16. November 2020

The Dark Pictures: Little Hope

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Pünktlich zu Halloween serviert uns Supermassive Games ein Horrorabenteuer. Egal ob du Man of Medan gespielt hast oder nicht, kannst du mit Little Hope direkt einsteigen. Jede Geschichte der Dark Pictures Anthology ist eine abgeschlossene. Ich bin in die Stadt der Hexenprozesse für euch eingetaucht, ob sich der Gruselspaß lohnt?

Alles fängt mit einem dramatischen Szenario an und verläuft sich fortan in einer kleinen Stadt Little Hope, wo im 17ten Jahrhundert die Hexenprozesse im Gange waren. Wir wechseln zwischen fünf Protagonisten, die allesamt unterschiedliche Charakterzüge, Alter, Rollen, sowie Stärken und Schwächen haben. Vier Studenten und ein Lehrer- nach einem Busunfall in einer Stadt gestrandet, die mit dichten Nebel umhüllt ist. Wer sucht da nicht gerne nach Hilfe. Klingt jedenfalls für die Genrefans sehr einladend! Besonders viel Mühe wurde sich mit dem Hauptprotagonisten gegeben, den der Schauspieler Will Poulter verkörpert. Die Geschichte des Spiels ist so vielschichtig und muss selbst erlebt werden. Jedes weitere Wort von mir könnte eines zu viel sein. Werden unsere Charaktere leben oder sterben? Welche Konsequenzen werden unsere Entscheidungen tragen? Findet es selbst heraus.

Wie auch schon in Man of Medan zahlt sich jede eurer getroffenen Entscheidungen im Spiel positiv, oder aber sehr negativ aus. Dies streckt sich über die Eigenschaften verschiedener Charaktere und ihrer Bindung zueinander, sowie dem endgültigen Tod eines Charakters. Apropos Bindung unter den Charakteren, leider habe ich des Öfteren nicht gewusst, ob ich die „richtigen“ Entscheidungen treffe um das Charakterband zwischen den Personen zu stärken. Jedenfalls scheine ich intuitiv etwas richtig gemacht zu haben, denn im ersten Durchgang überlebten alle meine Protagonisten.

Schönes Feature: Spiel nicht allein. Wenn wir uns selbst als zart besaitet sehen, aber dennoch Lust auf ein gruseliges Game haben, müssen wir das nicht alleine durchstehen. Hol dir einfach ein paar Freunde mit ins Boot. Wenn wir den Filmabend auswählen, können wir den Controller weitergeben und die Geschichte mit 2-5 Freunden erleben. Keine Freunde da? Spiel online mit einem Freund den gemeinsamen Storymodus, vorausgesetzt er besitzt das Spiel auch.

Grafisch ist Little Hope vor allem in Bezug auf die Charaktermodelle auf einem enorm hohen Niveau angesiedelt. So wurden unter anderem der bereits zuvor erwähnte Will Poulter (Midsommar, Narnia, The Revenant, uvm.) gemotion-captured und ebenfalls für die Englische Synchronisation eingesetzt. Ich selbst hatte beim Spielen der PS4-Version keine Probleme, unsere Maren hingegen hatte leider auf der Xbox One-Version während Filmsequenzen mit starken Rucklern zu kämpfen und hofft, dass dies zeitnah durch einen Patch behoben wird.

Was uns nicht gefallen hat ist, dass gerade im gemeinsamen Spielmodus mit einem Freund oftmals Gespräche unterbrochen wurden, wenn der andere eine bestimmte nachfolgende Situation (Triggerereignis) ausgelöst hat. Auch die Taschenlampen, die jeder Charakter in den dunklen schlauchigen Wegen in der Hand haben sollte, sind ab und an wie aus Geisterhand verschwunden, sodass man komplett im Dunklen tappte. Für die Wegfindung und Suche nach Geheimnissen eher suboptimal. Die Geschichte des Spiels ist weitestgehend ruhig erzählt, auch wenn wir unsere stressigen Momente mit Quick-Time-Events haben werden.

Der Wiederspielwert von Little Hope ist dennoch vorhanden. Klar, wir werden uns nicht mehr so wie beim ersten Mal Durchspielen erschrecken, dennoch lässt uns das Spiel genug Sammelbares vervollständigen. Es gibt Bilder der schwarzen und weißen Magie, die auch immer eine (dunkle) Vorahnung mit sich bringen zu entdecken, oder aber wir decken die insgesamt 50 Geheimnisse um den Hexenkult in Little Hope auf. Schade, dass man viele der Bonusinhalte erst freispielen kann, wenn man alles gefunden hat. So bleiben dem einen oder anderen vielleicht die „Geheimnisse von Little Hope“ vorenthalten. Das Artbook, das Design und das Interview mit Will Poulter habe ich zumindest nach einmaligem Durchspielen freigeschaltet. Kein Bock auf Sammeln? Dann verzückt dich vielleicht die Angst deines Freundes, das Spiel erneut zu starten. Jede Person reagiert ja schließlich anders.

In bestimmten Momenten schafft es Little Hope tatsächlich ein Gefühl eines 1970 entsprungenen Horrorfilms aufkommen. Mit der Optik wird gut gespielt und auch die Licht- und Schatteneffekte wurden gut eingesetzt. Manche Orte des Spiels wirken oft detailverliebt und vermitteln ein gruselig-schönes Setting aus dem 17ten Jahrhundert, die schlauchigen Waldwege sind leider eher zu trist und eintönig. Hier hätte man noch etwas Feintuning betreiben können, sodass der Spannungsgrad gehalten wird.

Fazit

Hat mich Little Hope nun so begeistert, wie es Man of Medan getan hat? Jein. Aus der Geschichte hätte man noch mehr machen können, will heißen, dass die gute geschichtliche Ebene für mich lediglich an der Oberfläche von einem spannend-faszinierenden Thema gekratzt hat. Leider zündeten die Gruselmomente auch nicht wirklich, da oft mit ein und demselben Jumpscare gearbeitet wurde. Ein wirklich unbehagliches Gefühl, oder gar Angst kam in den investierten fünf Stunden nicht auf. Dennoch möchte ich die geschichtlich und spielerisch perfekt umgesetzten Exekutionen der Hexenverfolgung loben. Der Entwickler hat definitiv seine Hausaufgaben gemacht. Zumindest die Fans des brutalen Horrors kommen hier auf ihre Kosten.

Little Hope ist keinesfalls schlecht, dennoch im direkten Vergleich mit dem vorangegangen Teil der Dark Pictures Anthology nicht so überzeugend. Man of Medan war klaustrophobisch, beklemmend und bedrohlich- Little Hope bringt das leider nicht so gut zusammen. Grafisch ist das Spiel überragend und ich bin fasziniert davon, was technisch alles möglich ist. Die Gesichtszüge, die kleinen Details in der Kleidung der Protagonisten, die Licht- und Schattenspiele- einfach wundervoll. Wenn auch, wie im Test erwähnt, Little Hope nicht frei von technischen Mängeln ist. Der Wiederspielwert ist recht hoch, denn jedes Mal wird die Geschichte nicht dieselbe sein- versucht einfach mal verschiedene Entscheidungen aus und verfolgt andere Handlungsstränge.

Kurz gesagt bekommen wir das, was wir erwarten: Den kleinen Horrorsnack für zwischendurch! Da ich ein großer Fan von Supermassive Games bin, freue ich mich dennoch auf House of Ashes im Jahr 2021.

The Dark Pictures: Little Hope

7.4

Wertung

7.4/10

The Dark Pictures: Little Hope erscheint am 30.10.2020 für PlayStation 4, Xbox One und PC.

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