Wenn zwei Entwicklerteams wie id Software (Doom, Quake, Wolfenstein) und Avalanche Studios (Just Cause, Mad Max) aufeinandertreffen, dann ist man natürlich gespannt was dabei raus kommt. So ist Rage 2 genau, wie wir es erwarten: Brutale Action, Explosionen, durchgeknalltes Setting und Personen und ganz viel schnelle Quake-Ballerei. Wir haben Rage 2 ausgiebig gespielt- funktioniert Rage 2, Egoshooter trifft auf Open World, wie wir es uns wünschen? Wir erzählen es Euch im Test.

Story

Nach einem ersten Intro werden wir in die bunte Far Cry New Dawn –ähnliche Welt von Rage 2 geworfen. Wir besitzen eine Pistole und einen Anzug, der uns neue Fähigkeiten und Upgrades erlaubt- natürlich, um uns das Töten einfacher zu machen. Schnell sind wir ein Ranger, benutzen unsere Overdrive-Fähigkeit und mähen alles nieder, was sich uns in den Weg stellt. Overdrive? Ist unser Overdrive mittels Punkte-Multiplikator voll aufgeladen, verlangsamt sich die Umgebung ein paar Sekunden und wir haben es einfacher noch schneller Gegner auszulöschen und noch mehr Punkte einzusacken, ähnlich einer Slow-Motion-Bullet-Time. Das mag zwar sehr plump sein, aber in Rage 2 geht es nun mal darum, alles wegzuhauen um sein Ziel zu erreichen und das macht Rage 2 sehr gut.

Die Story ist simpel: Killt den bösen Oberkommandanten, der Euer Zuhause zerstört hat und nehmt am besten noch möglichst viele Leute vom Regime mit. Ein Asteroid hat 80 Prozent der Erdbevölkerung ausgelöscht, die Zeiten einer Apokalypse sind kein Zuckerschlecken und in der Open World haben sich viele Fraktionen gebildet, die meist mit vielen rekonstruierten technologischen Waffen oder Fahrzeugen ausgestattet sind. Sind sie Euch im Weg, dann macht sie fertig!

Gameplay

Ich gebe es zu. Ich habe mich beim Spielen von Rage 2 von der Geschichte bzw. den Erzählungen der ganzen NPCs gelöst. Die Charaktere, auf die man trifft, sind weitestgehend uninteressant und die Geschichten der Nebenmissionen belanglos. Aber wozu braucht man schon eine tiefe Geschichte mit vielen Metaebenen und Twists, wenn man doch töten, zerschmettern, zermalmen, praktisch alles um sich herum in die Luft jagen und dem Erdboden gleich machen kann? Richtig- gar nicht.

Rage 2 fühlt sich an wie ein großer Abenteuerspielplatz des Zerstörens. Ich hatte meine helle Freude daran, feindbesetzte Bezirke mit völlig übertriebener Härte und Waffengewalt zu befreien. Glaubt ihr nicht? Jagt doch mal eine Tankstelle in die Luft, genießt das Feuerwerk, springt von Dach zu Dach, haut den Gegnern die Rüstungsteile weg, stürzt Euch auf sie und haltet Eure Waffen drauf, bis ihr die letzte Kugel verschossen habt. Ja richtig, kreatives töten kann Spaß machen, ist abwechslungsreich und so wohltuend nach einem anstrengenden Arbeitstag.

Die Nebenmissionen fühlen sich sicherlich so an, als kennt man dies schon aus anderen Spielen. Aber lieber gut kopiert, als schlecht neu kreiert. Wie erwähnt, was interessiert mich das Geschwätz der Leute, nehmt einfach so viele Nebenmissionen an, wie es nur geht, denn Ihr werdet sicherlich an gewissen Flecken einen Halt einlegen um etwas zu looten, leveln oder herumzuballern. Warum nicht gleich noch Kopfgeld dafür kassieren?

Waffen und Fähigkeiten

Was wäre ein Shooter ohne ein breites Waffenarsenal und einem Skilltree? Rage 2 bietet uns genug Abwechslung um die Feinde möglichst kreativ nierderzuschnetzeln und auch unsere Fähigkeiten zu optimieren.

Das Waffenarsenal ist ein bunter Blumenstrauß für alle Shooterfans. Von klassischen Waffen, wie Pistole, Maschinengewehr, Kampfschrotflinte bis hin zu futuristischen Waffen wie Impulskanone, Gravitiations-Pfeilwerfer oder heftiger Hyperkanone fehlt nichts.
Nebenbei dürfen wir noch Handgranaten, oder aber Wingsticks (Boomerangs) tragen, die für eine Menge Spaß im Gefecht sorgen. Alle Wurfobjekte können aus gesammelten Schrott und Materialien, die wir in der Welt finden, gebaut werden.

Es gibt förmlich nichts, was man in Rage 2 nicht hochleveln kann. Zum einen haben wir Archen, die es zu finden gibt. Die Archen sind ein sehr wichtiger Aspekt um das Gameplay noch interessanter zu machen und diese solltet Ihr als erstes aufsuchen. Dort gibt es nicht nur neue Waffen zu finden, zudem können uns dort besondere Fähigkeiten aneignen. Der Vortex hat mir sehr viel Spaß bereitet: Dieser zieht alle Gegner zusammen und lässt diese explodieren. Es gibt auch noch einen Slam, einen Spurt, Gravitationssprung, oder die Defibrillationsfähigkeit zu entdecken, die uns so manches Mal den Arsch rettet, um ein paar Beispiele zu nennen.

