Seien wir mal ehrlich… Irgendwas mit Zombies haben doch jetzt schon alle Leute und die Schwiegermutter gesehen. Die Thematik der halb verschimmelten Bevölkerung, die durch einen mutierten Grippevirus oder Strahlung aus dem Weltall oder genmanipulierten Joghurt in Mordlust geraten ist und lieber Gehirne als Chiasamen-Brötchen futtert, ist alt wie die Zeit. Und trotzdem macht das Thema nach wie vor echt Spaß! Und wer sich mal den namensgebenden Film mit Brad Pitt angeschaut hat, wird schon dort die Ästhetik bewundert haben, mit der sich tausende menschliche Körper wie eine einzige, fließende Masse durch Straßen und Landschaften bewegen können. Und auf welche interessanten Arten und Weisen sie auf Sprengstoffe und Hartmantelgeschosse reagieren. Liebes Publikum, Willkommen zu World War Z, einem teambasierten Survival-Shooter!

Entwickler Saber Interactive und Publisher Focus Home Entertainment präsentieren uns mit World War Z nun das Spiel zum Film zum Buch, wobei das erdachte Szenario hier nur als Rahmenhandlung für das Abenteuer bereitsteht, in das wir uns als Spieler stürzen. Und mit Abenteuer meine ich nervenaufreibende, schweißtreibende Kämpfe ums nackte Überleben. So wie am Abend vor dem Feiertag im Supermarkt. Denn so ähnlich kann man sich das Hauptaugenmerk von World War Z auch vorstellen: Die Zombiehorde. Wo andere Spiele uns einzeln untote Hirnfresser entgegenwerfen, gilt hier Quantität vor allem Anderen: Das sieht nicht nur aus wie tausende von Zombies, das sind tausende von Zombies. Verdammt schnell und verdammt hungrig. Und darum auch zu Beginn ein kleiner Blick aufs Technische:

Mit dem Gedanken im Hinterkopf starten wir das Spiel und fragen uns: wird das wohl so gut funktionieren, wird da mit Tricks gearbeitet, um solche Gegnermassen darzustellen? Aber als dann das Logo der havok-Engine über den Bildschirm flackert, ist klar: Was seit Serious Sam für butterweiche Gegnerhorden in vierstelliger Anzahl auf dem Bildschirm sorgt, wird uns nicht im Stich lassen. In unserer Testversion auf der PS4 leider nur in 30 FPS, auf dem PC dagegen in 60 FPS, kommt die Engine auch bei voller Last und Zombiebrei auf dem Bildschirm nicht ins Stocken oder Ruckeln. Die grafische Darstellung der Umgebung ist realistisch und versetzt den Spieler direkt in eine postapokalytsche Welt, in der kleine Gruppen von Überlebenden sichere Unterkunft und Frieden suchen.

Insgesamt gibt es bei World War Z vier verschiedene Episoden, in denen bis zu vier Spieler oder KI-gesteuerte Charaktere den Kampf gegen die Untoten antreten. In New York, Jerusalem, Moskau und Tokyo gilt es, mehrere Abschnitte zu überleben. Ausrüstung sammeln, Schalter und Schlüssel finden, Gerätschaften reparieren und am Laufen halten und natürlich Unmengen von Zombies pulverisieren stehen auf dem Programm. Optisch sind diese Episoden sehr schön präsentiert, auch wenn der Winter in Moskau wohl ob der Zombiemassen wesentlich härter ausgefallen ist als sonst und ganze Straßenzüge zugeschneit hat.

Bis zu vier Spieler können sich hier in einem geschlossenen Co-Op für Freunde oder einer offenen Lobby im Internet treffen und einen von vier Charakteren auswählen, für jede Episode ein anderes, lokales Team. Jeder der Charaktere ist in der Lage, eine von sechs Charakterklassen zu wählen, die unterschiedliche Arten der Zombiebekämpfung besser beherrschen, als Sanitäter die Gruppe zusammenflicken oder als Mechaniker besser im Umgang mit Geschütztürmen und anderen technischen Gadgets sind, die im Laufe der Missionen das Zombieschnetzeln erleichtern. Jede der Klassen bietet einen eigenen Fertigkeitenbaum, in dem man im Laufe seiner Missionen die erhaltenen Erfahrungspunkte einlöst und somit den Charakter spezialisieren kann. Mehrere Auswahlmöglichkeiten für unterschiedliche Spielstile bedeuten auch, dass es kein Problem darstellt, wenn zwei Spieler dieselbe Klasse bevorzugen. Des Weiteren wird auch belohnt, wer sich gerne immer wieder die gleiche Waffe schnappt. Erweiterte Magazine, weniger Rückstoß und einige Extras mehr lassen sich für sämtliche Schießeisen freispielen. Der geübte Single-Player wird sich freuen, dass die Zombiehatz auch mit 3 KI-Kameraden möglich ist, die an und für sich sehr gut schießen und unterstützen, aber nicht gerade fleißig darin sind, gefallenen Computer-Kumpeln wieder auf die Beine zu helfen. Heilen und aufraffen fällt also meistens dem Spieler selbst zu, genauso wie das Einsammeln von relevanten Gegenständen oder das Betätigen von Knöpfen und Hebeln.

Die Horde in World War Z unterscheidet sich grundlegend von Allem, was wir aus dem genretypischen Kampf gegen Zombies kennen. Nicht langsam und behäbig, sondern flink wie ein modriges Wiesel flitzen die lebenden Toten durchs Gelände, immer bedacht auf mehr leckeres Hirn. Die Kollisionsabfrage ist hierbei in der Horde nicht sehr genau, was allerdings volle Absicht ist: Die Zombies stoßen nicht aneinander oder prallen voneinander ab, sondern verfließen vielmehr zu einer einzigen Masse, die wie eine riesige, faulige Fleischwelle auf die Spieler zuschwappt. Treffen die Zombies auf ein Hindernis, so klettern sie aufeinander und bilden Türme und Pyramiden, um diese zu überwinden. Ein großartiger Spaß ist es dann, mit einer Granate diese Türme zum Einsturz zu bringen. Jenga mit Zombies! Außer den gewöhnlichern Flitzern treffen wir auf eine Vielzahl an besonderen Zombies. Der Lurker drückt sich mit Vorliebe in Ecken herum und springt hinterrücks einen Spieler an, um sich einen Snack zu gönnen und sollte schnell von den Teamkameraden entsorgt werden. Schwer gepanzerte Zombies von den Spezialkräften halten eine Menge aus und rammen Spieler zu Boden, um sie dann wieder und wieder auf den Boden zu schmettern. Die Kameraden in den ABS-Schutzanzügen haben wohl vor ihrem (Un)Tod zuviel Bohnen gegessen, denn sie verströmen nach dem erneuten Exitus ein giftiges Gas, das sich aber schnell wieder verzieht. Zu guter Letzt gibt es noch Kreischer, die mit Vorliebe weitab vom Geschehen auf einer Erhöhung stehen und mit ihrem Geplärre andere Zombies anlocken.

Apropos Geplärre: Lärm und Waffengeräusche stellen tatsächlich ein wichtiges Element dar, denn die Zombies interessieren sich brennend für Alles, was laut und grell ist. Schleichend und mit Schalldämpfern ausgestattet sparen sich die Spieler einige Kämpfe und vor Allem wertvolle Munition. Diese wird nämlich gerne einmal knapp und ab und an sollte man vielleicht mit der Nahkampfwaffe die lästigen Zombies zerlegen als mit der trauten Shotgun. An fair platzierten Stellen in jedem Level gibt es die Möglichkeit, per Munitionskisten das Schießeisen wieder aufzufüllen, Granaten zu sammeln und vielleicht sogar eine andere andere Waffe aufzunehmen. Für Showdowns in großen Fabrikhallen oder dem Foyer eines Wolkenkratzers zum Beispiel gibt es dann auch automatische Geschütztürme oder unter Strom gesetzte Gitter, um sich die Untoten vom Leib zu halten. Generell finden sich in den Levels immer wieder Möglichkeiten, die Umgebung gegen die Horde einzusetzen. Zombies reagieren sehr allergisch auf große Ventilatoren.

Die Klangwelt von World War Z ist von düsteren, leisen Streicherklängen oder gar völliger Stille dominiert, die sich aber dynamisch ändern kann, sobald der erste Zombie um die Ecke schaut. Schnelle Schlagzeug-Rhythmen und Gitarrenriffs ergänzen den Klangteppich und liefern eine geniale Untermalung zum Kampf ums Überleben. Die Sprecher der Charaktere überzeugen vollkommen und kommentieren nicht nur Erfolge und Fortschritte bei Aufgaben, wichtig vor Allem im Multiplayer, sondern unterhalten sich auch ab und an mit ein paar Sätzen und lassen die Spielwelt lebendiger erscheinen. Sprachausgabe gibt’s leider nur auf Englisch, Untertitel aber auch auf Deutsch.

Left for Zett

Und zu guter Letzt, wie der Titel schon vermuten lässt: Wie gut hält World War Z mit dem Genre-Titanen Left 4 Dead mit? Die Antwort: Sehr gut! World War Z gibt uns genau das, worauf wir von Left 4 Dead verlassenen Zombiejäger gewartet haben. Nonstop Action, Teamplay, Horror und Zombies, Zombies, Zombies. Flüssiges Gameplay, motivierende Charakterentwicklung und variable Gruppengröße dank einer wirklich starken KI seitens des Überlebenden-Teams. Die verschiedenen Schwierigkeitsgrade versprechen sowohl Casual-Spaß als auch eine knackige Herausforderung für Veteranen. Mit ca 20 Stunden (etwa 5 Stunden pro Episode) ist die Spielzeit auf einem niedrigen Schwierigkeitsgrad vielleicht etwas lau, allerdings hat Saber Interactive schon einige neue Maps und Episoden in der Pipeline, die sie in Form einer „Roadmap“ ins Spiel integrieren wollen.

Für den schlanken Preis von 35€ auf dem PC und 40€ für Konsole ist das eine klare Kaufempfehlung für alle Zombiejäger-Teams. Solo-Spieler können auch zuschlagen, sollten sich aber vielleicht lieber nach einer Alternative mit mehr Fokus auf Story und Spielzeit umsehen.

Wertung

8

Wertung

8.0/10
  Review
Next Post

Mortal Kombat 11 (Zockertagebuch)

30. April 2019 2
Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich stimme zu.