Metro Exodus ist der bereits dritte Teil der Metro-Roman-Serie aus der Feder von Dmitry Glukhovsky. Warum gerade eine Romanvorlage dem Spiel richtig gut tut und was sich alles am Gameplay veränderte, das erzähle ich Euch in meinem ausführlichen Test, der mir mehr als Spaß bereitete. Los geht’s, springt an Bord der gepanzerten Dampflok Aurora und versucht mit unserer Frau und der Crew ein neues Leben zu beginnen.

Geschichte

Wir schreiben das Jahr 2036. Sieben Milliarden Menschen wurden im letzten Krieg ausgelöscht und nur 50.000 schafften es im Untergrund der Metro zu überleben. Die Oberfläche ist verbrannt, vergiftet, verstrahlt und wimmelt vor schrecklichen Kreaturen und Mutationen. Eigentlich besteht keine Hoffnung je wieder an die Oberfläche zurück zu kommen, aber Aufgeben ist für unseren Protagonisten Artjom keine Option. So schleicht sich Artjom immer mal wieder an die Oberfläche um mit seinem Sender einen Funkspruch oder Anzeichen von Leben, statt nur statisches Rauschen zu erhalten. Niemand glaubt daran, dass es noch Leben außerhalb der korrupten Metro in Moskau gibt, bis sich eines Tages die Ereignisse überschlugen und es doch noch Hoffnung da Draußen zu geben scheint. Schafft es Artjom mit seiner Gruppe Spartaner Rangers einen sicheren Lebensraum zu finden und vor allem wohlbehalten durch die Weiten des postapokalyptischen Russland Richtung Osten zu kommen?

Schöne neue Welt

Anfangs dürft Ihr Euch zwischen fünf Schwierigkeitsstufen entscheiden. Je nachdem ob Ihr auf Eure Filter der Atemmaske achten, den Munitionsvorrat im Blick haben und auf spannende bis knackige Kämpfe einlassen wollt, könnt Ihr im Spielverlauf auch den Schwierigkeitsgrad ändern. Spielt Ihr auf Ranger Hardcore, so wird zum Beispiel das Zielkreuz abgeschaltet und auch die Waffen nutzen sich schneller ab. Neben den Shooter-Einlagen und der Geschichte dreht sich nämlich alles um Crafting und Ressourcen.

Metro Exodus unterteilt die Welt in verschiedene offene Areale, die uns zum Erkunden und Entdecken einladen. Wir bekommen zwar unsere lineare Hauptmission, welche gut und spannend erzählt ist, können aber durch optionale Nebenmissionen zum Beispiel Ausrüstung finden, welche uns das Überleben etwas erleichtert. Unsere Dampflok Aurora fährt durch verschiedene Umgebungen wie das üppige Waldgebiet der Taiga, das gefrorene Marschland der Wolga und die traurigen Überreste des kaspischen Meeres. Ohne zu viel zu verraten wohin uns der Weg noch führt, wird es eine lange Reise für unsere Helden.

Die Crew

Wir bestimmen das Schicksal unserer Kameraden. Nicht alle von unseren Crewmitgliedern werden ihr Ziel lebend erreichen. Unsere Entscheidungen haben direkten Einfluss auf die Story und das Schicksal deiner Begleiter, was sicherlich zu einem erneuten Durchspielen einlädt.

 

Licht und Schatten

Metro Exodus lebt unter anderem von verschiedenen Gameplay-Verschmelzungen. Nähern wir uns einer gegnerischen Basis, dürfen wir taktisch klug vorgehen. Entdecken uns zum Beispiel in der Nacht oder in der Dämmerung Gegner in beleuchteten Bereichen oder mit ihren Taschen- und Kopflampen, könnt Ihr Euch sicher sein, dass diese Alarm schlagen und Verstärkung rufen. Gerade aufgrund der Munitionsknappheit sollte man sich deshalb in versteckten und unbeleuchteten Bereichen seinen Weg suchen und auch den Gegner möglichst geräuschlos und unentdeckt überwältigen und ausschalten. Viele feindliche Basen sind gut und zahlreich bewacht.

Gegnertypen

Im verstrahlten und vergifteten Moskau gibt es neben menschlichen Feinden auch eine Menge Lebewesen und Mutanten, die Euch an den Kragen wollen. Seien es Shrimps, ein Zarfisch in Walgröße, zombieghoulartige Tiermenschen, Hunde, Schnapper, gigantische Spinnen, Dämonen, oder Telepathen, die meist in Rudeln jagen. In der sogenannten neuen Welt an der Oberfläche begegnen Euch verschiedene Banden, wie Banditen, Fanatiker, Kannibalen. Seid immer auf der Hut- die Welt von Metro Exodus ist gefährlich und kein Ponyhof.

