14. Juli 2020

The Last of Us Part II

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Voller Spannung wurde der Nachfolger von The Last of Us, welcher die Messlatte ziemlich weit hoch gelegt hat, erwartet. Ich spielte The Last of Us Part II durch- langes Gesicht oder doch begeistert, das erfahrt ihr in meinem Test.

Geschichte

Ellie und Joel haben sich, nach ihrer fünfjährigen Reise durch die USA nach der Pandemie, in Jackson (Wyoming) einer blühenden Gemeinschaft angeschlossen und besiedeln in vermeintlicher Ruhe und Frieden ein Stück Land. The Last of Us Part II beginnt mit einer Zusammenfassung des Endes des ersten Teils- es fühlt sich also wie eine echte Fortsetzung an. Die Infizierten sind immer noch zu Gange und wandern rast- und ruhelos durch das Land. Jedoch kommt die Bedrohung nicht nur durch die Infizierten, sondern auch von außen durch andere Menschen in ganz anderen Organisationen und Gruppierungen. Der Frieden wird durch ein tragisches Ereignis gestört und Ellies Welt bricht in sich zusammen. Sie wird von nun an keine Ruhe finden, bis sie jede der Verantwortlichen aufgespürt und sich gerächt hat. Ein Last of Us wäre jedoch kein Last of Us, wenn sich nicht eine Menge Schwierigkeiten in den Weg stellen und unvorhersehbare Wendungen eintreten würden…

Das Erzähltempo ist, wie aus dem Vorgänger gewohnt, an vielen Stellen langsam erzählt um eine Stimmung aufzubauen oder um sich Zeit zu lassen, die Charaktere und das Geschehen um sie herum näher zu beleuchten.

Die beiden Hauptcharaktere des Spiels vermitteln uns als Spieler immer die Zwei Seiten einer Medaille. Das Verstehen von verschiedenen Sichtweisen und das Kennenlernen der Charaktere gehören zum spielerischen und auch emotionalen Lernprozess dazu. Naughty Dog schafft glaubhaft den Spagat zwischen zwei Geschichten- und man fühlt sich oftmals innerlich hin- und hergerissen ob so manche (Rache-)Tat gerechtfertigt ist. Nachvollziehbar ist alles, nur aus einer anderen Perspektive. Zwei Welten werden in einer verschmolzen, aber nicht nur das macht das Spiel so genial und überaus spannend.

Gameplay

Wie ihr euch euren Weg durch das Geschehen bahnt bleibt dabei euch selbst überlassen. Schleicht ihr euch taktisch an den Infizierten vorbei, oder tötet ihr sie (bestenfalls lautlos) um noch ein paar wichtige Gegenstände wie Waffen, Munition oder Herstellungsmaterial abzugreifen? Ich selbst habe immer versucht möglichst lautlos und schleichend voranzukommen und auch Munition zu sparen. Es hat richtig viel Spaß gemacht, seinen Gegnern hinterrücks die Lichter auszuknipsen oder falsche Fährten zu legen. Solltet ihr dennoch in den direkten Nahkampf gehen, macht das Spiel es euch leicht, da das System sehr ausweichlastig und dennoch effektiv ist. Manche Szenen und Aktionen bestehen aus simplen Quick Time Events, kennt man bereits von Naughty Dog, ist aber nicht weiter tragisch. Alle Wege führen nach Rom- wählt das Vorgehen, welches ihr für richtig haltet.

The Last of Us Part II suggeriert uns eine offene Welt, ist jedoch aus verschiedenen Sandbox-Zonen errichtet. Wir fühlen uns beim Spielen trotzdem sehr frei, da die Welt sehr detailliert, lebendig und in einem liebevoll gestalteten postapokalyptischen Setting erschaffen wurde. Jede Zone fühlt sich wie ein neuer Spielplatz an, den es zu erkunden gilt. Kleiner Tipp am Rande: Habt Ihr die Geschichte beendet, könnt Ihr in der Galerie Inhalte wie zum Beispiel Konzeptzeichnungen oder Charaktermodelle freischalten. Macht das unbedingt- viele Settings werdet ihr wie ein Postkartenmotiv noch lange in Erinnerung behalten.

Auch wenn das Spiel das Rad im Genre der Survival-Action-Adventure-Spiele nicht neu erfindet, ist es für mich dennoch in Ordnung, dass es im Gameplay im direkten Vergleich zum Vorgänger keine Neuerungen gibt. The Last of Us ist auch ein charakterbezogenes Spiel.

