15. September 2018

The Long Dark

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Lange Zeit war es still um The Long Dark. Vor gut einem Jahr brachte Hinterland Games zwei der geplanten fünf Episoden von „Wintermute“, dem Storymodus heraus. Seither warten wir ungeduldig darauf, wie es weitergeht. Und endlich: Im Dezember 2018 erscheint die dritte Episode! Doch zuvor veröffentlichen die Entwickler eine Redux-Version der ersten beiden Episoden sowie eine Retail-Version von The Long Dark. Aus gegebenem Anlass habe ich mich auf der Xbox One in den Kampf ums nackte Überleben in der eisigen Apokalypse von The Long Dark gestürzt.

Die Handlung von Wintermute

The Long Dark spielt in der eisigen Wildnis von Kanada. In Episode 1 „Do not go gentle“ und Episode 2 „Luminance Fugue“ spielen wir aus der Sicht von Will Mackenzie. Eines stürmischen Tages steht seine Ex-Frau Astrid vor seiner Tür. Sie bittet ihn darum, sie und einen geheimnisvollen Koffer in eine abgelegene Gegend zu fliegen  – und das ohne Fragen zu stellen. Geleitet von den offenbar noch vorhandenen Gefühlen zwischen den beiden, willigt Mackenzie ein. Der Flug ist holprig, der heftige Schneesturm erschwert die Sicht. Zu allem Überfluss erstrahlt dann auch noch ein grelles Licht, die Elektronik fällt aus und das Flugzeug stürzt ab. Das Spiel beginnt, als Mackenzie neben den Überresten des Flugzeugs in der eisigen Schneelandschaft erwacht. Verletzt und verwirrt. Was ist geschehen? Wo ist Astrid? Lebt sie noch? In der First-Person-Perspektive gilt es, genau das herauszufinden. Und vor allem: Zu überleben!

Unterkühlung und Hungertod mit malerischer Eislandschaft

Und das mit dem Überleben gestaltet sich ziemlich schwer. Ein kleines Tutorial zu Beginn lässt erahnen, wie komplex das Spiel noch wird. Neben Hunger, Durst, Müdigkeit, Kälte, Gesundheit müssen auch die Ressourcen sinnvoll eingeteilt werden. Nach unserer Bruchlandung müssen wir aber zunächst einmal unsere Verletzungen versorgen. Je nach Art der Leiden führt ein anderer Weg zur Genesung. Offene Wunden müssen mit Antiseptikum versorgt und verbunden werden. Mit einem geprellten Bein lässt sich nicht sprinten und wir brauchen viel Ruhe. Auch das Humpeln wird durch schwenkende Kamerabewegungen simuliert. Wenn wir Pech haben und keine Medikamente auf dem Boden, in verlassenen Autos oder Häusern finden, müssen wir eben selbst welche herstellen.

Apropos etwas herstellen: Alles, was wir tun, verbraucht Zeit, Energie und Kalorien. Es gilt also, mit allem zu haushalten. Auch mit unserem Inventar. Denn jedes Item, das wir finden, hat eine ganz eigene Verbrauchsanzeige. Essen wird schlecht, Kleidung nutzt sich ab. Das Essen kann dann nicht mehr gefahrlos verzehrt werden, die Kleidung muss ausgewechselt oder mit Stoff und Nähzeug repariert werden. Unsere Kleidung wird zudem bei langen Aufenthalten im Schnee nass und hält uns entsprechend nicht mehr richtig warm. Dann gilt es, ein Feuer zu machen und die Kleidung abzulegen, um sie zu trocknen. Obwohl wir einiges an Material finden, dürfen wir unseren Rucksack außerdem nicht zu voll packen. Wenn er zu schwer ist, werden wir schneller müde und sind außerdem lauter. Dadurch locken wir wilde Tiere an.

Kulinarische Küche bei gemütlichem Lagerfeuer

Wenn man nicht gerade das Glück hat, ein verlassenes Haus samt Bett zu finden, muss man es sich in der Wildnis möglichst warm und bequem machen. Idealerweise findet man dazu wenigstens eine Höhle. Wenn man aber komplettes Pech hat, muss man sich wenigstens eine windgeschützte Ecke suchen, um das Lager aufschlagen zu können. Ohne Feuer geht das selbstverständlich nicht. Trotz Schlafsack erwachen wir sonst unterkühlt. Für das Lagerfeuer bedarf es Anzünder und natürlich Brennstoff. Egal, ob Stöcke, Bücher oder Zeitungspapier – alles, was brennt, können wir verballern. Dabei brennen Bücher beispielsweise länger als Papier. Je nachdem, welche Anzünder wir benutzen, kann es außerdem sein, dass der Funke nicht so recht überspringen will und wir es erneut versuchen müssen.

