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Eigentlich kann einem Fallout 76 schon etwas leid tun: Von der Community scharf kritisiert, von der Presse abgestraft und zu guter letzt in den Sales sehr günstig verramscht. So ist Fallout 76 knapp zwei Wochen nach Release für schlappe 30 Euro in der S.P.E.C.I.A.L. Edition und für 40 bis 50 Euro in der Tricentennial Edition käuflich zu erwerben. Ich habe auch einige Stunden in West Virginia verbracht und ich möchte anmerken, dass ich ein großer Fan des Franchises bin, wie bei mir das Ödland-Multiplayer-Prequel abgeschnitten hat, erfahrt Ihr jetzt.

Take me Home…

Ihr habt sicherlich schon eine große Zeit des Lebens, so wie ich auch, in Fallout 4 verbracht. Fallout 76 spielt als Prequel zu Fallout 4. Wir feiern als Spieler den Rückeroberungstag: Das bedeutet, dass sich die Türen der Vault 76 öffnen und wir diese mit wenig Utensil verlassen müssen um uns das Land nach dem Fall der Atombombe zurück zu erobern und neu aufzubauen. So der Plan. Aber West Virginia bietet natürlich auch viele Gefahren, wie Mutationen und radioaktiv verseuchte Feinde und Tiere mit sich. Zeit, sich mit anderen Spielern online zusammenzuschließen und gemeinsam auf Eroberung zu gehen. Seid Ihr nicht so der Fan von Gruppen, könnt Ihr natürlich auch als einsamer Wanderer auf die Reise gehen, aber ich kann Euch sagen, dass sich viele Quests so gewaschen haben, dass es besser ist, einen Verbündeten an Eurer Seite zu haben.

Habt Ihr bereits in der B.E.T.A. Zeit verbracht, darf Euer Fortschritt und Ausrüstung mitgenommen werden- jedoch müssen geschichtsrelevante Erfolge und Trophäen neu erspielt werden. Also nicht lang kleckern, den eigenen Charakter nach Euren Wünschen erstellt und los geht’s!

Hunger und Durst

Eine wichtige und leider lästige Eigenschaft unseres Charakters ist das Bedürfnis nach Essen und Trinken. Wir sollten darauf achten, dass wir uns mit ausreichend Wasser und Essen versorgen. Haben wir nicht genug Skillpunkte um gute Nahrung herzustellen, oder trinken wir radioaktiv verseuchtes Wasser, leiden wir oft an Statusveränderungen, die sich auf die allgemeine Gesundheit und auf unser Gameplay auswirken. Das Berücksichtigen von der eigenen Gesundheit, Strahlenbelastung, Hunger, Durst und Krankheit ist unser oberstes Gebot. Wir müssen also sorgfältig plündern und immer darauf achten, entsprechende Gegenstände bei uns zu haben. Vergleiche ich Fallout 76 mit den vorangegangenen Teilen, hatte ich mehr Stimpacks, Nuka Colas und Haarklammern dabei, als ich je brauchen konnte- in Fallout 76 herrscht eine große Knappheit, sodass der Einsatz von Medizin und Co. sorgfältig gewählt werden muss, schließlich ist es ein Überlebensspiel.

Angriffe und die Gefahren von Appalachia

Um es vorweg zu nehmen: Ja, Ihr könnt andere Spieler auch angreifen. Tut Ihr dies, wird auf Euch ein Kopfgeld ausgesetzt und Ihr seid für andere Spieler zum Abschuss frei gegeben. Euch erwarten aber auch Computergegner wie Verbrannte, die sich nicht wie die altbekannten Ghoule auf Euch stürzen, sondern auch mit Waffengewalt auf Euch feuern. Alte Bekannte, wie die eben erwähnten Ghoule, gibt es auch in neuen Formen: Mutanten und Supermutanten fackeln nicht lange, Todeskrallen machen den Namen alle Ehre. Natürlich gibt es auch neue Gegnertypen zu entdecken, die ich aber an der Stelle nicht spoilern möchte um Euch den Überraschungseffekt nicht zu nehmen. Tierische Gegner wie umherstreunende Wölfe, Maulwurfsratten, Opossum, Yao Guais, Ameisen, Blutkäfer, Minelurks und vieles mehr freuen sich natürlich auch über Eure Ankunft in den Appalachen.

