24. Januar 2019

Tales of Vesperia: Definitive Edition

By 0 122 Views

Was lange währt…

Keine Invasion aus einem fernen Königreich, keine Bedrohung aus einer anderen Welt, kein machthungriger Zauberer, noch das uralte Böse, das seit Generationen unter der Erde schlummert… nein, genaugenommen ein Abwasserproblem ist der Auslöser für eine sehr ungewöhnliche Reise, die unsere Helden in Namco Bandai’s Titel Tales of Vesperia – Definitive Edition auf sich nehmen.

Wer jetzt sagt: „Moment, das kenne ich aber!“, hat Recht. Tales of Vesperia erschien bereits im August 2008 in Europa für Xbox 360. Und zehn Jahre nach dieser Veröffentlichung und einer lebhaften Geschichte, sowie dem Erreichen einer massiven Fan-Basis, bescheren uns Namco Bandai mit der Definitive Edition für PC, PS4, Xbox One und Switch eine Neuauflage, die es tatsächlich in sich hat. Eine alte Kamelle ist das Game nämlich auf gar keinen Fall. Für unseren Test haben wir uns die Playstation 4-Version näher angeschaut.

Lasst mich eine Geschichte erzählen…

Um ganz zu verstehen, worum es sich bei der Definitive Edition handelt, müssen wir eine kleine Zeitreise anstellen. Und zwar ins Jahr 2009. Genaugenommen im September dieses Jahres wurde in Japan, und leider auch nur genau dort, eine weitere Version von Tales of Vesperia für die Playstation 3 veröffentlicht. Für diese Version legte sich Bandai Namco noch einmal richtig ins Zeug und fügte neben einer erweiterten Storyline auch neue Zwischensequenzen, spielbare Charaktere, neue Items, Skills und Monster ins Spiel ein. Leider blieb diese Version für Japan exklusiv, auch wenn es mehrere Petitionen von westlichen Fans der Serie gab und sogar von Fans übersetzte, gehackte Versionen im Internet kursierten, die auf gemoddeten/umgebauten PS3-Systemen abgespielt werden konnten. Doch wurden diese Rufe nicht erhört… bis Jetzt. Tales of Vesperia – Definitive Edition beinhaltet alle Inhalte aus der exklusiven Version und vollständig synchronisierte Versionen der Zwischensequenzen und Dialoge.

Klempner aus Leidenschaft

Auf der Welt Terca Lumireis wimmelt es nur so von allerlei Getier, groß und klein, das im Volksmund als „Monster“ bezeichnet wird. Auf anderen Welten würde man dazu „Flora und Fauna“ sagen. Leider scheint sich die komplette Pflanzen- und Tierwelt gegen die menschlichen Bewohner verschworen zu haben und somit leben diese in einzelnen Städten. Schutz bieten ihnen hierbei die sogenannten Blastia, von einer uralten Zivilisation erbaute Maschinen. Die Blastia generieren nicht nur einen magischen Schild um die Städte, sondern dienen auch der Regulierung von Wasserfluss, Licht, Kampfausrüstung, eben alles läuft hier mit Blastia.

Ausgerechnet im Unteren Viertel der Stadt Zaphia kommt nun ein gieriger Tunichtgut auf die Idee, den Kern des Wasser-Blastia zu stehlen und damit für eine katastrophale Überschwemmung zu sorgen. Yuri, Held unserer Geschichte, sieht das als Anlass, für Rabatz im Adelsviertel zu sorgen, in das der Dieb wohl geflohen ist. Und damit nimmt eine epische Geschichte ihren Lauf…

Wie in alten Zeiten

Man merkt Tales of Vesperia sofort sein Alter an. Und das ist keinesfalls negativ gemeint.  Bereits das Intro mit Ohrwurm-Titelsong, welches einige Animes alt aussehen lässt, sorgt für eine wohlige Nostalgie und man fühlt sich sofort zu Hause. Das typische JRPG-Feeling setzt ein und man weiß, was man da so lange vermisst hat.

Das Tutorial fügt sich sehr gut in das Spielgeschehen ein, die wichtigsten Funktionen werden ausführlich erklärt und vorgestellt. Was zu allererst ins Auge fällt, ist natürlich das Kampfsystem. Ungleich vielen anderen Vertretern des Genres setzt Tales of Vesperia hier nicht auf einen Rundenmodus, sondern einen Echtzeit-Kampf. Der Spieler steuert einen Charakter der Party, zwischen denen frei hin- und herzuwechseln möglich ist, in einem begrenzten Kampfbereich. Springen, Blocken und Ausmanövrieren ermöglichen somit taktische Tiefe, können allerdings auch sehr verwirrend sein. Statisch auf einem Fleck zu stehen, wie man es aus anderen RPGs gewohnt ist, führt nicht immer zum Erfolg, genauso wenig wie hektisch Hin- und Herrennen. Ein Treffer verlangsamt, betäubt oder wirft einen Charakter sogar um, allerdings geht es den Gegnern da nicht anders. Eingesetzte Items benötigen einige Sekunden, bis sie wirken und der Charakter ist in dieser Zeit nicht in der Lage, andere Aktionen auszuführen. Auf der Haben-Seite verbucht das Kampfsystem ebenfalls Combo-Moves, bei denen mehrere Charaktere eine gemeinsame Spezialattacke ausführen. Und dass diese Attacken mit extrem epischen Zwischensequenzen, Effektfeuerwerk und drölf Millionen Schaden aufwarten, versteht sich wohl von selbst. JPRG vom Allerfeinsten!

