9. Oktober 2019

Untitled Goose Game im Test

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Entwickelt von einem 4-Mann-Indie-Studio aus Australien sollte sich das Projekt ursprünglich an Spielen wie Super Mario 64 orientieren und der Protagonist, die Gans, war zunächst nichts weiter als ein Stockphoto. Mit voranschreitender Entwicklung ergab sich dann ganz von alleine tatsächlich eher eine Orientierung an der Hitman-Reihe – allerdings völlig ohne Gewalt und stattdessen mit jeder Menge Humor.

Im Spiel kontrolliert man eine einsame schneeweiße Gans, die im Wald lebt inmitten ihres breit gefächerten Diebesguts. Damit allerdings noch nicht ganz zufrieden, zieht sie erneut los in das anliegende englische Dorf auf der Suche nach dem ganz großen Schatz. Ihr Weg ist mit zahlreichen Hürden gepflastert und vor allem mit ordnungsliebenden Widersachern in Form der Dorfbewohner, die das Chaos überhaupt nicht zu schätzen wissen, das die Gans zwangsläufig auf ihrem Weg anrichtet.

Die Steuerung ist simpel: Als Gans kann man schnattern, um auf sich aufmerksam zu machen oder jemanden zu erschrecken, man kann aufrecht stehen oder gebückt etwas mit dem Schnabel aufnehmen und man kann mit den mächtigen Flügeln schlagen, allerdings nicht fliegen. Mithilfe dieser übersichtlichen Fähigkeitenliste gilt es, eine sich aktualisierende Aufgabenliste zu erfüllen. Je nachdem in welchem Abschnitt des Dorfes man sich gerade befindet, passt die Liste sich an und fordert beispielsweise, die Trödelhändlerin in ihrer Garage einzusperren, dem Jungen ein Bein zu stellen, damit er in eine Pfütze fällt oder den Gärtner dazu zu bewegen, seinen Sonnenhut aufzusetzen. Gerade aber, weil man steuerungstechnisch so eingeschränkt ist, muss man dafür teilweise ziemlich kreativ werden – die Händlerin muss zunächst in die Garage gelockt werden und da eine Gans schwerlich einem Menschen ein Bein stellen kann, muss der Junge anderweitig zum Stolpern gebracht werden. Auch kann man dem Gärtner natürlich nicht empfehlen seine Kopfhaut zu schützen, sondern muss sich einen abstrakteren Weg suchen, um dafür zu sorgen, dass er selbst darauf kommt. Erledigt man eine ausreichende Zahl dieser Aufgaben öffnet sich der nächste Bereich und man kann voranschreiten, um irgendwo anders Unruhe zu stiften.

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Für viele Aufgaben, gerade wenn man irgendetwas stiehlt, um es auf eine Picknickdecke oder in einen Einkaufskorb zu legen, sollte man entweder unentdeckt bleiben oder schnell entkommen können – die Dorfbewohner sind nämlich sehr wachsam und machen sich auch auf die Suche nach ihrem fehlenden Eigentum. Wenn man zu langsam oder zu unvorsichtig ist, sind die zusammengetragenen Gegenstände wieder auf ihrem ursprünglichen Platz, bevor die angepeilte Aufgabe abgeschlossen ist. Spannend dabei ist der Gedanke hinter der Musik: Da der Trailer-Soundtrack so gut ankam, beschloss man das Musikstück in Sektionen aufzuteilen, die je nach Situation die Geschehnisse untermalen (Gans schleicht sich an ihre Beute heran vs. Gans wird gejagt).

The Untitled Goose Game bietet den übersichtlichen Umfang eines typischen Downloadtitels, versucht dem Spieler aber dennoch möglichst viel für sein Geld zu bieten. Die viereinhalb Dorfabschnitte und die finale Herausforderung sind in rund zwei Stunden erledigt, danach hat man aber immer noch die Möglichkeit eventuell ausgelassene Herausforderungen zu absolvieren und das Spiel legt mit zusätzlichen Listen nach, die neue Missionen in den gewohnten Umgebungen liefern.

Thomas‘ Fazit

Das aus Zeitgründen unbetitelt gebliebene Gans-Spiel besticht mit seiner schönen, farbenfrohen und konturlosen Darstellungsform und natürlich mit dem tierisch-frechen Protagonisten, dessen einziger Antrieb es ist, im Alleingang das gesamte Dorf auf den Kopf zu stellen. Trotz der wenigen Steuerungsoptionen und der übersichtlichen Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung sind die Missionen unglaublich kreativ erdacht, sodass man teilweise ziemlich abstrakt denken muss, um auf die nicht selten knifflige Lösung zu kommen – vor allem muss man aber lernen, wie die Dorfbewohner sich verhalten und wie sie auf verschiedene Gegebenheiten reagieren, da sich nicht selten darin die Lösung verbirgt. Obgleich auch Stealth, also unentdecktes Schleichen, ein zentrales Element des Spiels ist, siedelt der Schwierigkeitsgrad sich sehr weit unten an. Das Game verzeiht einem alles und ein Game Over gibt es nicht – höchstens die unausgesprochene Aufforderung umzudenken. Und genau das macht zweifelsohne, zumindest in diesem kurzen Umfang, buchstäblich tierischen Spaß.

Zimmys Fazit

Nook, nook! Kaum ein anderes Spiel hat es geschafft so minimalistisch und dennoch so charmant und humorvoll zu sein. Wer das Goose Game mit dem Goat Simulator vergleichen will, liegt komplett falsch. Ich würde es eher als Puzzle bzw. Rätselspiel mit einfachen Stealth-Elementen bezeichnen. Untitled Goose Game ist für mich das perfekte Spiel für Zwischendurch auf der Switch. Gerne spreche ich auch von einer kleinen Indie-Perle. Es macht Spaß, sich durch die Levelabschnitte zu schleichen und Rätsel zu lösen. Klar, das Goose Game ist jetzt nicht gespickt mit oberkniffligen Rätseln und die mega Herausforderung, dennoch ist unsere Gans so putzig anzusehen, interagiert witzig mit Mensch (NPC) und Umwelt, dass es einfach lustig ist, die böse unerzogene Gans zu spielen. Wenn wir das Untitled Goose Game durchgespielt haben, erwarten uns auf unserer To Do-Liste eine Reihe weiterer Herausforderungen. Ich würde mir wünschen, dass man später noch ein paar DLCs spendiert bekommt, das Spiel ist, ehe man richtig damit angefangen hat, auch schon wieder durchgespielt und das meine ich durchaus positiv. Kurzum: Das Untitled Goose Game ist für mich das Geld wert um einen schönen Abend damit zu verbringen. Nook. Nook, Nook!

Untitled Goose Game

8.4

Thomas' Wertung

8.2/10

Zimmys Wertung

8.5/10
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