sollte man nur einen Stick betätigen, so justiert sich der Prinz an seinem Katamari neu aus. Beide Sticks nach unten legen den Rückwärtsgang ein. Ein Wildes Hoch und Runter beider Sticks sorgt für einen kurzen Geschwindigkeitsschub. Diese Steuerung ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern wird auch noch maßgeblich von den physischen Eigenschaften des Katamari erschwert. Denn je nach Frach fängt dieser mächtig an zu eiern oder ist zu schwer, um vernünftig gelenkt zu werden. Insgesamt erwischt man sich immer wieder dabei, dass man den Katamari eigentlich nur seitwärts bewegt, ständig rückwärts läuft oder die falsche Richtung einschlägt, weil die Lenkung sehr stark gegen jede Gewohnheit geht, die man sich in seinem Leben als Gamer antrainiert hat. Tatsächlich ist, vor Allem zu Anfang des Spiels, eiserne Disziplin beim Steuern Pflicht.

Messi-Kugel

Das Spielerlebnis von Katamari Damacy REROLL ist so einzigartig, wie es nur sein könnte. Spätestens, wenn man zum ersten Mal die flüchtenden Familienmitglieder in seinen Ball aus Farbtöpfen, Tellern, Blumenvasen und Sitzkissen eingerollt hat, weiß man, was bisher in seinem Leben gefehlt hat. Ausprobieren, was man noch alles in den Ball einrollen kann sowie die Planung, wie man effektiv an Größe gewinnt, aber auch das wahllose Überrollen der kompletten Landschaft bescheren einen ungeahnten Spaß. Der debile Humor, der sich dabei zeigt, ist vielleicht nur für Jeden geeigent, aber trifft den Nagel auf den Kopf. Leider bleibt der Ball ab und an mal an einer Ecke stecken, aus der man sich nur durch langwierige Lenkmanöver befreien kann und leider auch einiges an Ladung verliert. Ebenfalls ist der Blickwinkel in einigen Situationen sehr eingeschränkt. Zwar gibt es die Möglichkeit, sich umzusehen oder durch einen Sprung in die Luft Überblick zu verschaffen, aber während dieser Funktionen bleibt die Kugel unbewegt am Boden stehen.

Klangkugel

Die Vertonung von Katamari Damacy REROLL ist mehr als gelungen. Die Sprachausgabe ist ausschließlich japanisch, wird allerdings hervorragend mit deutschen Untertiteln übersetzt. Die Musik ist der tatsächliche Höhepunkt des Spiels. Japanische Swing- und Jazzkompositionen, die sich mit Elektro-Beats abwechseln ergeben eine überraschend stimmige Untermalung. Viele der Lieder sind richtige Ohrwürmer und machen Lust darauf, den Soundtrack auch außerhalb des Spiels laufen zu lassen.

Keine runde Sache

Grafisch kann Katamari Damacy REROLL leider nicht verbergen, dass es schon gute 14 Jahre auf dem Buckel hat. Zwar wurde die Grafik auf moderne Pixelverhältnisse angepasst, allerdings sind die Texturen nicht mitgewachsen. Während dem Spielen fällt dies zuerst nicht wirklich ins Gewicht, allerdings stechen gerade in Nahaufnahmen die dicken Vierecke auf den Texturen sehr ins Auge. Auch die Polygonanzahl der Modelle ist sehr spartanisch gehalten. Dies allerdings ist auch wieder dem generellen Comic-Look des Spiels zuzuschreiben, der wohl auch maßgeblich dazu beiträgt, dass das Spielerlebnis im Wesentlichen ein wenig bizarr aber dennoch lustig ist und nicht durch zu hohen Realismus zu einem Fall für die FSK wird.

Das Runde wird zum Eckigen

Meinen ersten Kontakt mit Katamari hatte ich seinerzeit auf der PSP und schon seit damals fasziniert mich die Spielereihe. Dass diese wahllose Kombination aus Sammel-Puzzle-Zerstör-Spiel, einer vollkommen von jeder Logik gelösten Story und Swing-Musik so gut funktioniert, hätte ich nie geglaubt, bis ich es selber in den Händen hielt. Und genau dieser leicht debile Charme ist es, was Katamari ausmacht und was es auch in der jetzigen Generation für PC und Switch so großartig macht. Ja, es wird Momente geben, in denen man den Controller am Liebsten aus dem Fenster werfen würde, denn die Steuerung ist einfach das komplette Gegenteil von Benutzerfreundlich. Aber die Belohnung ist ein Erlebnis, das sich sowohl wie ein alter Freund im Gedächtnis niederlässt als auch mit aller Gewalt in die Hirnwindungen einbrennt. Eine Prise Wahnsinn, ein Hauch von Taktik und drei Eimer Zerstörungswut, das ergibt Katamari Damacy REROLL! Und es ist großartig! Abzüge in der B-Note gibt’s wegen leichter Frustanfälligkeit und einer nicht mehr ganz zeitgemäßen Grafik.

Wertung

8

Fazit

8.0/10
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