Sammeln oder Verrammeln

Ich bin wirklich kein Fan davon jeden kleinen Schnipsel im Spiel umzudrehen und abzuwägen ob ein Gegenstand im späteren Verlauf des Spiels noch von Nutzen sein wird. Gerade anfänglich tut man sich damit etwas schwer, da unser Charakter noch auf einer niedrigen Stufe ist und nicht viel Inventar mit sich tragen kann, ohne alle paar Sekunden eine Verschnaufpause einzulegen. Richtig- sind wir überladen, wirkt sich dies auf unsere Ausdauer aus und wir bewegen uns recht langsam voran, was für die Feinde ein gefundenes Fressen bedeutet. Darum: Schnell alles im Camp verstauen und zur Weiterverarbeitung an Werk- und Waffenbänken verarbeiten, denn selbstgebaute Ausrüstung ist reichlich effizienter als gefundene Waffen, Kleidung oder Hilfsmittel. Lustigerweise habe ich beim Spielen immer das Gefühl, nicht zu viel und nur das Nötigste dabei zu haben, trotzdem bin ich ständig überladen- was natürlich auch meine Mitspieler nervt, da ich alle paar Minuten sagen muss: „Warte bitte mal auf mich, ich muss meine Ausrüstung checken.“. Das bremst erheblich aus und zieht auch Quests in die Länge. Da Fallout 76 ein Onlinespiel ist und keine Pausefunktion hat, ist man gerade extrem anfällig für Gegner, wenn man sich gerade in einem hitzigen Gefecht befindet und seine Stimpacks nicht auf Kurzwahl abgelegt hat und somit in Pip Boy Menü herumrührt. Ein kleiner Moment, der zwischen Leben und Tod entscheiden kann.

Mein C.A.M.P., dein C.A.M.P.

In Fallout 76 dürfen wir unser eigenes Camp errichten. Dies verhält sich ähnlich mit dem Siedlungsbau von Fallout 4. Mit unserem Camp können wir uns, abseits der Hauptstory und den Nebenquestsstundenlang befassen. Man kann sich das in etwa wie bei einem Hausbau-Simulator, dem Ikea-Küchenplaner oder wie bei den Sims vorstellen. Nur, dass wir mit Schrott (Holz, Metall, Keramik oder den Müllfunden des Ödlands) ein wunderhübsches Zuhause errichten. Das Camp können wir praktischerweise immer wieder in unser Inventar verstauen und an einem anderen Ort, sofern die Freifläche vorhanden ist, aufbauen. Feinde können unser Camp auch angreifen und es sei Euch gesagt, dass wenn Ihr Freunde an Eurer Seite habt, diese Euer Camp auch mitbenutzen dürfen. Baut ein Freund etwas, wie zum Beispiel eine Kochstation oder einen anderen beliebigen Camp-Gegenstand, wird dieser nicht in seinem eigenen, sondern in Eurem Camp-Inventar gelagert. Hier sollte man sich auf jeden Fall absprechen. Weiß man das vorher nicht, gibt man wertvolle Ressourcen her, die man das nächste Mal im Ödland schmerzlich vermisst- vor allen Dingen, wenn Euer Online-Freund nicht zeitgleich mit Euch spielt und Ihr Euch ein Camp teilt. Im Camp haben wir nicht nur immer einen eigenen Schlafplatz, sondern können uns nach Belieben ausstatten und einrichten. Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass wir Werkbänke für Rüstungen und Waffen errichten können? Baut Euch einfach euer Camp so zu recht, wie es für euch am praktischsten ist. Denkt auch immer an die Verteidigung vor den Gefahren des Ödlands, wie zum Beispiel den mutierten Tieren oder Verbrannten, darum baut Euch verschiedene Verteidigungen wie zum Beispiel Schussanlagen auf. Vergesst auch nicht, Blaupausen anzulegen, sonst findet Ihr alle einzelnen Bauelemente im Camp-Inventar wieder und müsst alles Stück für Stück neu zusammenschustern. Hätte man an dieser Stelle auch etwas einfacher gestalten können.

You are S.P.E.C.I.A.L. – Skill Karten

Fallout 76 verzichtet nicht auf das S.P.E.C.I.A.L.-Charaktersystem. Verbessern wir unseren eigenen Level durch Aufstieg, dürfen wir Skillpunkte auf die Hauptwerte Stärke, Wahrnehmung, Ausdauer, Charisma, Intelligenz, Beweglichkeit und Glück verteilen. Wir starten auf Level 1 und können, zunächst, bis auf das maximale Level 50 gehen. Hierzu müsst ihr sicherlich viel Zeit im Spiel verbringen. So weit so gut. Eine Neuerung bringen die Skill-Karten, die nicht unbedingt meinen persönlichen Geschmack treffen, da sie im Zufallsprinzip zugeteilt werden und das Hochskillen etwas verkomplizieren. Ihr könnt die Skill-Karten auf die entsprechenenden Kategorien verteilen oder miteinander kombinieren. Je mehr Punkte Ihr zum Beispiel in der Ausdauer habt, desto mehr Ausdauer-Skill-Karten können aktiv sein.

