24. April 2020

The Shattering im Test

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Schon vor zwei Jahren sollte das Werk der polnischen Entwickler von Super Sexy Software erscheinen. Nun ist es endlich so weit: Seit dem 21.04.2020 ist The Shattering auf Steam für 19,99 Euro erhältlich. Ob sich das lange Warten auf den psychologischen Indie-Thriller gelohnt hat? In diesem Test erfahrt ihr es!

Setze deine Erinnerungen wieder zusammen

Wir befinden uns im Verstand von John Evans. Einem Autor, der scheinbar kurz zuvor einen schweren Autounfall erlitten hat. Erinnern können wir uns jedoch an gar nichts. Wir befinden uns in einem farblosen Raum auf einem Sofa. Geführt werden wir von der angenehmen Stimme unseres Therapeuten. Er leitet uns durch die wirren Fragmente unserer Erinnerung. Was ist mit uns passiert? Wie war ihr Name? Welche Erinnerungen sind wahr – und welche sind nur vorgetäuscht, um uns vor der Wahrheit zu schützen?

Ein Drama in vier Akten

Wir erleben Johns Erinnerungen in der Ergo-Perspektive und tauchen so voll und ganz in seine fragile Gedanken- und Gefühlswelt ein. Den Weg in die tiefsten Abgründe und größten Hoffnungen von Johns Psyche durchlaufen wir in insgesamt vier Akten. Dabei führt uns die Stimme des Therapeuten immer weiter in Johns Vergangenheit – und zeigt uns so die Schlüsselmomente seines Lebens, die ihn formten und zu dem Menschen machten, der er heute ist. Dabei bedient sich The Shattering einer sehr intensiven und metaphorischen Erzählweise, die unter die Haut geht. Das Spiel versteht es, physische und psychische Gewalt darzustellen – ganz ohne sie direkt zu benennen oder zu zeigen.

 

Allgemein erreicht The Shattering Spannung und unheimliche Atmosphäre ohne Jumpscares oder greifbare Antagonisten. Das funktioniert neben der packenden Story, auch wegen der emotionalen Audio-Untermalung und der wunderschön gestalteten Umgebung. The Shattering präsentiert sich sehr ästhetisch in einer schwarz-weißen Spielewelt. Nur hier und da werden bedeutende Elemente farbintensiv hervorgehoben. Die surreale Gedankenwelt spiegelt Johns Gemütszustand wider und verändert sich unablässig. So kann sich das eben noch so kuschelig-unschuldige Kinderzimmer schnell in einen unheimlichen, bedrohlichen Raum verwandeln.

Fazit

The Shattering führt uns in eine Art virtuelle Therapie-Sitzung und liefert uns damit die schonungslos ungeschönte Geschichte eines depressiven Autors. Dabei geht es nicht um Rätsel, Jumpscares oder Action, sondern um das Erleben. Das Eintauchen in die Psyche eines gebrochenen Menschen. Mit seiner intensiven Darstellung psychischer Zustände hat mich The Shattering in seinen 5 Stunden Spielzeit komplett in seinen Bann gezogen. Die metaphorische und bildgewaltige Erzählweise lässt den Walking-Simulator schon fast poetisch und künstlerisch wirken, ohne dabei über das Ziel hinauszuschießen. Da ihr die Story lieber selbst erkunden und erleben solltet, werde ich an dieser Stelle auch gar nicht mehr verraten. Nur das eine: Wer Interesse an einem emotionalen, tiefgründigen Indie-Thriller hat, ist bei The Shattering wunderbar aufgehoben.

9

Wertung

9.0/10
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