Ausrüstung

Artjoms Ausrüstung besteht aus seinem Anzug, seinen drei Waffen, die er mit sich führen darf und aus seinen Herstellungskomponenten. Gerne möchte ich Euch das Ausrüstungsmenü vorstellen, welches simpel, aber dennoch von der Entwicklerseite sehr klug gestaltet ist. Artjom führt eine kleine mobile Werkbank mit sich, mit der er kurzfristig medizinische Vorräte herstellen und seine Waffen modifizieren kann. Effizienter sind die Werkbänke, die Ihr im Spiel findet. Dort können wir unsere Waffen reinigen, den Anzug verbessern oder –und das ist das Wichtigste- Munition herstellen. Jedes Menü ist durch kleine Unterpunkte aufgeteilt. Zu dem Anzug zählen unsere Atemschutzmaske, eine Weste und unser Armschutz. Der Clou besteht darin, dass wir alle einzelnen Komponenten einzeln modden können. Wir können selbst entscheiden, ob wir an unserem Armschutz einen Kompass befestigen, der uns immer die Richtung angibt, die wir einschlagen müssen oder andere Dinge wie zum Beispiel eine Uhr, die uns sinngemäß die Uhrzeit anzeigt, falls uns wichtiger ist zu wissen, wann die Nacht oder der Tag einsetzt. Wir finden im Laufe des Spiels viele verschiedene neue Bauteile für unseren Anzug. Seid Ihr eher der Ballertyp und möchtet mehr Munition tragen, oder erledigt Ihr lieber die Feinde mit Wurfmesser, Molotovcocktails und Granaten? Dann legt Ihr die entsprechende Weste an, die unsere Inventarslots erhöht. Das ist gerade das Tolle an Metro Exodus– Ihr entscheidet nach Eurer eigenen Spielweise, welche Ausrüstung für Euch persönlich die geeignetste ist.

Jede Herstellung kostet seinen Preis. In der Welt von Metro Exodus finden wir Ressourcen wie Chemikalien oder Bauteile. Bevor Ihr aber anfangt an Euren Waffen herumzuschrauben seit Euch immer sicher genug Medizin und Filter für Eure Atemschutzmaske dabei zu haben,  denn ohne diese werdet Ihr nicht lange überleben. Nebenbei hilft Euch noch euer Feuerzeug, das Fernglas oder Nachtsichtgerät, Ladegerät, eine Notizmappe und Landkarte welche im Schnellwahlmenü ausgerüstet werden können.

Der Atemschutz ist im Übrigen sicherlich das Wichtigste an Eurer Ausrüstung. Wie eben schon erwähnt, ist Russland an vielen Stellen vergiftet und verstrahlt, geht Euch die Luft aus, heißt es Game Over. Es gibt viele Orte, wo die Maske einfach absolut notwendig ist. Achtet darauf, dass Eure Feinde diese nicht beschädigen.

Das Waffenarsenal

Die Waffen dürfen wir mit verschiedenen Zieloptiken, Magazinen, Aufsätzen ausstatten. Jede Modifikation verhält sich anders auf Schaden, Genauigkeit, Stabilität, Schussfolge und Magazin.

Die Tihar ist eine besondere Ranger-Waffe die fester Bestandteil Eurer Ausrüstung und nicht ablegbar ist. Das Besondere an der Tihar ist, dass diese mit Druckluft betrieben wird und Ihr immer den Druckregler im Auge behalten sollt. Ist der Druck der Waffe zu gering, kann man diesen mittels der Handpumpe aufladen. Habt Ihr bereits vorangegangene Metro-Titel gespielt, wird Euch diese Waffe nicht fremd sein.

Neben den verschiedenen Waffentypen wie Kalaschnikov, Schrotflinten, Revolvern und Armbrust können wir uns noch mit verschiedenem anderen Arsenal wie Köder um die Feinde abzulenken, Wurfmessern, Sprengladungen und Molotovcocktails ausstatten. Denkt daran: Es ist Euer Spiel und Ihr spielt Metro Exodus wie Ihr es mögt.

Jahreszeitenwechsel

Die Geschichte von Metro Exodus wird in verschiedenen Jahreszeiten erzählt. Wir erforschen die russische Wildnis in nicht-linearen Abschnitten und erleben eine Geschichte, die alle Jahreszeiten vom nuklearen Winter über Frühling und Sommer bis zum Herbst umspannt. Die Jahreszeiten sind fantastisch und stimmig in Szene gesetzt und es macht Spaß, sich einfach mal das Fernglas zu schnappen und die Spielwelt auf sich wirken zu lassen.