Klar gibt es auch Passagen, die etwas vorhersehbar oder nervig sind. Das sind meist die Parts, wo Türen (oh wie verwunderlich) geschlossen bleiben und man einen optionalen Weg finden muss. Wenn es plötzlich ganz still wird und man zudem seine Fähigkeit nicht nutzen kann, Feinde durch Wände zu „spüren“, sollte man nicht sonderlich überrascht sein, wenn ein Infizierter uns alsbald anspringt. Anmerkung: Trotzdem haben bei mir alle Jumpscares gezündet und ich habe mir mit meinen Kopfhörern auf schon das ein oder andere Mal beinahe in die Hose gemacht. Apropos Feinde: Mir gefällt, wie die menschlichen Gegner nun untereinander agieren und sich ansprechen oder nach dem Rechten schauen- auch die Clicker und viele andere Typen von Infizierten haben ihren Reiz nicht verloren und bringen einem des Blut immer noch zum Gefrieren, besonders, wenn man sich in dunklen Krankenhausetagen, Kellern oder alte Lagerhallen und zusammengefallenen Häusern herumtreibt. Brr…

Sammeln und verrammeln

TLoU 2 setzt das Craften geschickt ein. In einer Welt, wo Ressourcen knapp und der Überlebensdrang groß ist, sollte man nehmen was man bekommt. Wir haben verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Auswahl, die wir nach Belieben hoch- oder herunterschrauben können. Je nachdem steht uns zum Beispiel mehr oder weniger Munition oder Material zur Verfügung. Auch die Feinde passen sich der gewählten Schwierigkeit an. Eine Munitionsbegrenzung geht im Sinne der Thematik voll klar, jedoch ist es sehr mühsam seine Fähigkeiten weiter auszubauen, da zum Beispiel Bauteile für Waffenerweiterungen oder Tabletten für die Skills nicht ausreichen und rar gesät sind. Wollt ihr das Spiel zu 100% komplettieren, dann müsst ihr wohl einen zweiten Durchlauf wagen. Im New Game+ dürft ihr zumindest eure Ausstattung behalten.

Grafik

Seit 2013 hat sich einiges getan. Auf unserer PS3 sah der erste Teil ja schon wahnsinnig gut aus, aber was aus meiner alten PS4 herausgeholt wurde toppt nochmal alles. Das Zusammenspiel aus Licht und Schatten ist astrein in Szene gesetzt. Wie wundervoll kann ein postapokalyptisches Setting nur aussehen? The Last of Us 2 zeigt es euch. Wenn ihr bereits über die Schönheit von sogenannten Lost Places etwas übrig habt, werdet ihr verzaubert sein. Wenn dann noch das abendliche Rot der Sonne das Land in warme Töne und Sonnenstrahlen taucht ist man einfach nur noch begeistert. Naughty Dog schafft es durchweg lebendige Welten darzustellen. Die Landschaften, Flüsse und architektonischen Werke halten einen immer wieder für Screenshots an.

Auch die Charaktere nehmen uns mit ihrer Mimik und Körperhaltung emotional mit. Technisch wurde hier vieles auf ein Niveau der absoluten Spitzenklasse gehoben. Man lernt die Eigenarten der Hauptfiguren kennen und auch deuten. Der Detailgrad des Spiels ist enorm hoch. Die Charaktere wirken extrem menschlich. Ist Ellie gut drauf, ist sie wütend, traurig, euphorisch? Die greifbaren menschlichen Empfindungen erlebt man selten in Videospielen. Wenn Ellie da steht und sich die Hand auf die verwundete Hüfte presst, wenn sie in kalten Ebenen anfängt zu frieren… Kleine Details und Gesten lassen vieles echt wirken. Auch die Kamera verweilt an manchen Stellen der Zwischensequenzen und fängt so sensibel genug Emotionen ein.

Gewalt

Die explizierte Gewaltdarstellung könnte eventuell dem einen oder anderen Spieler auch nicht schmecken. Ich hingegen fand die Darstellung dennoch authentisch und an vielen Stellen genoss ich es einfach, meinem Feind oder Infizierten das Hirn aus dem Schädel zu kloppen. TLoU 2 trägt den 18er Flatschen nicht zu Unrecht, aber sind wir mal ehrlich: Wir sind doch bereits mit Zombiefilmen oder Serien wie The Walking Dead so einiges gewohnt, oder?

The Last of Us Part II und die besorgten Gamer

Ehrlich gesagt wollte ich in meiner Review dieses Thema knicken, dennoch finde ich es ziemlich erwähnenswert und möchte das aus persönlichen Gründen nicht unter den Tisch fallen lassen. Was zur Hölle muss falsch mit einem laufen, dass das Thema der Homosexualität dennoch so dermaßen neu zu sein scheint? Ellie ist lesbisch- oh wow, wie verwunderlich. Wer bereits den DLC zu The Last of Us (Left behind) gespielt hat, weiß das bereits. Mir persönlich ist das so ziemlich wumpe, ob ein Charakter schwul, lesbisch, bi oder sonst was ist. Obwohl- ein schwuler Hauptcharakter hätte mal Balls of Steel. Solange eine Geschichte authentisch erzählt und vermittelt wird ist von dieser Hinsicht alles OK. Wenn man ein Problem mit Homosexualität oder Diversität hat, dann sollte man dieses auch für sich behalten. Anscheinend passen solche nicht-heterosexuellen Charaktere nicht in das persönliche Rollenbild und der Spieler weigert sich somit, sich mit der Thematik auseinander zu setzen. Schade. 1933 hat angerufen, es möchte seine Weltanschauung zurück.

