8. September 2020

What Happened

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Mit What Happened nehmen sich die Entwickler von Genius Slackers einem sehr wichtigen und ernsten Thema an. Mit dem Psycho-Horror-Game sollen wir einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt von Menschen mit Depressionen und Angststörungen bekommen. Ich habe What Happened für euch auf dem PC getestet – und schnell gemerkt, dass dieses Spiel nicht leicht zu bewerten sein wird. 

Die dunkelsten Gedanken eines Highschool-Schülers

What Happened gehört eindeutig zu den Spielen, die man “durchleben” sollte. Deshalb werde ich an dieser Stelle nicht so sehr auf die Story und bestimmte Ereignisse eingehen. So viel kann ich jedoch guten Gewissens verraten: Wir schlüpfen in die Rolle des Highschool-Schülers Stiles, der von tiefsten Depressionen und Angststörungen geplagt ist. Direkt zu Beginn des Spiels befinden wir uns auf der Schultoilette, wo wir uns direkt einmal ein paar Drogen einschmeißen. Als wir die Kabine verlassen, werden wir direkt vom Schulrowdy Jimmy abgefangen, der uns verprügelt und dann unseren Kopf brutal in das vollgelaufene Waschbecken drückt.

Als die Drogen wirken, schlüpfen wir – ähnlich wie Alice im Wunderland – durch eine Öffnung in eine andere Welt. Nur ist es kein Kaninchenbau, sondern unser Spint. Und wir machen uns nicht auf ins Wunderland, sondern beginnen eine düstere, surreale Reise in Stiles Psyche.

Der stetige Kampf gegen sich selbst

Rein optisch ist What Happened nicht unbedingt herausragend. Doch das ist auch gar nicht nötig. Es ist schließlich weniger die Optik, sondern vielmehr das Erleben an sich, das What Happened besonders macht. Dabei bedienen sich die Entwickler einiger sehr guter Elemente. Da wäre beispielsweise die tiefe Zerrissenheit von Stiles selbst. Eigentlich möchte er das Leben positiv sehen, das Gute zulassen. Doch seine Selbstzweifel und Ängste stehen ihm dabei immer wieder im Weg. Im Spiel zeigt sich dieser innere Kampf dadurch, dass Stiles mit seinen düsteren Gedanken kommuniziert, die wiederum als ein zweiter Stiles auftauchen. Auch in einzelnen Szenen und der Umgebung versteht sich What Happened darin, uns die ungeschönten, schmerzhaften Emotionen des Protagonisten aufzudrängen.

 

Wenn wir von der wirklich wichtigen Message einmal absehen, gibt es jedoch leider auch ein paar Minuspunkte. Die Rätsel bzw. Aufgaben im Spiel sind an sich nicht sonderlich anspruchsvoll. Was in diesem Fall nicht einmal besonders stören würde, wenn wir denn wissen würden, was überhaupt zu tun ist. An einigen Stellen konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, was gerade passiert und was genau ich tun muss, um weiterzukommen. Hinzu kommt, dass wir verschiedene Enden erreichen können. Unsere Handlungen entscheiden darüber, was mit Stiles geschieht. Doch an welchen Stellen ich nun wichtige Entscheidungen getroffen habe, ist mir völlig unklar. Auch wenn das Spiel sehr stark auf Metaphorik setzt, wäre an diesen Stellen etwas mehr Klarheit hilfreich gewesen.

Fazit

What Happened zu bewerten fällt mir wirklich nicht leicht. Zumal hier ein sehr wichtiges Thema behandelt, das leider noch viel zu oft unter den Teppich gekehrt wird. In eine Schublade stecken lässt sich der Indie-Horror jedenfalls nicht. Man könnte sagen: What Happened möchte in erster Linie vermitteln – und nicht unterhalten. Es ist eine Art große Metapher dafür, was in vielen Mensche mit Depressionen und Angststörungen vorgeht. Es rüttelt wach, deckt Probleme auf und bringt den Spieler dazu, sich mit unangenehmen Fragen auseinanderzusetzen. Wer sich darüber im Klaren ist, dass es vor allem um die Sensibilisierung für dieses Thema geht, bekommt ein einmaliges Spielerlebnis. 

 

Zu guter letzt jedoch auch eine Trigger-Warnung: Wenn du Themen rundum Depressionen und Suizid nicht verkraften kannst, solltest du dieses Spiel vielleicht lieber nicht spielen.

 

What happened

6.3

Wertung

6.3/10

 

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