Fazit

Eins Vorweg: Metro Exodus ist das Spiel, auf welches ich schon lange gewartet habe. Fallout 76 hat mich zutiefst enttäuscht- Metro Exodus macht vieles besser und ist trotzdem anders und ein Spiel, welches heißer Kandidat für die Topspiele 2019 sein wird. Klar geht Exodus nur rund 20 Stunden lang, dennoch ist der Wiederspielwert groß, gerade, wenn man es schaffen möchte mit seiner kompletten Crew zu überleben, oder nochmal in einzelnen Abschnitten Geheimnisse zu lüften oder eben diese zu erkunden. Metro Exodus basiert auf eine Romanvorlage, die Erzählweise und die Geschichte ist enorm gut gelungen und fesselt einen an den Bildschirm. Wenn es um die Atmosphäre geht, ist Metro Exodus ein Spiel, welches die Messlatte ultimativ hoch gesetzt hat. Auf den offenen Schienen ist jeder Bereich erstaunlich detailliert und sorgfältig gestaltet. Ausgebrannte Gebäude, rostige Lagerbehälter, abgestürzte Hubschrauber, verlassene Transportmittel, schaurige Sümpfe, Banditen- und andere Feindlager sowie dunkle verlassene Häuser und Höhlen, die man alle von ähnlichen Schauplätzen der Fallout-Reihe kennt- nun, jedoch einfach etwas besser. Hier wurde eine visuelle Umgebung mit einem Realismus geschaffen, der Bethesdas Technik leider Gottes hinten anstellt.

Die Welt von Metro Exodus unheimlich, beunruhigend und völlig effektiv. Dies hat man unter anderem auch den grandiosen Soundeffekten, dem realistischen Wetter- sowie Tages- und Nachtwechsel und den saisonalen Veränderungen der Jahreszeiten zu verdanken. Das Schleifen der Füße und das Stöhnen der ghoulartiken Tiermenschen, das flackernde Licht der Taschenlampen, Gegner, die sich miteinander unterhalten beim Wacheschieben, die ekelhaften Abwassertunnel, wo man förmlich den Moder durch die Gasmaske riecht und auch der Spielerei, dass einen die Gegner manchmal anfallen. Ist das nicht ekelhaft, wenn kleine krabbelige Spinnen über einen laufen, wenn man durch ein Spinnennetz geht? Es sind die kleinen aber feinen Details, die Metro Exodus im Ganzen betrachtet Groß machen.

Ihr sucht die Nadel im Heuhaufen? Man kann unserem Protagonisten Artyom ankreiden, dass er ziemlich still und gesichtslos ist. Während des Spiels spricht er kein einziges Wort. Das kommt an manchen Stellen nicht gut, wenn wir zum Beispiel emotionale Szenen mit unserer Crew oder unserer Freundin durchleben. Einzig und alleine in den Ladebildschirmen erzählt uns Artyom, was er zuletzt durchlebt hatte, das kann man definitiv besser machen. Apropos Ladebildschirme- wenn wir ein Spiel erneut starten, sei es durch Ableben im Spiel oder der Start eines Saveslots, ist die Ladezeit wirklich sehr lange- dafür ruckelt oder zuckelt es immerhin nicht während des Spiels.

Dennoch: Metro Exodus kann uns absolut in der apokalyptischen Erkundung überzeugen. Exodus bietet uns ein abwechslungsreiches Setting und fesselt uns audiovisuell an den Bildschirm. Ich hatte lange nicht mehr so einen Nervenkitzel verspürt, wenn ich in einem Spiel ein gruselig-verlassenes Gebäude betreten oder eine Tür geöffnet habe. Punktabzug gibt es leider aufgrund des stummen Helden, der dazu führt, dass Metro Exodus sein wahres Potenzial nicht komplett ausschöpft. Ich hoffe, dass Exodus nicht der letzte Teil des Franchises ist und bin guter Dinge, dass der Nachfolger, falls es einen gibt, alles um sich herum wegfegen wird.

Kurz gesagt: Metro Exodus ist DAS Spiel für Franchise-Liebhaber und Fans von postapokalyptischen Spielen. Es ist gruselig, gefährlich, erzählt eine spannende Geschichte, glänzt mit gutem Gameplay und hat in Sachen Atmosphäre sicherlich einen Meilenstein für alle kommenden Spiele des Genres gelegt.

Wertung

9

Wertung

9.0/10
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  Review
2 Comments
  • W.B. 7 Monaten ago

    Ich bin auch sehr gefesselt vom Spiel. Eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Da können sich viele Survival-Spiele ein Scheibchen von abschneiden.

    Gutes Review Zimmy. Daumen hoch

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