Darum ist es auch schier unverständlich, warum ein Spiel, welches ganze sieben Jahre in Entwicklung war, dermaßen auf Metacritic von der sogenannten Spielerschaft (besorgte Gamer) downgevotet wird. Wenn man sowas sieht, schäme ich mich „Gamer“ zu sein. Ich selbst bewerte ein Spiel anhand des Spaßfaktors, der Geschichte, des Gameplays, der Spieldauer, des Wiederspielwerts- eine einfache Preis-Leistungsrechnung. Ich bin kein Fan davon einem Spiel absichtlich ein schlechtes Rating zu geben und schon gar nicht ohne Begründung. Wenn die Begründung einer Negativbewertung oder Punktabzug daran liegt, dass ein Charakter homosexuell oder Transgender ist und sich mit dem Thema Diskriminierung auseinandersetzt, dann, ja dann ist man einfach nur ein Arschloch.

Schlimmer noch: Morddrohungen und Online-Petitionen, die fordern, dass die Geschichte umgeschrieben wird, da sie den Spielern nicht passt oder sie einfach damit überfordert sind. Zudem unterstellt man Naughty Dog noch, dass sie die Geschichte, aufgrund aktueller Themen, wie zum Beispiel Feminismus, angepasst haben. Der Entwicklungschef Neil Druckmann und die Schauspielerin Laura Bailey veröffentlichen auf Twitter ein paar Auszüge von homophoben und antisemitischen Nachrichten, die sie bekommen haben. Mir fehlen die Worte.

Fun Fact: The Last of Us 2, das Spiel mit einer lesbischen Hauptdarstellerin, hat sich 4 Millionen Mal in den ersten Tagen verkauft und ist zudem in der Launch-Woche Sonys am schnellsten verkauftes Spiel dieser Konsolengeneration und überholte sogar Uncharted. In der echten Welt sind somit, Gott sei Dank, diese Internet-Rants völlig bedeutungslos.

Fazit

Wie schon bereits geschrieben bin ich mit der Geschichte, den Charakteren und der wundervollen Inszenierung sehr glücklich. Was The Last Of Us Part II so interessant gemacht hat, waren weder die actiongeladenen Szenen, die explizite Darstellung der Gewalt, noch ein rasantes Erzähltempo. Die Geschichte hat uns vielmehr gefesselt, weil sie sich Zeit nahm, uns die Charaktere in all ihren Facetten vertraut zu machen und wir somit unweigerlich emotional in das Geschehen involviert waren. Naughty Dog legt somit auch neben der Geschichte Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen.

Wenn mir etwas an The Last of Us Part II nicht gefallen hat, dann sind es gewisse Situationen indem man hineingezwungen wird oder ein paar Triggermomente die man unumgänglich auslösen muss um spielerisch weiterzukommen. Meine Kritik schlägt trotzdem unter dem Strich nicht hart ins Gericht, somit sind diese Parts zu verschmerzen, da man später wieder an anderen Stellen Highlights erlebt und entlohnt wird. Die Rätsel- und Kletterpassagen sind nicht besonders knifflig, die actiongeladenen Schusspassagen mit eigener Munitionsknappheit fordern uns hingegen mehr.

Es ist meines Erachtens sehr wichtig, dass sich Spiele, vor allem in der Größe mit gewissen gesellschaftlichen Themen auseinander setzen. Alleine um auch ein Zeichen zu setzen. Hut ab davor, Naughty Dog. Das wünsche ich mir in Zukunft von so manch anderen AAA-Spiel.

Lasst euch von den Stimmen im Netz nicht mitreißen und lasst euch auf ein Spiel ein, in dem viel Liebe, Zeit und Herzblut seitens der Entwickler drinsteckt. Ansonsten gilt: Urteilt nicht über etwas, was man noch nicht selbst gesehen, gespielt oder genutzt habt. Klar dürft ihr euch Spieletests, so wie diesen hier, vor Kaufentscheidung durchlesen, dennoch: Differenziert von welcher Quelle eine Meinung ausgeht. Wie auch immer die Kritiken sonst ausfallen mögen- ich möchte die Erfahrung, dieses Game gespielt zu haben nicht missen!

The Last of Us Part II ist sicherlich das krönende Highlight der Konsolengeneration PS4. Der Rachetrip mit Ellie ist wunderbar inszeniert und, obwohl vieles in einer komplett unaufgeregten Erzählweise dahinschreitet, absolut fesselnd. Das Spiel ist wie der thematisierte Virus ansteckend und so spielte ich mich von Kapitel zu Kapitel, ähnlich einer Serie, die man nicht pausieren möchte, da man wissen will, wie es weitergeht. Sind wir einmal in der Geschichte abgetaucht, lässt uns das Spiel nicht mehr in Ruhe. In The Last of Us Part II geht es um Liebe, Rache, Wut, Trauer, Aufopferung und Selbstfindung. Ob wir mit den Konsequenzen unserer Handlungen leben können? Findet es heraus- ich habe jede Minute genossen. Ein sicherer Kandidat für die Top Ten Spiele des Jahres 2020.

The Last of Us Part II

9.3

Wertung

9.3/10
  Review
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