Take my Bottlecaps – Mikrotransaktionen

In Fallout 76 gibt es In-Game-Währung namens Atome zu kaufen, die wiederum in einem eigenen Shop im Spiel ausgegeben werden können. Man muss Atome nicht zwanghaft kaufen, sondern kann diese auch durch das Spielen verdienen, dies gestaltet sich leider als sehr langwierig, bis Ihr genügend Atome zusammengesammelt habt um ein Objekt Eurer Begierde zu erwerben. Im Shop gibt es Outfits, Emotes, Icons, Skins, Foto-Modus-Motive und Camp-Gegenstände zu kaufen. So wirklich braucht man diese Sachen zwar nicht und sie bieten auch keinen spielerischen Nutzen, dennoch ist für viele Spieler das eigene Aussehen alles. Ich persönlich finde, dass gerade manche Emotes und Foto-Modus-Motive von Anfang an hätten gratis zur Verfügung gestellt werden sollen, denn wir wissen ja, wie witzig die Social-Media-Shares der Screenshots sind.

Die Grafik

Ich persönlich konnte auf meiner PlayStation 4 keine großartige grafische Verbesserung zu Fallout 4 feststellen. Ich habe erwartet, dass hier vielleicht eine Schippe draufgelegt wird, aber dem war leider nicht so. Tag- und Nachtwechsel, nukleares Regenwetter, oder aber auch Gewitter ist zwar hübsch in Szene gesetzt, ist aber nicht grundlegend anders als im vorangegangenen Teil, oder Fallout 3. Man muss Fallout 76 an dieser Stelle zu Lasten legen, dass die Grafik an sich sehr altbacken wirkt.

Bugs und andere Unannehmlichkeiten

Die Ladezeiten fallen in West Virginia zwar kürzer aus als in Boston bei Fallout 4, fühlen sich dennoch ewig lang an. In der Zwischenzeit könnte man sich ein Brahmin-Steak braten. Bugs und Glitches in einem Bethesda-Spiel zu kommentieren ist wie eine Kritik an Nintendo verüben, weil sie zu viele Mario-Spiele haben. Wir als Spieler wissen, dass ständig an Verbesserungen gearbeitet wird, aber ich frage mich trotzdem, warum sie in einem Spiel aus dem Jahre 2018 noch so häufig auftreten müssen. In der ersten Spielwoche hatten wir im Team auch Bugs zu verzeichnen, die nicht ganz so lustig sind, wie zum Beispiel, dass der Server sich vom Netzwerk trennt und man wieder auf das Eintreffen des Spielers nach langer Ladezeit und sich-wieder-finden-Zeit warten musste. Das Spiel kämpft leider Gottes mit Frame-Drops auf  meiner Playstation, sodass das  Zielen und Schießen ein Glücksspiel ist, ob abgefeuerte Schüsse beim Gegner landen. Die Beta hatte viel mit Abstürzen zu kämpfen, das Problem ist nicht komplett ausgemerzt, dennoch treten die Abstürze nicht so kontinuierlich, sondern nur ab und zu auf.

Fallout 76 – Fazit

Ganz ehrlich, um es Euch vorweg zu nehmen: Mein Herz schmerzt. Ich wollte Fallout 76 lieben, auch die positiven Dinge sehen und sie liebevoll in meinen Armen halten, dennoch ist nach vielen unzähligen Stunden die Enttäuschung groß, weil ich die Augen vor den Mankos nicht verschließen konnte, nachdem ich die rosarote Fanbrille abnahm. Klar wusste man, worauf man sich mit dem Kauf eines Multiplayer-Rollenspiels einlässt, aber letztendlich bekommen wir viel Öd im Land. West Virginia ist zwar riesig und lädt zum Erkunden ein, dennoch gibt es nicht viel zu entdecken, was das Land so richtig lebendig macht. Ganz klar fehlen die NPCs mit ihrer eigenen und guten Story. Nehmen wir in Fallout 76 einen Auftrag an, gestaltet er sich meist in Hol- und Bringmissionen und das Storytelling in einer Hauptquest ist so spannend, wie die schlechteste Nebenquest in vorangegangenen Fallout-Teilen. Wir spielen hauptsächlich ein Holotape nach dem Anderen ab und klicken und scrollen uns durch textlastige Computerterminals. Nach ein paar Stunden hatte ich schon keine Lust mehr, mich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen. Es reicht auch nicht aus, wenn nur einer der Gruppe ein Terminal bedient, oder Tape abspielt, sondern das muss jeder einzelne Spieler auch machen, damit die entsprechende Quest einen weiteren Fortschritt oder Aufgabe auslöst.

