18. Mai 2019

Saints Row: The Third – The Full Package (Switch) im Test

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Mit Saints Row: The Third ist nun THQs Antwort auf die humorvolle Alternative zu GTA, welches 2011 bereits für den PC, die PS3 und Xbox 360 erschienen ist, auch und vor allem ungeschnitten inklusive aller DLCs auf der Nintendo Switch spielbar. Ob sich der Port lohnt, oder doch lieber die Ursprungsversionen gespielt werden sollten, erfahrt ihr in meinem Test.

Dildos, Gangs und ganz viel Lila

Mit Saints Row 3 erwartet euch ein waschechtes und abgedrehtes Open-World-Spiel in dem ihr unzählige Missionen abschließt, die Stadt erkundet, euren Spielcharakter umgestaltet und neu einkleidet, Autos und Motorräder klaut, Passanten ummäht und viele, viele weitere Aktivitäten abschließt. Genrefans bekommen mit diesem Titel einen riesigen Spielplatz geboten, der einiges an Unterhaltung zu bieten hat und über viele Stunden hinweg für eine spaßige Zeit sorgt. Im Vergleich zur GTA-Reihe hat sich Saints Row spätestens mit dem dritten Teil dazu entschlossen, die Ernsthaftigkeit überwiegend aus dem Spiel zu entfernen und ordentlich einen auf die Kacke zu hauen.

Es gibt Waffen aus Dildos, abgedrehte Gang-Mitglieder, bescheuerte Fahrzeuge und eine Story, die aufgrund ihrer Banalität vermutlich niemals verfilmt werden könnte. Diese ist ziemlich schnell erklärt: Ihr seid Mitglied der Gang „Third Street Saints“ und habt eure Stadt „Steelport“ ziemlich gut im Griff. Überall sind eure Mitglieder verteilt oder Werbung in euren Gang-Farben im wunderschönen „Knockout“-Lila ausgehangen. Nach der ersten Mission im Spiel müsst ihr jedoch erst einmal einen Fehlschlag verkraften und komplett von vorne beginnen. Eure Macht und euer Ansehen sind nicht mehr vorhanden und euer Ruf längst nicht mehr der gleiche. Nun heißt es wieder einen Gang hochzuschalten und „Steelport“ erneut zu erobern. Aber Vorsicht, auch das Syndikat als gegnerische Gang, hat dasselbe Ziel wie ihr und legt sich immer wieder mit euch und euer Gang an.

Saints Row: The Third – The Full Package

Personalisierung vom Feinsten

Den Spielcharakter könnt ihr in weiblicher, als auch männlicher Form selbst erstellen und personalisieren. Hierzu sind verschiedene Frisuren, Haarfarben, Gesichtsmerkmale, der Sexappeal in Form einer dicken Beule in der Hose oder riesen Hupen, Klamotten, der Stimme und vielem mehr wählbar. Gleiches gilt für eure Fahrzeuge und den Stil eurer Gang-Mitglieder – Saints Row 3 lässt euch an vielen Punkten selbst darüber entscheiden, wie ihr eure Gang präsentiert und „Steelport“ einnehmt. Und wenn ihr es möchtet, könnt ihr sogar komplett nackt mit ein paar Verpixelungen spielen.

Actionreiches Geballer und gewaltige Tritte unter die Gürtellinie

In „Steelport“ könnt ihr euch komplett frei und zu Fuß oder mit Fahrzeugen, bis hin zu einer Anlehnung des Nimbus 2000 in der Luft, bewegen. Missionen nehmt ihr über euer Handy an und werdet per GPS wunderbar einfach zu euren Auftraggebern geführt. Die Missionen selbst sind sehr actionreich und überzogen inszeniert. In den meisten Fällen geratet ihr in schnelle Feuergefechte und müsst einige Wellen von Gegnern ausschalten. Hierzu stehen euch viele Standard-Waffen oder abgedrehte Modelle zur Verfügung. Für jeden Spielertypen sollte sich hier die passende Waffe finden. Es ist darüber hinaus möglich, gegnerische Gang-Mitglieder als Schutzschild zu nutzen oder sie mit einem gezielten Tritt in die Eier auszuschalten – witzig und effektiv. Zudem bekommt ihr es in Saints Row 3 oftmals mit Gefechten in der Luft, während ihr aus einem Helikopter heraus feindliche Fahrzeuge zerstört, sowie Verfolgungsjagden zu tun.

Langweilig wird es vor allem durch die Dialoge der entsprechenden Charaktere und überinszenierten Kämpfen so schnell nicht. Hinzu kommt ein abwechslungsreicher und antreibender Soundtrack, der von Marilyn Manson, Mötley Crüe, Social Distortion bis hin zu RUN-D.M.C. und zu Mozart reicht – nahezu jeder Musikgeschmack wird in Saints Row 3 belohnt. Besonders cool ist die Funktion sich aus den verschiedenen Radiosendern ein eigenes Mixtape zu erstellen, in dem nur die Songs zu hören sind, die gerne gehört werden.

