26. März 2020

Ori and the Will of Wisps im Test

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Mit Ori and the Blind Forest hat Entwickler Moon Studios 2015 einen Must-Play Titel für die Xbox One und den Windows PC veröffentlicht. Der einzigartige Stil, das Gameplay, der Soundtrack und nicht zuletzt die Geschichte um Ori und seine Reise begeisterte die Spieler rund um den Globus. Nun steht der Nachfolger Ori and the Will of Wisps in den Startlöchern und ich möchte Euch in meinem Review auf ein Abenteuer mitnehmen, welches mich selbst fesselte, aber unglücklicherweise keine ausschließlich positive Kritik möglich macht.

Ja, ich muss es tatsächlich zugeben: Immer wieder mal kam mir Ori and the Blind Forest vor die Linse, allerdings habe ich es nie wirklich zu Ende gespielt, sondern immer wieder mal sporadisch damit angefangen. Als dann der nahende Release des Nachfolgers vor der Türe stand, wollte ich natürlich einen nahtlosen Übergang der Geschichte erleben. Und da ich mir in einer der vergangenen Games with Gold Aktionen die Definitive Edition von Ori and the Blind Forest gesichert habe, musste ich den Titel nur noch herunterladen und konnte so direkt ins Abenteuer starten. Bereits beim Spielen machte sich eine Vorfreude auf den Nachfolger breit, welcher dann schlussendlich am 11.März 2020 unter anderem auch im Xbox Game Pass erschien.

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Die Geschichte von Ori and the Will of Wisps knüpft nahtlos an den Vorgänger an.

Alle die den ersten Teil gespielt haben werden sich an die letzten Szenen erinnern, als der vermeintliche Feind Kuro doch eigentlich nur seinen Nachwuchs verteidigen wollte. Ohne das ich nun Gefahr laufe grundlegend weiteres spoilern, kann ich Euch sagen dass die Erzählung fließend ineinander greift und damit der Übergang zur Fortsetzung perfekt platziert wurde. Und die Geschichte wird nahtlos weitererzählt: Eines Tages schlüpft aus dem Ei die kleine Eule Ku, welche es nach einiger Zeit in die Lüfte zieht, dies aber dank eines nicht richtig entwickelten Flügels unmöglich scheint. Ori hat aber glücklicherweise eine Feder aus dem vorangegangenen Abenteuer aufgehoben und im Handumdrehen kann so Ku’s Flügel präpariert werden, womit einem ersten Testflug gemeinsam mit Ori nichts im Wege steht. Allerdings verläuft dieser Flug nicht wie geplant, die beiden geraten in ein Gewitter, Ku verliert seine provisorische Flughilfe und beide stürzen in verschiedene Richtungen ab. Danach finden uns auf einer Waldlichtung wieder und die Mission sollte klar sein, wir müssen Ku finden. Und wer Ori schon zuvor gespielt hat, wird sich sofort mit der Steuerung zurechtfinden. Allerdings stehen Fähigkeiten wie der Doppelsprung oder an Wänden entlang klettern bereits von Spielbeginn an zur Verfügung, so dass wir direkt tiefer in das Spielgeschehen eintauchen können.

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Ori’s Freunde folgen ihm bei seiner Suche nach Ku.

Das Gameplay: Konsequent verbessert

Bereits im Vorgänger war das Gameplay leicht zu erlernen, was dann bei anspruchsvolleren Passagen auch dringend notwendig war. Auch Ori and the Will of Wisps spielt sich on Point, die Steuerung vermittelt eine direkte Umsetzung der Eingaben, die Kollisionsabfrage arbeitet gut und mit dem richtigen Geschick bzw. den passenden Fähigkeiten unseres Charakters, lassen sich auch die schwierigsten Sprungeinlagen meistern. Neben den bisher bekannten Lichtkugeln, welche in den verschiedenen Bäumen eingesetzt sind und auf das absorbieren unsererseits warten, sind  unterschiedliche Charaktere hinzugekommen, welche Ori mit neuen Fähigkeiten ausstatten, sofern wir dafür die benötigten Punkte zur Verfügung haben. Diese lassen sowohl die Gegner nach ihrem Ableben fallen oder können, meist gut versteckt und dann in größeren Mengen, im Spielverlauf gefunden werden. Die zu erlernenden Fähigkeiten reichen dabei von verbesserten Angriffen und mehr Widerstandsfähigkeit bis hin zu dem Dreifachsprung oder der Fähigkeit unter Wasser zu Atmen, sodass wir nicht ständig auftauchen müssen.

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Das Wiedersehen mit der kleinen Eule Ku währt nur kurz, bevor sich die beiden wieder verlieren.

Immer wieder finden wir im Spielverlauf diverse Items, welche wir in Neben-Quests den zahlreichen Charakteren überreichen können und dafür neue Aufgaben oder eben weitere Gegenstände erhalten. Hier bietet Ori and the Will of Wisps einiges an Mehrwehrt gegenüber dem Vorgänger. Ich hatte bereits knapp 10 Stunden Spielzeit auf der Uhr, als mir dann die einzelnen vorgestellt wurden, in denen die drei Lichtfragmente versteckt wurden und auf ihre Entdeckung warteten. Der Umfang des Spiels ist spürbar gewachsen und das tut dem Spiel auch gut, denn es wirkt an keiner Stelle langweilig oder unnötig in die Länge gezogen.