Das Skill- und Levelsystem basiert auf den Waffen, die die Charaktere nutzen. Fast jede Waffe hat eine oder mehrere Fähigkeiten, die die Fähigkeiten repräsentieren, die auch von den Charakteren gelernt werden können. Sowohl die gelernten Fähigkeiten als auch die Fähigkeiten der Waffe sind hierbei nutzbar. Allerdings kann ein Charakter nur eine begrenzte Anzahl Fähigkeiten lernen, was Abstimmen zwischen den verschiedenen Fähigkeiten und der eigenen Spielweise notwendig macht. Skills gestatten dem Charakter weiterhin sogenannte Skill-Symbole, die die Stärke von Spezialattacken beeinflusst.

Apropos Charaktere, hiervon gibt es auch eine ganze Menge! Neben dem Held Yuri und seinem Pfeife rauchenden Hund Repede gesellen sich rasch weitere, sehr liebevoll gestaltete Charaktere, von denen insgesamt vier in der aktiven Party sein können. In die Riege der bisher acht Helden reihen sich mit der Definitive Edition zwei weitere Mitstreiter ein: Yuri’s alter FreundFlynn Scifo, der bisher nur als NPC im Spiel vorkam und Patty Fleur, ein kleines Mädchen, das am Liebsten Piratin wäre und sich dementsprechend auch so kleidet. Oder ist an ihren Geschichten etwas dran und ist sie tatsächlich mit einer Piratenlegende verwandt…?

Auf die Ohren, auf die Augen!

Akustisch lässt sich Tales of Vesperia nicht lumpen und präsentiert genau den richtigen JPRG-Mix aus musikalischer Untermalung. Während orchestrale, harmonische Musik die Außenwelten begleitet und düstere Klänge Dungeons und andere gefährliche Orte erfüllen, schreddern im Kampf Synthi-Gitarren um die Wette und feuern die Action weiter an. Die Synchronisation der Charaktere ist zum großen Teil hervorragend umgesetzt, doch gerade die neuen Inhalte sind hier der Knackpunkt. Für die neuen Dialoge und Sequenzen wurden größtenteils neue Sprecher engagiert, deren Stimmen einfach nicht mit denen der Originalbesetzung übereinstimmen, auch wenn sie sich merklich die größte Mühe geben. Allen voran Genre-Ikone Troy Baker, der Yuri seine Stimme verlieh, wurde laut eigener Angabe nicht einmal angefragt, obwohl Zeit als auch Lust vorhanden gewesen wären. Verstehe einer die Welt. Doch auch ohne das Hintergrundwissen hört man die Unterschiede deutlich heraus und es hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Visuell wurde einiges an der alten Engine geschraubt und kann absolut überzeugen. Die Celshading-Grafik präsentiert sich butterweich und mit gestochen scharfen Texturen bei 1080p und 60 FPS auf einer PS4 der ersten Generation. Was will man mehr?

Unterm Strich

Wer wie ich mit Final Fantasy und den Spielen der Mana-Serie groß geworden ist, der wird sich bei dieser (nicht ganz) Neuauflage von Tales of Vesperia so richtig zu Hause fühlen und wird das Spiel ohnehin schon längst auf der Plattform der Wahl suchten. Allen anderen Interessierten sei diese Perle des japanischen Rollenspiels wärmstes empfohlen und ans Herz gelegt. Für schlappe 40 Talerchen könnt ihr hier ein Spiel erwerben, wie es in der jetzigen Spielelandschaft einfach nicht mehr zu finden ist. Sympathische Charaktere, Spannung, familientauglicher Humor (was nicht unerheblich für den nächsten Punkt ist) und die Möglichkeit, mit bis zu 4 Spielern ein Rollenspiel im epischen Ausmaß zu erleben! (Ich hab‘s gesagt, nicht unerheblich!). Den investierten Fan mögen die Ungereimtheiten in der Synchronisation und eventuelle kleine Plotlöcher aufgrund der neuen Charaktere vielleicht abschrecken, aber dem gesamten Spielerlebnis tut dies nicht weiter weh. Tales of Vesperia – Definitive Edition ist definitiv eine Perle, mit der man viele Stunden Abenteuer, Nostalgie und Nächte mit zu wenig Schlaf verbringen kann. Nicht nur alleine. Beim Zocken. Also bitte.

Wertung

8

Wertung

8.0/10
  Review
Next Post

Resident Evil 2 Remake im Test

31. Januar 2019 0
Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere