6. Mai 2019

Pokémon – Verbünde dich mit Pikachu! (Animekritik)

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Kaum zu glauben, aber der Anime, der damals noch mit dem ikonischen Titelsong „Ich will der allerbeste sein…“ begann, zieht nach wie vor mit den unzähligen seither erschienenen Pokémon-Editionen mit. Zwar ist Ash immer noch nicht gealtert und hat auch nach all den Jahren immer noch nichts erreicht in seiner Karriere, aber immerhin sein Look hat sich in Pokémon Sonne & Mond noch mehr geändert als sonst. Mit Pikachu an seiner Seite erkundet er die tropische Alola-Region und Polyband veröffentlicht nun eine kleine Auswahl von 5 markanten Folgen der Staffel auf einer Disc.

Inhalt

Die Inseln der Alola-Region werden von legendären Schutz-Pokémon bewacht und das neugierige Elektrowesen Kapu-Riki scheint besonderes Interesse an Ash und seiner Reise entwickelt zu haben. Immer wieder begegnen die beiden sich während Ash’s Inselwanderschaft, auf der er gegen die Top-Trainer der Region antritt und deren Prüfungen besteht und neue Mitstreiter für sein Team fängt. Im Mittelpunkt steht aber unumstößlich, wie auch der Titel der Box verrät, sein erstes Pokémon Pikachu. Nicht nur ist es nahezu immer die erste Wahl in verzwickten Kämpfen, es ist auch ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, sich in anderen Formen mit der Konkurrenz zu messen. In einem ausgefallenen Pfannkuchenrennen balanciert die knuffige Elektromaus beispielsweise einen Teller Pancakes auf seinem Rücken, während es versucht ein ehrgeiziges Alola-Raichu und zeitgleich auch das hinterhältige Team Rocket abzuhängen.

Man muss sich bewusst machen, dass die fünf enthaltenen Folgen unzusammenhängend sind und auch nur Bruchteile einer über 40-teiligen Staffel darstellen. Wir erfahren nicht, wie Ash in die Alola-Region kommt, wir bekommen nicht näher ausgeführt, worum es bei der Inselwanderschaft geht oder wer all diese Charaktere sind, die in fast jeder Folge auftreten. Wir sehen nicht ein einziges Mal, wie Ash eines der Pokémon fängt (oder wie man Ash kennt vielleicht auch einfach nur überredet), das er in der nächsten enthaltenen Folge plötzlich im Kampf einsetzt… und das ist okay. So wohlig die Erinnerungen an die Serie von damals auch sein mögen, so irreführend können sie auch sein. Vor einigen Jahren holte ich die erste Staffel nach und es war leider nur schwerlich zu ertragen. Natürlich gibt es sehr coole, emotionale und auch spannende Folgen und Szenen (ich werde beispielsweise nie vergessen, wie Ash Glumanda fand, den epischen Kampf gegen Pyros Magmar oder als Glurak von einem Quappo beinahe umgebracht worden wäre und endlich Vertrauen zu seinem Trainer aufbaut), aber die sind sehr gut in einer Masse von immer gleichen Episoden begraben, die einen sehr schnell ermüden können. In den 5 Folgen von „Verbünde dich mit Pikachu!“ gibt es bereits erste Ansätze davon, beispielsweise wenn Ash und Pikachu die albernen Z-Attacken ausführen, die einen synchronen Tanz erfordern und schon in den Spielen befremdlich wirkten. Dasselbe gilt für den nervigen sprechenden Pokédex. Immerhin ist die Serie aber offenbar endlich von Team Rocket abgekommen, die nur noch sporadisch auftreten anstatt in jeder einzelnen Episode ihren Schuss in den Ofen zu feiern. Ansonsten scheint sich aber auch in der 20. Staffel nicht viel geändert zu haben – Ash fängt wie gewohnt bei Null an und kämpft entsprechend bevorzugt mit den süßen Plüschtieren der ersten Evolutionsstufe anstatt mit entwickelten Pokémon, die ihm in der Pokémon-Liga endlich mal Chancen einräumen würden…

Look

Ich erinnere mich noch gut daran, dass Ash aufgrund seines neuen Aussehens in Sonne & Mond schon vor Serienstart unheimlich niedergemacht wurde. Sein rundlicheres Gesicht mit den weiter auseinanderstehenden, kleineren Augen wirkte doch arg… dümmlich? Man konnte ihn spontan noch weniger ernst nehmen als sonst. Im fertigen Werk betrachtet fällt die Umgestaltung aber kaum mehr auf und ist auch weit weniger drastisch als im Vorfeld angedeutet. Die Charaktere sind allesamt zwar simpel gestaltet, aber sorgfältig gezeichnet und animiert, ebenso natürlich die Pokémon. Besonders schön, wie zu erwarten war, sind die farbintensiven Tropenhintergründe mit dem dazugehörigen Meeresrauschen, die wohliges Urlaubs-Feeling aufkommen lassen.

Fazit

Wie bei den Spielen der Hauptreihe darf man auch beim Anime keine Wunder oder drastischen Änderungen erwarten – so sehr man sie sich auch wünschen mag. Die Serie funktioniert seit Jahrzehnten so wie sie ist und wird das sicher auch noch ein paar Jahrzehnte, also gibt es seitens der Produzenten kaum einen Grund das Erfolgsrezept zu ändern (Sorry, Ash, kein Bartwuchs für dich). In diesem speziellen Fall ist das aber sogar von Vorteil, da die Episoden einer Pokémon-Staffel meist so wenig Inhalt haben, dass man schlichtweg nicht sonderlich viel verpasst, wenn man ein paar Folgen auslässt – in etwa so, wie wenn man die fünf enthaltenen Episoden direkt hintereinanderschaut. Einem entfleucht dann ein kurzes „Huch, wo hat er denn jetzt das Wuffels her?“, aber das legt sich sehr schnell und man ist schon wieder im unweigerlichen Kampf versunken. Zugegebenermaßen ist die Episodenauswahl eine suboptimale Selektion zum Einstieg in die Staffel, dafür hätte doch wenigstens die erste Folge enthalten sein sollen, aber letztlich will die Box das ja auch gar nicht sein – nicht umsonst wird Sonne & Mond weder auf dem Cover, im Titel und nicht einmal im Klappentext erwähnt. Es sind schlicht und einfach 5 Folgen, in denen primär Pikachu gut zur Geltung kommt, die im Moment leben und nicht wirklich irgendeine Geschichte erzählen möchten. Wer zumindest eins der gleichnamigen Spiele gezockt hat, wird sich besser zurechtfinden, aber auch alle die seit den 90ern zumindest mal in den Anime hineingeschaut haben, dürften nicht allzu verloren enden. Pokémon – Verbünde dich mit Pikachu! bietet kurzweilige und optisch ansprechende 90 Minuten, wenn auch mit nicht wirklich mehr Inhalt oder Botschaft als „Pikachu ist der Tollste und Ash hat ihn ganz besonders lieb.“

Pokémon - Verbünde dich mit Pikachu!

6.9

Wertung

6.9/10
  Kritik
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