Zum anderen gibt es Archetruhen. Archetruhen sind meist an feindlichen Stützpunkten zu finden und nicht weniger interessant, denn diese erlauben Euch Upgrades für die Fähigkeiten und Waffen, die ihr in den Archen findet. Haltet also nach diesen Lagerkisten Ausschau.

Ihr könnt Euch je nach eigenem Geschmack die Fähigkeiten zusammenstellen oder verbessern, indem Ihr Eure verdienten Nanotriten-Punkte entsprechend ausgebt. Mit den Fähigkeiten fühlen wir uns oft sehr mächtig und kombinieren wir geschickt, sind wir fast unbesiegbar. Aber nur fast, dennoch macht uns dieses Gefühl Spaß.

Fahrzeuge

Um uns in der Welt schneller fortbewegen zu können stehen uns verschiedene Fahrzeuge zur Verfügung. Unser Kampf-Buggy ist wohl die beste Auswahl, da wir diesen gegen eine kleine Gebühr zu uns rufen und auch selbstständig reparieren können. Wir dürfen auch mit gesammelten mechanischen Teilen unsere Fahrzeuge zum Beispiel mit Raketenwerfern, oder Rüstungsverstärkungen aufwerten. Unser gepanzerter Buggy mit dem Namen Phoenix, hat seinen eigenen Sinn für Humor und seine KI spricht auch mit uns. Munition können wir bei Händlern in den Städten kaufen. Der Phoenix ist wie eben erwähnt nicht das einzige Fahrzeug, welches in unserer Garage aufbewahrt werden kann. Ob Motorrad, Predator-Panzer, verschiedene Autos, Buggys, alles ist möglich. Wir entscheiden, welches Vehikel am besten zu uns passt. Ich für meinen Teil habe mich auf den Phoenix eingeschossen sowie verbessert und reise nur noch mit eben diesem, obwohl ich auch andere Fahrzeuge ausprobiert habe. Zu guter Letzt muss ich aber auch darauf hinweisen, dass die Fahrzeugsteuerung nicht unbedingt die beste Steuerung vorzuweisen hat. Jeder, der mal den Buggy von Halo gelenkt hat, kann sich vorstellen, wie es sich anfühlt.

Fazit

Sind wir mal ehrlich: Folgen wir rein der Hauptstory, sind wir auch schon in knapp 10 Stunden mit Rage 2 durch. Gott sei Dank gibt es unzählige Nebenmissionen, die wir optional verfolgen können und auch sollten, alleine um uns hochzuleveln und alle Fähigkeiten komplett auszuschöpfen. Ich habe ein Problem mit Rage 2. Es ist mehr ein persönliches Problem, statt das eines objektiven Spieletesters. Wir können in verschiedene Ebenen, Stützpunkten etc. Datenträger und Kisten mit Loot finden- dies wird uns auch in der unteren Bildschirmecke angezeigt. Auch wenn diese sammelbaren Sachen nur optional sind, befiehlt mir mein innerer Monk, alles auf 100% zu finden und zu erspielen. Das Problem wäre ein kleines, wenn die Gegenstände nicht so massiv versteckt wären. So ertappe ich mich, wie ich zum Beispiel in einem Fabrikgelände, welches ich schon von Gegnern gesäubert habe, 15 kostbare Spielminuten mit Absuchen verbringe.

Wollt Ihr mit Rage 2 wirklich Spaß haben, so solltet Ihr unbedingt Eure Kräfte (Overdrive, Waffen, Fähigkeiten) aufleveln und aneignen. Hier schöpft das Spiel sein volles Potenzial aus. Es gibt Spiele wie Boderlands oder Bulletstorm, die möglicherweise in direkter Konkurrenz stehen, dennoch fühlt sich Rage 2 anders an. Die Geschichte ist wirklich nicht der Rede wert und kann man direkt ausklammern, auch die NPCs sind leider viel zu nichtssagend und langatmig. Die Fahrzeuge dienen meistens nur dem Zweck von A nach B zu kommen. Auch wenn vieles in Rage 2 überzeugt, kann es nicht seine recht lahme offene Welt verbergen und mindert somit seine Lebensdauer. Rage 2 ist nicht schlecht, auch kein „großes Spiel“, aber dennoch zufriedenstellend.

Rage 2 eignet sich als perfektes Spiel um „herumzuspielen“. Nimmt man vieles nicht so ernst, wie es eigentlich gedacht ist, bietet sich uns ein bunter Open World Abenteuerspielplatz. Ich bin mir sicher, dass bei Euch Shooterfans ein kleines Ründchen Rage 2 immer mal wieder geht. Zerplatzende Köpfe nach erfolgreichen Headshots geben nun mal ein befriedigendes Gefühl.

Kurz zusammengefasst: Das Gunplay in Rage 2 macht extrem viel Spaß. Schnelle Action und die Munition auf die Gegner rotzen, wo es nur geht bis die Körperteile nur so fliegen und Platzen. Genial. Man merkt direkt den Einfluss in Sachen Gameplay von id Software. Den Open World Aspekt hätte Rage 2 nicht gebraucht, denn dieser bremst den Spielfluss ziemlich aus und man hält sich an unsinnigen Sachen auf. Es wurde viel gewollt, man möchte dem Spieler viel bieten, dennoch hätte eine schlauchige Welt Rage 2 extrem gut getan um die Schnelligkeit des Spiels zu halten und ich denke, niemand hätte eine offene Welt vermisst.  Wenn wir uns also für Rage 2 entscheiden bekommen wir verschiedene Spiele der Entwickler in ein Spiel gepresst. Wen das nicht stört und auf knallbunte Doom-Ballerei im Mad Max- und Borderlands-Versum steht greift gefahrlos zu.

Wertung

7.3

Wertung

7.3/10
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