Hohe Erwartungshaltung

Was habe ich erwartet? Liegt es an mir? Bethesda hat es verstanden, die Spieler anzufixen und das Hypemeter weit oben zu halten, ohne zu viele Infos Preis zugeben. Exzellente Werbeaktionen, Streams und das Füttern des Social-Media-Feeds sorgen dafür, dass Fans vor Euphorie förmlich noch vor Release platzen. Beginnt man seine Reise in Fallout 76 fühlt sich anfangs auch noch alles vertraut und gut an- verbringt man aber mehr Zeit und setzt sich intensiver mit allem auseinander, setzt das Gefühl ein, dass die Luft draußen ist und bekommt nicht genug geboten, was uns bei der Stange hält. In Fallout 76 fühlen wir uns isoliert und diese Isolation steht im Vordergrund und zieht sich durch das ganze Spiel. Es gibt keine nicht spielbaren Charaktere und keine Dialogauswahl. Nichts ist richtig oder falsch und das ganze Land inklusiver Städte ist verlassen, das ist schon irgendwie ironisch, denn Fallout 76 sollte eigentlich ein soziales Spiel sein.

Apropos sozial. Was nicht wirklich sozial ist, ist der Fakt, dass nicht alle Spieler gleich belohnt, sprich denselben Loot bekommen. Oftmals gibt es Streitigkeiten über Ersatz- und Waffenteile, Kleidungsstücke, Powerrüstung und auch Wackelpuppen, die einen Status verbessern- wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und eine langwierige Mission nochmal spielen? Nee.

Kein grundlegend schlechtes Spiel

Noch ein Grund zur Ärgernis sind die Questmarker und angezeigte Haupt- und Nebenquests, die am rechten Bildschirmrand eingeblendet werden. Spielt man zusammen in einer Gruppe, muss man immer das Ziel, welches man als Gruppe verfolgt im Auge behalten, oder aber immer ins Menü springen und Quests, die man nicht verfolgt manuell abwählen. Trifft man zufällig auf eine neue Quest, wird diese auch wieder aktiviert, sodass man, richtig, diese erneut abwählen muss um nicht für Verwirrung zu sorgen.

Kurzum: Fallout 76 ist kein grundlegend schlechtes Spiel, dennoch fehlt es an vielen Ecken an Spaß und einer guten Geschichte um den Spieler bei Laune zu halten. Uns erwartet nichts Neues, das Menü ist nach wie vor klobig und man braucht seine Zeit um sich einzufinden. An der Grafik hat sich nichts getan und auch Bugs, die sicherlich oft gepatcht werden, sowie Ladezeiten sind nicht mehr zeitgemäß.

Das Storytelling könnte besser sein

Leider ist meine Motivation weiterzuspielen nicht gerade hoch und mir tut es für mich selbst leid, ein Fallout zu besitzen, welches ich erstmalig nicht weiter verfolgen werde. Die Hauptschuld trägt für mich das schlechte Storytelling und die Isolation, die sich nicht gut und leblos anfühlt. Leider gibt es an dieser Stelle nur 60 Bottlecaps von mir, da uns sicherlich nur die Geschichte von Fallout 76 im Gedächtnis bleiben wird, die wir mit unseren Freunden eigens im Spiel kreieren.

Wertung

6

Fazit

6.0/10

Die Olle aus Youtube. Zimmy steht auf Nostalgie, Pixelblut, Retro, Oldschool, Newschool, Games, Videospielkultur, Filme, Serien, 80er-Kram. Kocht 1-Minuten-Reis in 58 Sekunden. Kann Pulp Fiction mitsprechen. Unterstützt keine Downloads. Geht nie ohne Handheld aus dem Haus. Oft kopiert – nie erreicht. Liebt Videospiele. Keep on zocking!

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