Gemessen am Vorgänger ist der Schwierigkeitsgrad zwar etwas besser ausbalanciert, allerdings sind auch bei Ori and the Will of Wisps einige durchaus knifflige Sprungpassagen und fordernde Bosskämpfe dabei und richtet sich gerade im späteren Spielverlauf an erfahren Controller Akrobaten.

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Diese uralten Bäume beherbergen Fähigkeiten, die wir im weiteren Spielverlauf dringend benötigen.

Die Grafik: Ein Traum, auch in Full-HD

Eigentlich war es vorgesehen, Ori and the Will of Wisps in 4K-Auflösung zu spielen und zu erleben. Eine ungeplante Einsendung der Xbox One X zwecks Reparatur sowie eine Lieferverzögerung des 4K tauglichen Fernsehers machten mir hier an dieser Stelle einen Strich durch die Rechnung. Somit habe ich Ori and the Will of Wisps auf meinem bisherigen Setup, einer Xbox One S sowie einem 42“ Full-HD Fernseher gespielt. Und ich kann ganz klar sagen, wie auch schon der Vorgänger sieht es auch „nur“ in Full-HD einfach traumhaft aus und hat aus technischer Sicht noch eine Schippe daraufgelegt: Die Hintergründe wirken nun noch mehr räumlich, die farbliche Gestaltung ist gelungen und insgesamt wirkt das alles wie aus einem Guss. Die Settings der unterschiedlichen Areale sind allesamt abwechslungsreich und eine wahre Augenweide. Von der grafischen Seite gibt es nichts zu bemängeln.

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Die Grafik wurde mit viel Liebe zum Detail umgesetzt und fasziniert immer wieder mit wundervollen Hintergründen.

Der Sound: Ich höre und verweile

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Soundtrack. Ich habe bei Testende beinahe 30 Stunden Spielzeit auf der Uhr und das liegt wohl auch daran, dass ich an vielen Stellen einfach mal den Controller aus der Hand gelegt und der Musik gelauscht habe. Außer in den Bosskämpfen sind die Kompositionen eher ruhig gehalten, allerdings mit einer sehr harmonischen Stimmung versehen. In Kombination mit den großartigen visuellen Hintergründen lädt dies gerne zum Verweilen und auf sich wirken lassen ein. Auch die Soundeffekte sind passend. In Sachen Stimmung macht Ori and the Will of Wisps alles richtig.

Mein Fazit: Es hätte so schön sein können…

Bisher sprechen also alle Punkte für einen absolut runden Titel. Wer nun einen Blick auf die Wertungsbox geworfen hat, wird sich fragen, ob sich da ein Fehler eingeschlichen hat. Und so schwer es mir fällt, ich muss die Frage verneinen. Bereits am Tag der Veröffentlichung fiel mir ein technisches Manko sofort ins Auge: Ein teilweise sekundenlanges Einfrieren des kompletten Spielgeschehens. Dies konnte ich sowohl auf der Ur-Xbox One als auch der One S bemerken. Andere Spieler berichteten von dem gleichen Phänomen auf der Xbox One X. Das wir hier nicht einem Performanceproblem zu kämpfen haben, sollte klar sein. Vielmehr bedarf es hier an der Stelle noch eine dringend notwendige Optimierung. Auch das Umschalten vom Spielgeschehen in das Inventar bzw. der Übersichtskarte dauert viel zu lange und ist im Vergleich zum Vorgänger schnarch langsam.

Ich habe bis zum letzten Tag meines Testzeitraum praktisch mehrmals täglich geprüft ob ein Update bereitsteht, um diesen fiesen Patzer auszubügeln. Leider war dies nicht der Fall und ich hatte mich gedanklich auch schon mit dieser Situation arrangiert und mit mir gehadert, wie sich dies auf die finale Wertung des Spiels auswirken würde. Und ich sag’s ganz ehrlich, es ist mir wahrlich nicht leicht gefallen die jetzt stehende Wertung zu übernehmen. Aber der Bug, welcher das Spielgeschehen immer wieder einfriert, ist leider zu fundamental, als dass man ihn beschönigen könnte. Ohne diesen hätte Ori and the Will of Wisps ohne Mühe an einer 9er Wertung kratzen können. So bleibt es lediglich bei einer Wertung, welche dem Titel bei Weitem nicht gerecht wird.

Update: Am 07.04.2020 wurde für Ori and the Will of Wisps ein Bugfix-Update veröffentlicht, welches die angesprochenen technischen Kritikpunkte ausmerzt. Unsere Meldung dazu könnt Ihr hier nachlesen:
Ori and the Will of Wisps: Update 1.0.4549.0 behebt Performance Probleme

Ori and the Will of Wisps ist für Xbox One und PC erhältlich.

7.5

Wertung

7.5/10
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