Saints Row 3 Switch

Steelport < Los Santos

„Steelport“ entpuppt sich während des Spielens von Saints Row 3 als wunderbarer Schauplatz. Es gibt überall etwas zu entdecken und freizuspielen, während auch die Unterschiede beim Tag- und Nachtwechsel beeindruckend wirken. Es gibt viele Klamotten-Shops, Werkstätten, Waffenhändler und natürlich euer riesiges Gang-Domizil mit Pool und Hubschrauberlandeplatz. Nichtsdestotrotz ist die GTA-Reihe mit seinem „Liberty City“ und dem Städte-Koloss „Los Santos“ durch „Steelport“ nicht vom Thron zu stoßen. Vor allem „Los Santos“ wirkt mit seinen verschiedenen Schauplätzen, dem Gewässer und den Stränden und unterschiedlichen Vierteln unheimlich abwechslungsreich, während man in „Steelport“ nach ein paar Stunden Spielzeit doch nahezu fast alles schon einmal gesehen hat. Es ist aber dennoch eine unheimlich coole und abgedrehte Stadt.

Saints Row 3 Switch

Das technische Debakel

Bei Saints Row 3 auf der Switch handelt es sich zum einen um ein Spiel, das ursprünglich 2011 erschienen ist und somit bereits eine dicke Staubschicht angesammelt hat und zum anderen um eine ziemlich, sorry für meine Ehrlichkeit, hingerotzte Portierung. Ob es nun cool ist, ein älteres Spiel aus dem Nichts heraus noch einmal auf der Switch zu veröffentlichen oder nicht, liegt definitiv im Auge des Betrachters. Wie das Ganze am Ende umgesetzt wird, ist allerdings ein anderer Punkt. In diesem Fall hätte das Spiel definitiv mehr Aufmerksamkeit und Feingefühl benötigt, denn bei dieser Veröffentlichung leidet vor allem das Gameplay. Dass das Spiel optisch keine Offenbarung ist, liegt natürlich nicht nur an der Switch sondern auch dem Alter der Ursprungsversion. Etwas besser hätte es jedoch dennoch aussehen können, wenn man bedenkt was die Switch vor allem bei eigenen Produktionen und ebenfalls Ports, wie beispielsweise Outlast 2 herausholen kann.

Ein noch viel größeres Problem sind das Einbrechen der Framerate, mehrere Bugs, Glitches und Freezes, oder gar Spielabstürze. Bereits in den ersten fünf Stunden des Spiels musste ich mich hierüber einfach zu oft ärgern um noch ein Auge zuzudrücken. Saints Row 3 legt einen großen Fokus auf actionreiche Schusswechsel und Vollgasfahrten durch „Steelport“, die durch Ruckler zu Spieltoden und verzweifeltem Nachjustieren beim Schießen führen. Darüber hinaus kann ich persönlich euch empfehlen zum Spielen den Pro Controller der Switch zu nutzen, da ihr somit die beste Kontrolle und das beste Spielgefühl bekommt. Mit der JoyCon-Halterung ist es ebenfalls möglich, bei längerem Spielen aber etwas krampfig. Gleiches gilt für das Spielen im Handheldmodus. Wer die Taste zum Rennen übrigens auf die Schultertaste oben links gelegt hat, gehört bestraft – zum Beispiel mit dem Dauerhören eines Schlageralbums. Technisch und optisch ist der Unterschied zwischen dem Spielen am TV oder Handheld übrigens kaum merkbar, was bereits einiges zu dieser Portierung aussagt.

Fazit

Saints Row: The Third war für mich vor 8 Jahren ein richtiger Brecher und endlich ein Spiel, dass das GTA-Konzept, zwar verändert und überzogen, aber sehr solide bis gut umgesetzt hat. Zusammen mit der riesen Menge an DLCs und dem Hauptspiel bietet der Switch-Port einen dicken Batzen an Content und weiterhin wirklich coole Unterhaltung. Leider hat der Titel in diesem Fall jedoch mit einigen technischen Problemen zu tun. Es wirkt optisch sowie technisch zu veraltet, hat große Probleme mit der Framerate und Spielabstürzen, die alles andere als hinnehmbar sind. Für Saints Row 3 tut es mir als großer Fan des Titels sehr leid, da es mit Sicherheit neue Fans an Land ziehen könnte und die Lust auf ein potentielles Saints Row 5 steigern würde. Auch der angekündigte Day-One-Patch, welcher über eine Woche nach Veröffentlichung des Spiels erscheinen soll, kann diesen Port mit Sicherheit nicht mehr retten. Schlussendlich kann ich diese Version nur Spielern empfehlen, die aus ihrer Liebe zur Saints Row-Reihe über die technischen Probleme hinwegsehen können und sich nur auf die guten Seiten fokussieren. Von mir gibt es aufgrund der technischen Mängel, auch wenn das Spiel an sich mehr verdient hätte, nur 6,5 von 10 Saints Row-Dildos.

Saints Row: The Third - The Full Package

6.5

Wertung

6.5/10
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