Brennt das Feuer endlich, können wir uns nicht nur aufwärmen. In Dosen oder Kochtöpfen können wir Schnee schmelzen und abkochen, um Trinkwasser zu gewinnen. Wasser, das nicht abgekocht oder mit Reinigungstabletten gesäubert wurde, kann uns nämlich krank machen. Auch heilsame Kräutertees und Dosenfutter kann am gemütlichen Feuerchen erwärmt werden. Rohes Fleisch können wir hier garen und damit essbar und länger haltbar machen. Um an Fleisch zu kommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Natürlich könnte man die Tiere selbst erlegen. Allerdings bräuchten wir dafür auch erst einmal eine Waffe. Einfacher ist es, Tierkadaver mithilfe von Krähen zu finden. Das Problem: Rohes Fleisch lockt auch Wölfe an. Und die können uns verdammt gefährlich werden. Wenn wir uns nicht wie genug entfernen, schleichen oder uns verstecken, greifen sie uns gerne an. Dann hilft nur eine Fackel, um sie zu verscheuchen oder verzweifeltes Kämpfen. Und dabei können sowohl unsere Kleidung als auch unsere Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen werden.

Melancholische Eislandschaft und nervige Wölfe

Wie angriffslustig die Wölfe sind, lässt sich glücklicherweise zu Beginn mit der Auswahl des Schwierigkeitsgrades einstellen. Obwohl ich die einfachste Stufe gewählt habe, bei der Wölfe nur angreifen sollen, wenn sie provoziert werden, wurde ich dann doch einige Male verfolgt. An sich finde ich das gar nicht so schlimm. Das soll eben das Leben in der eisigen Wildnis noch einen Hauch spannender machen. Nervig wurde es allerdings, wenn ich mit Fackeln warf, um den Wolf zu vertreiben und er sofort wieder kam und mir damit dauerhaft den Weg versperrte, den ich eigentlich gehen musste.

Die Steuerung auf der Xbox One war intuitiv und problemlos. Zwar haben sich hier und da kleinere Grafikfehler und Bugs eingeschlichen, doch die eindrucksvolle Schnee- und Eislandschaft macht das alle Male wieder wett.

Fazit

The Long Dark hat mich von der ersten Minute an echt gefesselt. Trotz des kleinen Tutorials, musste ich auf die harte Tour lernen, wie die Natur mich zur Strecke bringen kann. Im echten Leben hätten wir da schließlich auch keine Anleitung zur Hand. Und so bin ich auch beinahe erfroren, weil ich nach dem Holz sammeln den Weg zu meiner Höhle nicht mehr gefunden habe. So ist das Leben!

Die hübsche Grafik im abstrakten Comicstil finde ich echt klasse und tut der Härte der Natur keinen Abbruch. Wunderschöne Sonnenuntergänge und beeindruckende Schneelandschaften lassen mich auch über so manche Bugs und Grafikfehler hinwegsehen. Der melancholische Sound, aber auch die stillen Momente, das Atmen und das Heulen des peitschenden Windes machen The Long Dark zu einem atmosphärischen Erlebnis. Da habe ich sogar bei den noch sommerlichen Temperaturen draußen Lust auf eine dicke Decke und einen heißen Kakao bekommen.

Im Laufe der Story begegnet Mackenzie auch anderen Überlebenden, deren Vertrauen er gewinnen muss. Dazu musste ich beispielsweise einer ruppigen blinden Frau Brennholz und Nahrung bringen, um Informationen über Astrid zu bekommen. Ziemlich nervig. Nicht nur wegen des Zeitaufwands, sondern auch, weil quasi alle Vorräte in der näheren Umgebung abgetreten werden müssen. Und das, obwohl jedes Nahrungsmittel, jedes Brennmittel für uns lebenswichtig ist. Umso besser, dass Hinterland Games dieses Vertrauenssystem für die Redux-Version abschaffen will. Im Dezember werden die Spielstände der ersten beiden Episoden deshalb zurückgesetzt, wenn man sie noch nicht durchgespielt hat.

Die dritte Episode soll dann aus der Sicht von Dr. Astrid Greenwood erzählt werden. Ich bin wirklich sehr gespannt! Und ich hoffe sehr, dass wir danach nicht wieder ein Jahr auf die Fortsetzung warten müssen.

Meine Wertung

9

Marens Fazit

9.0/10
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